Zeit 23.09.2026
14:22 Uhr

Sozialleistungsmissbrauch: Kabinett beschließt Aktionsplan gegen Sozialbetrug und Ausbeutung


Die Bundesregierung will »Schlupflöcher im Sozialstaat« schließen. Wer mit Haftbefehl gesucht werde, dürfe keine Sozialleistungen beziehen, sagt Innenminister Dobrindt.

Sozialleistungsmissbrauch: Kabinett beschließt Aktionsplan gegen Sozialbetrug und Ausbeutung
Die Bundesregierung hat einen Aktionsplan gegen den organisierten Missbrauch von Sozialleistungen und die Ausbeutung von Migranten aus anderen EU-Staaten beschlossen. »Ausbeutung und Sozialleistungsmissbrauch tolerieren wir nicht«, ‌sagte ⁠Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD). Zwar brauche ​Deutschland ausländische Fachkräfte, es sei jedoch nicht hinnehmbar, die Freizügigkeit für organisierten Missbrauch auszunutzen. Die ​einzelnen Punkte des Plans sollen bis Jahresende umgesetzt werden. Bundesinnenminister Alexander ​Dobrindt (CSU) sagte, man schließe »Schlupflöcher im Sozialstaat «. Wer mit Haftbefehl gesucht werde, dürfe keine Sozialleistungen beziehen. Das betreffe insbesondere rechtskräftig verurteilte Straftäter, die ihre Haft nicht antreten, sagte Dobrindt. Auf welcher rechtlichen Basis man diese Menschen von Sozialleistungen ausschließen will, die teilweise nur dazu dienen, das absolute Existenzminimum abzusichern, geht aus dem Kabinettsentwurf, der der ZEIT vorliegt, nicht hervor. »Die weitere Festlegung der von der Regelung umfassten Arten von Haftbefehlen bleibt den Regierungsberatungen des Gesetzentwurfs vorbehalten«, heißt es darin. An diesem Nachmittag gibt Bas gemeinsam mit Dobrindt eine Pressekonferenz. »Missbrauch geht zulasten aller« Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schrieb auf X: »Missbrauch geht zulasten aller, die arbeiten und einzahlen.« Die Sozialsysteme dürften nicht ausgenutzt werden. Ein Schwerpunkt des Plans richtet sich gegen die Vermietung heruntergekommener Immobilien zu überhöhten Preisen an Sozialleistungsbezieher. Dies ⁠ist besonders in Nordrhein-Westfalen ​ein Problem, wo organisierte Kriminelle Menschen aus Rumänien oder ‌Bulgarien in die Wohnungen einquartieren. Über die Mieten ​landet das Geld häufig wieder bei den Kriminellen. Kommunen sollen künftig leichter mit Instandsetzungsvorgaben und Vorkaufsrechten dagegen vorgehen ​können. Als letztes Mittel soll auch eine Enteignung möglich sein. Überdies sieht der Plan einen besseren Datenaustausch zwischen den Behörden vor, ‌wobei auch KI-gestützte Systeme zum Einsatz kommen sollen. ​Arbeitgeber ​sollen künftig für zu Unrecht gezahlte ‌Sozialleistungen haften, wenn sie Beschäftigte nicht korrekt anmelden. Die Hinterleute organisierter Betrügereien sollen konsequenter strafrechtlich verfolgt ‌werden. Zudem sind Informations- und Beratungsangebote bereits in den Herkunftsländern geplant, ​um Ausbeutung vorzubeugen.