Zeit 05.10.2026
11:04 Uhr

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Sie wollen auf Ihren Balkon? Fünf Euro, bitte!


Die Elbvertiefung am Montag – Mit Einsparungen an Gymnasien, TikTokern in der Elbphilharmonie und einem Fünfer für den Plaza-Eintritt

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Sie wollen auf Ihren Balkon? Fünf Euro, bitte!
Liebe Leserin, lieber Leser, am Wochenende war ich mit einer Freundin auf einem Flohmarkt in München. Neben den Ständen dufteten Empanadas und Ceviche von einem lateinamerikanischen Foodmarkt, und in einer Affenlautstärke wurde zum Salsatanzen animiert. Trotzdem stutzten wir am Eingang: acht Euro Eintritt? Wären wir gekommen, hätten wir das vorher gewusst? Und welcher Preis hätte weniger wehgetan? Eintrittsschmerz gibt es jetzt auch in der Elbphilharmonie. Seit heute kostet der Zugang zur Plaza fünf Euro. Zur Eröffnung hatte der damalige Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) gesagt: »Die Plaza ist ein öffentlicher Ort, frei zugänglich für jedermann und jede Frau.« Ich habe jahrelang meinen halben Familien- und Freundeskreis – von München bis Mexiko – dort hinaufgeschleppt. Hier auf der glitzernden Rolltreppe, wenn ich in die staunenden Gesichter sah, war ich immer ein bisschen stolz, in Hamburg zu leben. Kultursenator Carsten Brosda (SPD) erklärte die Einführung des Eintritts damit, dass sonst an anderer Stelle im Kulturbereich hätte gekürzt werden müssen. Man habe den Zugang länger als geplant kostenlos angeboten. Der ermäßigte Preis – etwa für Jugendliche, Studierende oder Menschen ohne Job – liegt bei drei Euro. Kleinkinder und Schulklassen zahlen weiterhin nichts. Und ganz tröstlich: Wer sein Plaza-Ticket online über ein Kundenkonto kauft, erhält ein Guthaben, das beim Kauf von Konzerttickets eingelöst werden kann. Quasi wie bei Sanifair-Autobahntoiletten. Andererseits: Genau wie die teuren Raststätten-Schokoriegel muss man sich auch Konzerttickets erst mal leisten können, damit das was nützt. Ich sehe ein, dass ein Touristenmagnet wie die Elbphilharmonie als Geldquelle für die Stadt taugt. Aber wäre es so kompliziert gewesen, den Eintritt für in Hamburg gemeldete Menschen kostenlos oder vergünstigt zu ermöglichen? Bei Sehenswürdigkeiten im Ausland habe ich so was erlebt. Werde ich weiterhin Freunde auf die Plaza einladen? Bestimmt. Werde ich vorher zweimal darüber nachdenken, ob ich das Geld nicht doch lieber auf dem Flohmarkt verprasse? Davon ist auszugehen. Kommen Sie gut in die Woche! Ihre Viola Diem Was heute wichtig ist Hamburgs Justizsenatorin Anna Gallina (Bündnis 90/Die Grünen) behält den Vorsitz der Justizministerkonferenz länger als ursprünglich geplant. Der Staffelstab wird nicht am 1. Januar 2027 an Sachsen-Anhalt, sondern in der zweiten Jahreshälfte an Hessen übergeben. Hintergrund ist die bislang nicht abgeschlossene Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt. Die dortige Justizministerin Franziska Weidinger (CDU) bezeichnete das Vorgehen als »sachgerechte und verantwortungsvolle Lösung«. Nach den beiden Rohrbrüchen vergangene Woche sind inzwischen wieder alle betroffenen Haushalte an die Trinkwasserversorgung angeschlossen. Die Reparaturen an den Straßen dauern aber weiter an, so bleibt etwa die Amsinckstraße gesperrt. Dort war der Asphalt großflächig aufgefräst worden. Informationen zur Bauplanung und Leitungssanierung sollen diese Woche folgen. Der Volksentscheid zum bedingungslosen Grundeinkommen wird nicht wiederholt. 