Zeit 08.10.2026
06:00 Uhr

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Holladihiti – Neues von Otto Waalkes


Die Elbvertiefung am Donnerstag – Mit der Familie Bumils, gescheiterten Investoren aus China und einem Rohr, dass zur allgemeinen Verblüffung unbeschädigt ist

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg:   Holladihiti – Neues von Otto Waalkes
Liebe Leserin, lieber Leser, ein Podcast, von dem ich so ziemlich jede Folge gehört habe, ist Heavyweight aus den USA. In den Episoden helfen die Hosts Menschen dabei, ein (meist altes) Problem zu lösen – sich zu entschuldigen, verlorene Freunde aufzuspüren oder die Schätze der Eltern, die diese vor 20 Jahren im Pfandhaus abgegeben haben. Diese Woche musste ich an die Folge mit Yasser denken. Der Zahnarzt aus Saudi-Arabien brauchte Hilfe bei der Suche nach einer Serie, die er als Kind auf Video geschaut hatte. Sie handelte von einer Elefantenfamilie. Die Serie war arabisch synchronisiert, aber Yasser glaubte, dass sie amerikanisch war, weil die Elefanten in einer Vorstadt lebten und der Elefantenpapa sich ständig bei seinem Chef einschmeichelte. Yasser würde die Serie gern eines Tages seinem eigenen Kind zeigen. Doch die Kassette war verschwunden und beim Googeln fand er nichts dazu. Das Heavyweight -Team fragt bei Comic- und Animationsexperten nach, in Archiven und Museen. Ist es Babar mit der Krone ? Nein. Der neurotische Elefant aus dem Disneyfilm Tarzan ? Nein. Auch ein arabischer Elefanten-Cartoon ist es nicht. Schließlich wird rumgezweifelt: Sind das vielleicht doch See-Elefanten? Nein! Monatelang geht das so. Doch dann postet der Suchtrupp eine Zeichnung auf Twitter, die Yasser angefertigt hat, und es meldet sich ein Simon aus Germany: Der kleine Yasser hat – Achtung, Spoiler – die Ottifanten geschaut! Ja, genau: die berüsselten Wesen von unserem Otto Waalkes. Den US-Podcastern war der Komiker kein Begriff. Otto wird telefonisch interviewt, er beantwortet die Fragen, wie Otto eben Fragen beantwortet: auf Englisch zwar, aber mit verschiedenen Stimmen, Hundekläffen und Holladihiti. Die Moderatorin sagt, Otto selbst komme ihr vor wie eine Comic-Figur. Morgen erscheint im Hamburger Oetinger-Verlag Otto Waalkes’ erstes Bilderbuch: Karl, der kleine Ottifant . Als ich das erfuhr, zweifelte ich erst etwas spielverderberisch: Kennen Kinder heute überhaupt noch den Otto von damals? Doch dann dachte ich an Yassers Geschichte. Und an all die anderen Fans, die ihren Kindern das Buch vorlesen werden. Auch wenn Yasser die Ottifanten aus der arabischen Version nur als »Bumils« kannte. Ich wünsche Ihnen einen elefantastischen Tag, Ihre Viola Diem Was heute wichtig ist Der Verkehrsausschuss des Bundestags hat den Weg frei gemacht für die umstrittene Bahn-Neubaustrecke zwischen Hamburg und Hannover . Die Zustimmung des Bundestags heute Abend gilt als Formsache. Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) begrüßte die Entscheidung, der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) äußerte sich kritisch. Zum Start der Schulferien in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bremen an diesem Wochenende wird es auf der A7, A1, A24 sowie auf den Straßen in und um Hamburg voll. Auch der Flughafen rechnet mit mehr als 55.000 Reisenden pro Tag und empfiehlt, mindestens zwei Stunden vor Abflug einzutreffen. Wegen umfangreicher Bauarbeiten wird die U3 ab dem 19. Oktober für zehn Tage gesperrt . In dieser Zeit verkehren zwischen den Haltestellen St. Pauli und Rathaus keine Züge. Die Metrobus-Linie 17 fährt die betroffenen Haltestellen an. Die unter der Amsinckstraße verlaufende Fernwärmeleitung ist nach einem Wasserrohrbruch intakt . Damit widersprechen die Hamburger Energiewerke einer anderslautenden Bewertung. Ein sogenanntes Dehnpolster der Leitung soll aber vorsichtshalber ausgetauscht werden. Wegen eines Angriffs auf einen Mann mit einer Axt auf einem Parkplatz in Wandsbek hat das Landgericht Hamburg einen 20-Jährigen in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen. Nachricht des Tages Die Bundesregierung hat den geplanten Verkauf des Hamburger Logistikunternehmens Zippel an die chinesische Staatsreederei Cosco verboten . »Grund für die Untersagung sind Sicherheitsbedenken«, teilte das federführende Wirtschaftsministerium mit. »Der Erwerb hätte Abhängigkeiten vertieft und die Resilienz von Lieferketten Deutschlands und der EU gefährdet.