Zeit 30.09.2026
14:35 Uhr

Manchester City: Welche Folgen das Urteil gegen Manchester City haben könnte


Über Sponsorenverträge soll der Eigentümer von Manchester City zusätzliches Kapital in den Klub geschleust haben. Droht dem Team um Erling Haaland der Zwangsabstieg?

Manchester City: Welche Folgen das Urteil gegen Manchester City haben könnte
Es ist vielleicht der größte Skandal in der Geschichte des englischen Fußballs: Eine unabhängige Untersuchungskommission der Premier League wirft Manchester City vor, seine Bilanzen über einen Zeitraum von fast zehn Jahren manipuliert zu habe n. Alles begann mit dem Einstieg des Investors aus Saudi-Arabien. Ein Überblick Was wird Manchester City vorgeworfen? Die Vorwürfe gegen City reichen von falschen Angaben zu Finanzen und Sponsoringeinnahmen bis zu unvollständigen Informationen über Trainer- und Spielergehälter. Der Klub habe unter anderem durch »Scheinverträge« mit Sponsoren die Einnahmen künstlich erhöht und seine Kosten gesenkt, teilte die Premier League mit . Zudem habe City falsche Jahresabschlüsse eingereicht sowie den tatsächlichen Zustand der Finanzen verschleiert. Damit habe der Klub gegen Ausgabenlimits der Liga und der Uefa verstoßen. Richard Masters, der Geschäftsführer der Premier League, sprach von einem »systematischen« Vorgehen. Die Vorwürfe betreffen die Geschäfte der Klubbesitzer um Scheich Mansour aus der Herrscherfamilie von Abu Dhabi, die ManCity 2008 übernommen hatten. Konkret geht es um den Zeitraum von der Saison 2009/10 bis zur Spielzeit 2017/18. In dieser Zeit gewann der Klub dreimal die Meisterschaft und legte den Grundstein für Jahre der Dominanz ab 2020/21 . Die Premier League hatte ManCity im Februar 2023 nach mehrjährigen Ermittlungen angeklagt. Ausgelöst wurden diese 2018 durch die Enthüllungen der »Football Leaks« im Spiegel . Wie soll das mutmaßliche Betrugsschema funktioniert haben? Im Bericht der Untersuchungskommission ( PDF ) heißt es, der neue Klubbesitzer habe schon früh nach Wegen gesucht, die Einkünfte von City zu erhöhen. Denn: Zum Zeitpunkt der Übernahme hätten die Einnahmen des Klubs nur einen Bruchteil derer anderer Spitzenklubs der Premier League ausgemacht. Überteuerte Sponsorings aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, insbesondere aus Abu Dhabi, seien ein Weg gewesen, das zu ändern, »aber bei Weitem nicht der einzige«, heißt es in dem Bericht. Die in den entsprechenden Vereinbarungen festgehaltenen Millionensummen wurden demnach aber nur zu einem Bruchteil von den Sponsoren beglichen. Der überwiegende Teil kam von Scheich Mansour beziehungsweise seiner Investmentfirma Abu Dhabi United Group (ADUG). Laut Kommission wurden zwischen den Saisons 2009/10 und 2017/18 von insgesamt etwa 950 Millionen Pfund (mehr als 1,1 Milliarden Euro) nur 119,3 Millionen von Sponsoren aus Abu Dhabi bezahlt – 830,7 Millionen kamen demnach von ADUG. Wie rechtfertigt sich der Klub? ManCity selbst weist in einem Statement alle Vorwürfe zurück. Es gebe »umfangreiche und unwiderlegbare Beweise«, die sämtliche Standpunkte des Klubs stützen würden. Vorgelegt wurden diese bisher nicht. City teilte mit, man werde die Möglichkeit nutzen, in Berufung zu gehen. Möglich ist das bis zum 2. Oktober. Welche Konsequenzen drohen Manchester City? Worauf genau sich City nun einstellen muss, ist bisher unklar. Grundsätzlich werden immer wieder Vergleiche zum FC Everton und Nottingham Forest herangezogen, die in der Saison 2023/24 wegen einzelner Verstöße gegen das Financial Fair Play mit Punktabzügen belegt wurden. Das lässt vermuten, dass auch ManCity damit rechnen muss. Gewonnene Titel könnten so aberkannt werden. Wegen des großen Umfangs der Betrugsvorwürfe – die Kommission sprach den Klub in 114 von 115 Anklagepunkten schuldig – steht außerdem ein Zwangsabstieg im Raum. Ob Stars wie Erling Haaland dann bei City bleiben würden, ist fraglich. Wie der Athletic analysiert, erleidet City durch den Untersuchungsbericht schon jetzt einen erheblichen Image-Schaden. Auch, weil die Kommission mit Wörtern wie »Scheinverträge«, »verschleiert« und »künstlich aufgebläht« eine sehr drastische Sprache verwende. Wie reagiert die Fußballwelt? David Bernstein, früherer Vorstandsvorsitzender von Manchester City, sprach von einer »tief verwurzelten Form von Betrug« und forderte den Zwangsabstieg. Wayne Rooney, ehemaliger Kapitän von Manchester United, betonte, er wolle auf diese Art und Weise keine Titel nachträglich zugesprochen bekommen. »Ich würde 15 Jahre später keine Medaille bekommen wollen, nur weil City betrogen hat«, sagte Rooney. Der Präsident der spanischen La Liga, Javier Tebas, forderte harte Sanktionen. Er hoffe, der Fall werde »ein Wendepunkt« sein – »nicht nur in der Premier League, sondern auch im europäischen Fußball«, sagte Tebas. »Denn der Manchester-Effekt war in ganz Europa zu spüren.« Mit Material der Nachrichtenagenturen SID und dpa