2025 stimmten 62,7 Prozent gegen den Modellversuch . Die Initiatorinnen zogen danach vor das Verfassungsgericht, welches jedoch für eine Wiederholung der Abstimmung keinen Anlass sah. Asylbewerber müssen in Hamburg im Schnitt 98 Arbeitstage auf einen Leistungsbescheid warten. Das geht aus einer Senatsantwort auf eine Kleine Anfrage der Linken hervor. Damit habe sich der Bearbeitungszeitraum seit Einführung eines speziellen Webportals für das Antragsverfahren im Februar um mehr als ein Viertel verlängert. Zugleich stieg seit Januar die Zahl der Eilverfahren am Sozialgericht um 40 Prozent. Hochbahn-Vorstandssprecher Jens-Günter Lang hält es weiterhin für realistisch, den Bau der U5 bis 2040 abzuschließen. Beim zweiten Bauabschnitt ist es bereits zu Verzögerungen gekommen. Die verlorene Zeit sei aufholbar, sagt Lang. Aus Hamburg Wie Hamburg an den Gymnasien spart Schulleitungen und Lehrkräfte schlagen Alarm: Es gebe bald weniger Kurse, mehr Unterrichtsausfall, sogar die Klassenfahrt sei in Gefahr. Die Schulbehörde widerspricht. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Artikel von ZEIT-Redakteur Oskar Piegsa. An Hamburgs weiterführenden Schulen herrscht Unruhe: Die VLHGS, eine Vereinigung der Leitungen von Gymnasien, warnt vor »drastischen« Einsparungen. Die Elternkammer beklagt »Kürzungen auf Kosten der Kinder«. Und die Opposition in der Hamburgischen Bürgerschaft befürchtet »Chaos«. Ihnen allen geht es um die geplante »Erhöhung der Basisfrequenzen« ab dem kommenden Schuljahr 2027/28. Der Begriff dürfte vielen Menschen außerhalb des Schulsystems rätselhaft erscheinen. Die Folgen werden aber spürbar sein, warnen Fachleute. Denn die Basisfrequenzen regeln die Zuweisung von Personalmitteln an die Schulen. Steigen die Frequenzen, sinken die Mittel. Pointiert gesagt gibt es in Zukunft weniger Lehrkraft pro Kind. Das hat Bildungssenatorin Ksenija Bekeris (SPD) beschlossen, um ihre senatsinternen Sparauflagen zu erfüllen. Man beabsichtige »eine Reduzierung der Stellenzuweisungen«, bestätigt Behördensprecher Peter Albrecht auf Anfrage der ZEIT. Laut Berechnungen von Yvonne Heimbüchel und Nadine Utz, die sich im Gesamtpersonalrat der staatlichen Schulen in Hamburg engagieren, wird ein durchschnittliches vierzügiges Gymnasium 2,5 seiner bislang rund 45 Vollzeitstellen verlieren. In der Folge, so erwarten es die beiden Lehrervertreterinnen, werde es größere Klassen geben, ein geringeres Fächerangebot, häufigeren Ausfall von Unterricht und möglicherweise auch einen Abbau von Angeboten wie dem Schulchor oder der Begabtenförderung. Arne Wolter aus dem Vorstand der VLHGS teilt diese Erwartungen. Lehrkräfte hätten in Zukunft auch weniger Zeit, um auf individuelle Sorgen und Bedürfnisse der Jugendlichen einzugehen, sagt er. Heimbüchel und Utz befürchten sogar, dass Klassenfahrten in Zukunft öfter ausfallen könnten. Die Bildungsbehörde widerspricht diesen Darstellungen in weiten Teilen, dazu später mehr. Was die Behörde dazu sagt und wie die Situation so weit kommen konnte, lesen Sie in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) Schon gelesen? Wenn Debussy auf TikTok trifft Schon lange laden Konzerthäuser Künstler ein, um dort zu arbeiten. Die Elbphilharmonie weitet das Konzept auf TikToker aus. Denn die erzählen klassische Musik ganz neu. ZEIT-Autorin Sinem Kılıç hat sich genauer angeschaut, wie unter anderem die Pianistin Clare Yeo Musik medial vermittelt . → Zum Artikel (Z+) Das könnte Sie interessieren Dreihundert Männer gewann in diesem Jahr den Deutschen Sachbuchpreis. Es erzählt anekdotisch und brillant recherchiert vom Aufstieg und Fall der Deutschland AG, einem Geflecht aus Bankiers, Managern und Lobbyisten, die die deutsche Wirtschaft bis in die Neunzigerjahre dominierten. Am morgigen Dienstag liest der Autor Konstantin Richter daraus in Altona – und beantwortet Fragen von ZEIT-Redakteur Marc Widmann. Lesung »Dreihundert Männer« , 6. Oktober ab 19.30 Uhr in der Christianskirche; Karten gibt es für 18 Euro an der Abendkasse und in der Buchhandlung Christiansen Meine Stadt Hamburger Schnack Kurz vor Beginn des Toten-Hosen-Konzerts auf der Trabrennbahn schlängelt sich eine Besucherin telefonierend durch die Reihen. Offenbar sucht sie ihren Begleiter: »Schwarzes T-Shirt, du bist witzig! Hier sind mindestens 5.000 Männer, die genauso aussehen wie du.« Gehört von Nicole Borstelmann Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .