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07.08.2026
17:01 Uhr
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Nahe Bordeaux leben sie vom Tourismus und von der Forstwirtschaft. Jetzt riecht es auf den Campingplätzen verbrannt, sind Pinien zerstört. Was das mit der Region macht

Noch kann man den Brand auf manchen Campingplätzen an der westfranzösischen Küste riechen. Auch bei ihnen hänge der Geruch weiterhin leicht in der Luft, berichtet der Rezeptionist einer Fünf-Sterne-Anlage bei Lacanau. Sie hätten zwar inzwischen wieder geöffnet. Doch anders als sonst in dieser Jahreszeit seien noch immer Standplätze frei. Seinen Namen will der Mann nicht nennen – wie auch andere, die für Hotels und Campingplätze an der westfranzösischen Küste arbeiten. Zu groß ist ihre Sorge, Reisewillige abzuschrecken. Wenige Tage nach dem Großbrand zwischen dem Atlantik und den westlichen Vororten von Bordeaux kämpfen die Betriebe um ihre Gäste. Allen Gesprächspartnern sind die Sorgen der vergangenen Wochen anzumerken: Sie antworten zögernd, suchen nach Worten. Da ist teils das persönliche Schicksal, dazu die Zerstörung der Natur. Mehr als 42.000 Hektar Pinienwälder sind verbrannt, ebenso wie rund 200 Eigenheime. Und da ist der wirtschaftliche Ausfall. Schließlich ist gerade Hauptsaison: Jetzt verdienen Hoteliers, Gastronomen und Betreiber von Campingplätzen normalerweise das Geld, das sie durch den Winter bringt. Die Pariser Regierung bezeichnete das Megafeuer als Katastrophe, von einem »wirtschaftlichen Gewitter« sprach Wirtschaftsminister Roland Lescure. Inzwischen ist das Feuer zwar weitgehend gelöscht, doch Einsatzkräfte müssen immer wieder aufflammende Brandherde bekämpfen. Während der gut zehn Tage des intensiven Feuers evakuierte die Präfektur nach Zahlen der Handelskammer in der betroffenen Region rund 14.000 Betriebe. Viele weitere mussten ihre Arbeit zeitweise einschränken. Betroffen seien davon rund 130.000 Angestellte oder Selbstständige. Viele von ihnen sind in Kurzarbeit – erhalten also einen Teil ihres früheren Lohnes sowohl vom Arbeitgeber als auch vom Staat, obwohl sie weniger oder gar nicht mehr arbeiten. Die Handelskammer der Region hat eine Notrufnummer eingerichtet, um Firmen etwa bei Kurzarbeit oder Versicherungsfragen zu helfen. Mit den Wäldern, die nun brennen, werben sie sonst Der Tourismus ist für die Wirtschaft der Region maßgeblich: Frankreich zieht weltweit noch immer die meisten Urlauberinnen und Urlauber an. Um Bordeaux vervielfacht sich zur Hauptsaison die Anzahl der Menschen. Sie kommen für die langen Strände, gehen surfen, ersteigen bei Arcachon die höchste Düne Europas oder probieren Wein bei einem der zahlreichen Winzer. Auch die Pinienwälder gehörten bislang zum prägenden Bild: Viele Campingplätze und Hotels tragen die Nadelbäume sogar im Namen und heißen etwa »Die große Pinie«, »Paradies der Pinie« oder gar »zur trockenen Pinie«. Nun stehen die Bäume auch für ein besonders rasch ziehendes Feuer. Die Europäische Kommission bezifferte in dieser Woche die bisherigen Schäden durch Großfeuer in Europa für dieses Jahr auf rund 15 Milliarden Euro. Sie forderte alle Länder auf, Bränden vorzubeugen. Schließlich treten sie in der Klimakrise immer häufiger auf, ihre Kosten steigen weiter. Schon jetzt ist der französische Haushalt akut gefährdet: Ohnehin eines der meistverschuldeten Länder in der EU , drohen die Megafeuer und Hitzewellen weitere Milliarden Euro zu verschlingen. Schließlich muss Frankreich wochenlange Großeinsätze und Evakuierungen finanzieren und nun auch Hilfen für betroffene Betriebe. »Unser Ziel, die Schuldenquote zu drücken, wird sehr schwer zu halten sein«, sagt Wirtschaftsminister Lescure. Aber vorerst geht es in Frankreich darum, die direkt betroffenen Unternehmen über das Jahr zu retten. Vor allem die Tourismuswirtschaft steckt in einer heiklen Lage. Einerseits fordert sie finanzielle Unterstützung vom Staat und betont die gravierenden Schäden. Andererseits will sie Urlaubern signalisieren, dass die Region wieder auflebt und nach wie vor ein attraktives Ziel ist. Eine schwierige Gratwanderung.