Zeit 19.03.2026
14:49 Uhr

KI-Nacktbilder: Drei Teenager gegen Elon Musk


Drei Betroffene verklagen xAI wegen KI-Nacktbildern. Nvidia sorgt für Ärger in der Gamingszene. Und Samsungs Handys machen jeden zum Photoshopper. Der KI-Newsletter

KI-Nacktbilder: Drei Teenager gegen Elon Musk
Sie lesen den KI-Newsletter " Natürlich intelligent " vom 19. März 2026. Um den Newsletter jeden Donnerstag per Mail zu erhalten, melden Sie sich hier an . Ich lästere ja wirklich gern darüber, wie oft künstliche Intelligenz (KI) als großer Alltagsverbesserer gepriesen wird, es am Ende aber oft nicht ist. Am vergangenen Wochenende erwies sich die KI dann doch einmal als nützlich: Ein Programm, das ich für den Großteil meiner persönlichen Buchhaltung nutze, funktionierte nicht mehr. Bis der Hersteller eine offizielle Lösung bereitstellt, sollen Monate vergehen. Also habe ich das Problem selbst in die Hand genommen – und gevibecodet . Und siehe da, mit Claude und OpenAI Codex im Verbund (niedlich, wie sich die Agenten gegenseitig korrigierten) lief mein Programm wieder. Sollten Sie also beim Finanzamt Hamburg arbeiten, kann ich Sie beruhigen: Meine Steuererklärung kommt. Bald. Das müssen Sie wissen: Teenager verklagen xAI wegen Grok-Bildern Hey Grok, zieh ihr einen Bikini an: Das posteten um den Jahreswechsel Nutzer massenhaft auf der Plattform X. Daraufhin generierte Grok, die KI von Elon Musks Unternehmen xAI, Millionen sexualisierter Bilder von Frauen und wohl auch von Minderjährigen. Teils soll Grok auch Nacktbilder produziert und veröffentlicht haben – eine Maschine für sexualisierte Deepfakes . Nun haben drei Teenager in den USA eine Klage gegen xAI eingereicht. Bei allen dreien soll Grok benutzt worden sein, um aus Bildern von ihnen, die in der Schule oder von der Familie aufgenommen wurden, Nacktfotos zu machen. Der Klageschrift nach wurden die Bilder auf Discord und Telegram weiterverbreitet, was, so die Anklage, zu emotionalem Leid und öffentlicher Belästigung der Betroffenen geführt habe. "Elon Musk und xAI haben Grok bewusst so konzipiert, dass es sexuell eindeutige Inhalte zur finanziellen Bereicherung produziert, ohne Rücksicht auf die Kinder und Erwachsenen, denen dadurch Schaden zugefügt wird", sagte Anwältin Annika Martin gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Die Washington Post hatte zuerst über die Klage berichtet . Der Zeitung nach wollte Musk bewusst sexualisierte Inhalte auf Grok ermöglichen , um die Popularität seines Chatbots zu steigern. In der Folge erschienen auf der Plattform X von Elon Musk auch sexualisierte Bilder von Prominenten . Das war Anfang des Jahres weltweit scharf kritisiert worden, etliche Länder hatten Sperren und Ermittlungen angekündigt. Danach wurde die Funktion deutlich eingeschränkt. Derweil nimmt die Europäische Union (EU) die Sache selbst in die Hand: Am Mittwoch einigten sich die zuständigen Ausschüsse des EU-Parlaments auf eine Anpassung des Gesetzes zur künstlichen Intelligenz. Künftig sollen KI-Anwendungen verboten sein, mit denen sexualisierte Bilder von Menschen ohne deren Einwilligung hergestellt werden können. Nächste Woche soll das EU-Parlament darüber abstimmen. Darüber sollten Sie nachdenken: Nvidia begeistert und verstört Immer wenn ich diesen Newsletter schreibe, gibt Nvidia die nächste steile Erfolgsmeldung bekannt . So auch diese Woche: Auf seiner jährlichen Entwicklerkonferenz GTC teilte das Unternehmen mit, bis Ende 2027 mit Chipbestellungen im Wert von mindestens einer Billion US-Dollar zu rechnen. Umgerechnet sind das rund 868 Milliarden Euro, die Nachfrage nach Rechenleistung sei "um das Millionenfache" gestiegen, sagte CEO