Zeit 08.10.2026
21:52 Uhr

Unfall: «Geschockt»: Vier junge Mopedfahrer nach Überholmanöver tot


Unfall: «Geschockt»: Vier junge Mopedfahrer nach Überholmanöver tot
Ein Autofahrer \u00fcberholt auf der Landstra\u00dfe riskant und kracht mit einer Gruppe von Teenagern auf ihren Mopeds zusammen - vier junge Menschen sterben. Der Horror-Unfall am Mittwochabend im nord\u00f6stlich von Berlin gelegenen Biesenthal ersch\u00fcttert eine ganze Region. Das j\u00fcngste Opfer ist erst 14. Die Eltern der get\u00f6teten Jugendlichen, zahlreiche Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, Lehrkr\u00e4fte und viele weitere Menschen kamen am Abend zu einer Gedenkveranstaltung in die Marienkirche im benachbarten Bernau. Die Kirche war bis auf den letzten Platz gef\u00fcllt. Viele standen vor dem Eingang. Drei Pfarrer leiteten die Andacht. \u00abAlle sind total geschockt. Das ist eine ganz schlimme Trag\u00f6die\u00bb, hatte Biesenthals B\u00fcrgermeister Carsten Bruch (CDU) zuvor gesagt. Viele Blumen und Kerzen liegen am Tag nach dem Unfall an der freiger\u00e4umten Unfallstelle, Trauernde halten dort inne. Schwarz verkohltes Gras ist noch im Stra\u00dfengraben zu sehen, gelbe Markierungen auf dem Asphalt sollen das Unfallgeschehen festhalten. Woidke spricht sein Mitgef\u00fchl aus Auf der Plattform Instagram \u00e4u\u00dferte sich am Nachmittag auch Brandenburgs Ministerpr\u00e4sident Dietmar Woidke (SPD). \u00abHeute fehlen vier junge Menschen in ihren Familien, in ihren Freundeskreisen, in ihrer Nachbarschaft\u00bb, schrieb er \u00fcber das Profil der Staatskanzlei. \u00abF\u00fcr ihre Familien und Freunde ist von einem Moment auf den anderen nichts mehr wie zuvor. Daf\u00fcr gibt es keine passenden Worte. Ich m\u00f6chte allen, die trauern, mein tief empfundenes Mitgef\u00fchl aussprechen.\u00bb In einem Pendlerland wie Brandenburg geh\u00f6ren Verkehrsunf\u00e4lle zum Alltag, doch der Einsatz am Mittwochabend nahe der Kleinstadt Biesenthal ist auch f\u00fcr die Rettungskr\u00e4fte besonders belastend. Notfallseelsorger und speziell geschulte Teams betreuen Einsatzkr\u00e4fte, aber vor allem Angeh\u00f6rige, die am Abend an der Unfallstelle sind. Ermittlung wegen fahrl\u00e4ssiger T\u00f6tung Vier junge Menschen sind tot - nach Angaben der Polizei ein 14-j\u00e4hriges M\u00e4dchen, die auf einem Moped mitfuhr, und drei Jungs im Alter von 15, 16 und 19 Jahren. Der 61 Jahre alte Autofahrer kommt schwer verletzt mit einem Rettungshubschrauber in ein Berliner Krankenhaus. Gegen ihn ermittelt die Polizwei wegen fahrl\u00e4ssiger T\u00f6tung. Der Unfallhergang soll von Gutachtern rekonstruiert werden. Die Polizei teilt nach bisherigen Erkenntnissen mit, dass der Autofahrer mehrere vorausfahrende Fahrzeuge \u00fcberholen wollte. Wie schnell er dabei war, sagt sie zun\u00e4chst nicht. Der Wagen kracht auf drei entgegenkommende Mopeds, \u00fcberschl\u00e4gt sich und brennt aus. Ein Moped-Fahrer kann ausweichen Der Fahrer eines vierten Mopeds kann noch ausweichen und bleibt nach Angaben der Polizei unverletzt. \u00abEr wird ein wichtiger Zeuge sein\u00bb, sagt ein Sprecher. Ihm soll angesichts der Tragik aber auch Zeit gegeben werden, bevor er ausf\u00fchrlich befragt werde. Die beteiligten Fahrzeuge - Auto und Mopeds - sind f\u00fcr die Ermittlungen der Kriminalpolizei beschlagnahmt. Gerade im l\u00e4ndlichen Raum h\u00e4tten viele junge Menschen die Mopeds der Marke Simson wiederentdeckt, erz\u00e4hlt B\u00fcrgermeister Bruch. Die zu DDR-Zeiten in Suhl produzierten Mopeds der Marke Simson wie die Schwalbe oder die S51 sind f\u00fcr viele Liebhaber Kult. Er habe selbst einen 15 Jahre alten Sohn, der mit einer sogenannten Schwalbe unterwegs sei, sagte Bruch. \u00abDas geht einem sehr nah.\u00bb Es m\u00fcsse sich um ein \u00abriskantes \u00dcberholman\u00f6ver\u00bb gehandelt haben, meint Bruch. Auf der Strecke sei eine Geschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde erlaubt. Es handele sich um eine gerade Strecke mit einer Senke, die eigentlich gut einzusehen sei. Laut Erkenntnissen des Verkehrsministeriums in Potsdam soll es sich bei der Unfallstelle auf der Landstra\u00dfe L 200 nicht um einen Unfallschwerpunkt handeln. Dekra: Fehleinsch\u00e4tzung oft Unfallursache Der genaue Unfallhergang ist aber noch unklar. Unfallforscher der Pr\u00fcforganisation Dekra betonen allgemein: \u00ab\u00dcberholman\u00f6ver sind eine der kritischsten Fahrsituationen \u00fcberhaupt. Beim geringsten Zweifel ist \u00dcberholen deshalb keine Option.\u00bb Unf\u00e4lle beim \u00dcberholen seien h\u00e4ufig das Ergebnis von Fehleinsch\u00e4tzungen. Der Landrat des Kreises Barnim, Daniel Kurth, spricht tief ersch\u00fcttert von einem \u00abfurchtbaren Ungl\u00fcck\u00bb. Der Landkreis biete den betroffenen Schulen Hilfe an. Zudem wurde Trauerbeflaggung an Schulen und Dienststellen des Landkreises angeordnet. Bis Freitag sollen die Fahnen als Zeichen der \u00f6ffentlichen Trauer auf halbmast wehen. Eine gro\u00dfe geplante Tanzparty am Wochenende wurde abgesagt. Unterst\u00fctzung auch f\u00fcr die Einsatzkr\u00e4fte Brandenburgs Verkehrsminister Robert Crumbach (SPD) zeigt sich ersch\u00fcttert: \u00abMeine Gedanken sind bei ihren Familien und Freunden. Ihnen gilt mein tiefes Mitgef\u00fchl.\u00bb Auch die Einsatzkr\u00e4fte sollen Unterst\u00fctzung bekommen. Sie h\u00e4tten Bilder sehen m\u00fcssen, die sie bislang nicht gekannt h\u00e4tten, meint B\u00fcrgermeister Bruch. Der Kriseninterventionsdienst sei schon am Unfallabend bis 2.00 Uhr morgens bei den Feuerwehren gewesen. \u00a9 dpa-infocom, dpa:261007-930-805785/11