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09.10.2026
04:00 Uhr
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Erst ist da vielleicht nur eine Begegnung. Ein Gespr\u00e4ch, eine N\u00e4he, die w\u00e4chst. Irgendwann steht ein Priester vor einer Entscheidung, die sein Leben grundlegend \u00e4ndert: Bleibt er im Amt - oder entscheidet er sich f\u00fcr einen Menschen, den er liebt? Es kommt vor, dass katholische Priester ihre Pfarreien verlassen, weil sie den Z\u00f6libat nicht mehr leben wollen. Pr\u00e4zise Zahlen gibt es in Rheinland-Pfalz dazu kaum. Bist\u00fcmer erfassen die Gr\u00fcnde f\u00fcr Amtsaufgaben und Laisierungen unterschiedlich - oder gar nicht. Dem Bistum Mainz sind seit 1980 nach eigenen Angaben 19 Priester bekannt, die ihr Amt wegen einer Beziehung aufgegeben haben. Eine allgemeine Statistik f\u00fchrt das Bistum jedoch nicht. Der Z\u00f6libat sei keineswegs der einzige Grund, warum Priester ihren Dienst beendeten, betont die Di\u00f6zese. Hinter den Zahlen stehen Einzelschicksale: M\u00e4nner, die ihre Berufung \u00fcber Jahre gelebt haben und irgendwann feststellen, dass sie ihr Leben anders f\u00fchren m\u00f6chten. Hilfe beim Neuanfang F\u00fcr diese Priester endet mit dem Abschied aus dem Amt nicht nur ein Beruf. H\u00e4ufig m\u00fcssen sie auch ihre finanzielle und berufliche Zukunft neu ordnen. Das Bistum Mainz gew\u00e4hrt nach eigenen Angaben eine \u00dcbergangsbeihilfe, sorgt f\u00fcr die Nachversicherung und ermuntert die Betroffenen, ihren kirchlichen Status durch ein Laisierungsverfahren zu kl\u00e4ren. Wenn m\u00f6glich, unterst\u00fctzt es sie bei der beruflichen Neuorientierung. Einige ehemalige Priester arbeiten sp\u00e4ter etwa als Religionslehrer - im Bistum Mainz oder in anderen Di\u00f6zesen. Auch im Bistum Trier hat es in den vergangenen Jahren Priester gegeben, die ihr Amt aufgegeben und als Grund genannt haben, den Z\u00f6libat nicht mehr leben zu wollen. Eine gesonderte Statistik gibt es jedoch nicht. Eine belastbare Zahl k\u00f6nne deshalb nicht genannt werden, teilt das Bistum mit. Im Bistum Speyer wurden in den vergangenen zehn Jahren drei Priester laisiert. Zu den Gr\u00fcnden f\u00fcr diese Entscheidungen werden dort ebenfalls keine Daten erhoben. Nach 37 Jahren kommt die Liebe Wie konsequent eine solche Entscheidung sein kann, zeigt der Fall von Pfarrer Andreas Unfried im Taunus. Nach 37 Jahren im Dienst verzichtet er auf seine Pfarrei, weil er eine Frau heiraten m\u00f6chte. F\u00fcr einen katholischen Priester bedeutet das einen tiefen Einschnitt: Er gibt nicht nur seine bisherige berufliche Aufgabe auf, sondern entscheidet sich zugleich gegen eine Lebensform, die Teil seines kirchlichen Versprechens war. Sascha Jung kennt diesen Schritt ebenfalls. Bis 2019 war er Pfarrer in Fl\u00f6rsheim am Main. Heute ist er verheiratet, Vater zweier Kinder, Sparkassenfilialleiter und \u00f6rtlicher Karnevalschef. Seine Zeit als Pfarrer habe ihn zunehmend mit grunds\u00e4tzlichen Fragen an der katholischen Kirche konfrontiert, berichtet er. Seinen Verzicht auf Frau und Familie habe er immer st\u00e4rker infrage gestellt. F\u00fcr seinen pers\u00f6nlichen Weg findet Jung einen pr\u00e4gnanten Satz: \u00abIch habe Ehelosigkeit versprochen, aber keine Lieblosigkeit.\u00bb Ein Versprechen mit langer Geschichte Der Z\u00f6libat bezeichnet die Verpflichtung katholischer Priester zur Ehelosigkeit und zu einem Leben in Keuschheit. Die Kirche begr\u00fcndet das unter anderem mit der Nachfolge Jesu, der ehelos gelebt habe. Priester sollen sich ganz Gott und den Menschen widmen, ohne famili\u00e4re Verpflichtungen. Eine unmittelbare biblische Verpflichtung katholischer Priester zur Ehelosigkeit gibt es aber nicht. Der Z\u00f6libat wurde erst im Laufe der Kirchengeschichte dauerhaft verankert. Immer wieder wird innerhalb und au\u00dferhalb der katholischen Kirche diskutiert, ob der Pflichtz\u00f6libat f\u00fcr Priester notwendig ist. Evangelische Pfarrer d\u00fcrfen heiraten und Familien haben. F\u00fcr katholische Priester bleibt die Entscheidung grunds\u00e4tzlich eine andere: Wer eine Partnerschaft und eine Familie w\u00e4hlt, kann das Priesteramt in der lateinischen Kirche in der Regel nicht einfach behalten. \u00abDie Kirche verliert an Glaubw\u00fcrdigkeit\u00bb Edgar B\u00fcttner von der katholischen Reformbewegung \u00abWir sind Kirche\u00bb sagt, seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) seien um die 2.000 Priester im deutschsprachigen Raum meist wegen Heirat aus ihrem Beruf gegangen. Auch wegen des Z\u00f6libats sinke in Deutschland die Zahl der Priester. \u00abWir sind Kirche\u00bb sei nicht pauschal gegen den Z\u00f6libat, sagt B\u00fcttner. Aber ein Pflichtz\u00f6libat sei unn\u00f6tig. Bei der Suspendierung eines Pfarrers wegen einer Frau gebe es nur Verlierer: \u00abDer Priester verliert seinen Beruf, die Gemeinde verliert ihren Priester, und die Kirche verliert an Glaubw\u00fcrdigkeit.\u00bb Zwischen Berufung und neuem Leben Der j\u00fcngst aus Gesundheitsgr\u00fcnden zur\u00fcckgetretene Bischof Karl-Heinz Wiesemann aus Speyer hatte 2025 als Oberhirte pl\u00e4diert, den Pflichtz\u00f6libat als Bedingung f\u00fcr den Priesterberuf aufzuheben. Es gebe \u00abeinen Verlust vieler sehr guter Leute, die den Z\u00f6libat nicht leben k\u00f6nnen oder wollen\u00bb. Zwischen altem Versprechen und neuem Leben liegt f\u00fcr Geistliche ein schmaler Grat: die Erkenntnis, dass sich auch eine Berufung \u00e4ndern kann. Daher erz\u00e4hlen ihre Geschichten nicht vorrangig vom Scheitern an einer kirchlichen Regel. Sie erz\u00e4hlen eher von einer pers\u00f6nlichen Wahl - und von der Frage, wie viel Raum eine Institution einem Menschen l\u00e4sst, der eine Lebensentscheidung neu trifft. \u00a9 dpa-infocom, dpa:261009-930-812410/1