Jensen Huang. In meinen Timelines dominierte aber ein anderes Thema von der GTC: Nvidia stellte dort nämlich auch die neueste Generation seines Deep Learning Super Sampling vor, DLSS 5. Für Nicht-Gamer: Beim DLSS rechnet KI ein niedrig aufgelöstes Bild auf eine höhere Auflösung hoch (upscaling) , damit sind grafisch anspruchsvollere, flüssigere Spiele möglich. DLSS 5 geht nun einen Schritt weiter, es soll die gesamte Beleuchtung und Darstellung aufwerten. Die Unterschiede, die der Konzern in ersten Demovideos zeigte, sind enorm. Nvidia spricht vom "bedeutendsten Durchbruch in der Computergrafik" in den vergangenen acht Jahren, von Fotorealismus und einer Qualität wie bei "Hollywood-Spezialeffekten". Viele Gamer sehen das allerdings anders. "Ist das schon ein Aprilscherz?", "ein schlechter KI-TikTok-Filter" und immer wieder: " AI Slop ", also billig produziertes KI-Zeug, lauteten die Vorwürfe bei YouTube, auf Reddit und anderen Plattformen. Jensen Huang widersprach der Kritik natürlich: "Sie haben völlig unrecht", sagte er auf der GTC. Die Entwickler von Videospielen sollen die volle künstlerische Kontrolle behalten, nicht die KI, versprach er. Unabhängig davon, wie fotorealistisch die Grafik nun wirklich ist: Womöglich drückt sich in der Kritik der Gamingszene auch eine grundsätzliche Skepsis gegenüber KI aus, die derzeit lauter zu werden scheint. Spiele, ihre Charaktere und ihre Entwickler liegen vielen Gamern am Herzen – da möchte man sie nicht einfach durch einen KI-Filter gezogen sehen. Nvidia hat noch bis zum Herbst Zeit, die Gemüter zu beruhigen, dann soll DLSS 5 erscheinen. Das können Sie ausprobieren: die neue Foto-KI im Samsung S26 Über die neuen Samsung-Handys habe ich an dieser Stelle schon einmal kurz geschrieben. Nun konnte ich die Smartphones ausführlich testen . Während die neue sogenannte "Now Nudge"-Funktion, die mir in meinen Chats Termine oder Fotos vorschlagen soll, das im Test nie tat, fand ich die neuen KI-Fotooptionen der Handys sehr bemerkenswert. Schon länger kann man bei Samsung störende Objekte mit einem Wisch entfernen. Das scheint nun immer besser zu funktionieren. Bislang war das Hinzufügen einzelner Elemente – zum Beispiel einer Person auf dem Foto einen Hut aufmalen – nur anhand von Skizzen möglich. Beim S26 kann man jetzt auch sehr simpel mit Textprompts Bilder bearbeiten. In meinem Test funktionierte das problemlos: "Entferne den Mülleimer", "Hänge ein Plakat an die Wand", die KI tat's im Handumdrehen. Auf der anderen Seite lädt gerade das natürlich auch zu missbräuchlichem Verhalten ein. Siehe oben. Ein paar Sicherheitsschranken hat Samsung aber anscheinend eingebaut. Personen in Bikinis zu stecken, gelang mir glücklicherweise nicht. Und doch gab mir die Funktion ein mulmiges Gefühl. Von: ein Feature mit " Sie möchten ein Outfit, das besser zu Ihrer Stimmung passt ?" zu bewerben, zu: jeder Person ungefragt einen Bikini anziehen, ist es nicht furchtbar weit. Dazu lassen sich KI-Systeme oft einfach austricksen. Einen brennenden Helikopter wollte mir die KI verbieten, einen Helikopter "mit Flammen" konnte ich aber in ein reales Bild von einem Park in Hamburg hineinprompten. Ich konnte auch Bilder von Prominenten herunterladen und sie mit meinen eigenen Fotos kombinieren. Die KI erzeugte problemlos ein Bild von mir, das mich Arm in Arm mit einem sehr bekannten Sexualstraftäter zeigt. Oder ließ selbigen verurteilten Sexualstraftäter dem derzeitigen US-Präsidenten einen Luftkuss zuwerfen. Ich halte es für gefährlich, solche Möglichkeiten in die Hände aller zu legen. Und hoffe ehrlich, dass Kameras auch künftig noch Linsen eingebaut haben. Und nicht nur LLMs.