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19.03.2026
08:48 Uhr
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Wolfram Weimer hat mit einer Rede die Leipziger Buchmesse eröffnet. Da hätte der so arg in der Kritik stehende Kulturstaatsminister ein paar klärende Worte sagen können.

Acht Minuten, das sind zum Beispiel einmal Stairway to Heaven von Led Zeppelin – viel Zeit für einen Song über die Suche nach Hoffnung, Lebensfreude und persönlicher Erleuchtung. Acht Minuten sind, anderes Beispiel, aber doch recht wenig für die Rede eines Kulturstaatsministers zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse am gestrigen Mittwochabend im Gewandhaus. Jedenfalls wenn man den Klärungsbedarf zum Maßstab nimmt, den der aktuelle Amtsträger Wolfram Weimer selbst im Vorfeld der Messe produziert hat. Ein wenig Erleuchtung mindestens würde helfen, zumindest dem Publikum zum Verständnis. Da war zuletzt vor allem die Sache mit den drei mittlerweile deutschlandweit bekannten Buchhandlungen mit vermeintlich demokratiegefährdendem Linksdrall: Weimer ließ sie von der Preisträgerliste des von ihm ausgelobten Deutschen Buchhandlungspreises entfernen, nachdem er beim Verfassungsschutz hatte nachfragen lassen, ob dort etwas "Verfassungsschutzrelevantes" aktenkundig ist. Ergebnis: Das ist es, nur weiß keiner, was genau da geschrieben steht, weil der Verfassungsschutz es nicht sagen darf. Und zwar nicht mal dem Kulturstaatsminister, der es offenbar doch genau wissen wollte, jetzt aber nur verlautbart, dass er nichts Genaues wisse. Dennoch belegt er die drei Buchhandlungen neuerdings mit dem Begriff des "Extremismus", der eine staatliche Förderung ausschließe. So geschehen in einem Interview in der aktuellen Ausgabe der ZEIT ("Das ist die denkbar sanfteste Form, in der der Staat ausdrücken kann, dass er Extremisten nicht auch noch fördert und auszeichnet") und noch am gestrigen Mittwoch, als Weimer vor seiner Abfahrt nach Leipzig in Berlin im Kulturausschuss des Deutschen Bundestags Fragen der Abgeordneten beantwortete: "In polarisierten Zeiten wollen wir den Extremismus zurückdrehen, nicht fördern", sagte Weimer dort , und dass "die Auszeichnung" des Deutschen Buchhandlungspreises nicht "an Extremisten" erfolgen könne. In der Angelegenheit ist sich Weimer also offenbar mittlerweile sicher. Nicht so sicher scheint er sich hingegen dabei zu sein, ob er das mit dem Verfassungsschutz bei Förderfragen so weiter handhaben möchte. Zuerst hielt er das öffentlich für eine gute Idee, dann sollte es die absolute Ausnahme bleiben. Viel Klärungsbedarf, wie gesagt, wohl auch für ihn selbst. Dasselbe gilt für die Zukunft der Deutschen Nationalbibliothek : Der Leipziger Sitz braucht dringend einen neuen, klimatisierten Erweiterungsbau, um die ganzen Bücher, die die Nationalbibliothek als deutscher Kulturspeicher gesetzlich verpflichtet ist zu sammeln (ein Exemplar jedes veröffentlichten Buches geht nach Leipzig, eines in die Dependance nach Frankfurt am Main), auch sicher aufzubewahren. Doch dann hat Weimer wenige Tage vor der Buchmesse in Leipzig genau diesen Leipziger Erweiterungsbau gestrichen (mit 100 Millionen Euro sei er angeblich zu teuer) und verkündet: Die Deutsche Nationalbibliothek solle sich lieber selbst digitalisieren. Das kam in der deutschen Kulturindustrie und speziell in Leipzig nicht gut an. Da war man schließlich gerade noch dabei, den auf die freiheitliche demokratische Grundordnung zusammengestrichenen Buchhandlungspreis samt kurzfristig abgesagter Verleihungszeremonie bei der Leipziger Buchmesse zu verstoffwechseln. Noch kurzfristiger strich Weimer nun auch den für einen Kulturstaatsminister doch recht üblichen Messerundgang . Wolfram Weimer, so scheint es, legt aktuell keinen großen Wert auf breiten Kontakt mit der Buchbranche. Und schlug dann doch gleich noch einen Haken und verkündete: Nein, nein, der Leipziger Erweiterungsbau der Nationalbibliothek sei noch nicht final gestrichen, es handele sich nur um ein "Moratorium". Sachsens CDU-Ministerpräsident Michael Kretschmer bot noch im Gewandhaus seine Hilfe beim Auftreiben des nötigen Geldes an und sprach den bemerkenswert klaren Satz : "Wir hören erst auf, Bücher zu sammeln und zu archivieren, wenn es sie nicht mehr gibt – und nicht schon vorher." Leipzig, die Buchmesse, die deutsche Kulturlandschaft – es hätte also ausreichend Interessenten bei der Festveranstaltung im Gewandhaus gegeben für eine Klärung der Frage, wo sie dran sind bei diesem Kulturstaatsminister und parteilosen Politikquereinsteiger, der bei seinem Amtsantritt im Mai 2025 von weiten Teilen der Kulturszene mindestens mit Skepsis empfangen wurde und diese seither alles andere als zerstreut hat. Er wird sich erklären, hieß es vor der Leipziger Rede. Womöglich, das war vielleicht nur eine Hoffnung, wäre aber eine gerechtfertigte Erwartung gewesen, würde er nicht nur ein Grußwort sprechen, sondern Grundsätzliches sagen.