« Die Entscheidung ist nach der Begrenzung eines geplanten Cosco-Investments in das Containerterminal Tollerort im Jahr 2023 der zweite Eingriff des Bundes in chinesische Versuche, sich wirtschaftlichen Einfluss im Hamburger Hafen zu sichern. In beiden Fällen hatten die Hamburger Behörden keine Bedenken, während der Verfassungsschutz und mehrere Bundesministerien vor dem wachsenden Einfluss Chinas auf den wirtschaftlich und strategisch wichtigen Hamburger Hafen gewarnt hatten. Die aktuelle Entscheidung des schwarz-roten Kabinetts spricht für eine neue, skeptischere Haltung gegenüber China . Das Logistikunternehmen Zippel ist ein mittelständischer Betrieb mit wenigen hundert Beschäftigten und darauf spezialisiert, Containerfracht vor allem von den Nordseehäfen Hamburg und Bremerhaven per Lkw und Bahn nach Ostdeutschland zu transportieren. Im September hatte das Handelsblatt aus einem Regierungsdokument zitiert, wonach Zippel trotz seiner geringen Marktanteile als etablierter Akteur mit einer über Jahrzehnte gewachsenen Marktkenntnis gelte, die China sich im Konfliktfall zunutze machen könne. Zudem sei das Unternehmen für die logistische Unterstützung der Bundeswehr von Bedeutung. Von Frank Drieschner Aus Hamburg Spion in eigener Sache? Ermittler haben den früheren BND-Präsidenten August Hanning festgenommen. Er soll sich Staatsgeheimnisse beschafft und das Wissen zu Geld gemacht haben. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Artikel der ZEIT-Redaktionsmitglieder Kai Biermann, Anne Kunze und Martín Steinhagen. In der Welt der Geheimdienste ist der Verrat Alltagsgeschäft. Doch schwierig wird es immer dann, wenn der Verräter aus den eigenen Reihen stammt. Ein solcher Verdacht beschäftigt derzeit den Bundesnachrichtendienst (BND). Ausgerechnet der frühere Präsident des Auslandsgeheimdienstes, August Hanning, soll seine ehemalige Behörde ausgekundschaftet haben, um geheime Informationen zu Geld zu machen. Am Dienstagmorgen wurde er deswegen festgenommen. Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen Hanning wegen des Verdachts der landesverräterischen Ausspähung, des Auskundschaftens von Staatsgeheimnissen, des versuchten Landesverrats sowie der geheimdienstlichen Agententätigkeit. Seinen früheren Büroleiter Manfred D. ließen die Ermittler gleichzeitig festnehmen. Ihm wird Beihilfe zum versuchten Landesverrat und zur landesverräterischen Ausspähung vorgeworfen. Im Kern geht es um folgenden Vorwurf: Hanning habe sich nach seiner Pensionierung von seinem einstigen Büroleiter mit geheimen Informationen versorgen lassen. Diese Erkenntnisse soll er dann für seine privaten Beratertätigkeiten ausgeschlachtet haben. Besonders brisant ist, dass Hanning den Ermittlungen zufolge nicht nur von Unternehmen engagiert wurde, sondern auch mit ausländischen Geheimdiensten in Kontakt war und in mindestens einem Fall auch für diese Analysen schrieb. Der heute 80-jährige Hanning war von 1998 bis 2005 Präsident des BND. Damals arbeitete Manfred D. als sein Büroleiter. Die Zusammenarbeit war offenbar gut, denn als Hanning als Staatssekretär ins Bundesinnenministerium wechselte, folgte ihm D. als abgeordneter Assistent. 2009 ging Hanning in den Ruhestand und Manfred D. zurück zum BND. Die Verbindung der beiden Männer blieb offenbar bestehen. Wie eine Durchsuchung im Rahmen des Hamburger Block-Verfahrens zu der Verhaftung führte , lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) Schon gelesen? »Was brauchen wir zum Leben, was macht uns glücklich?« Bestseller-Autorin Juli Zeh hat einen Kriminalroman geschrieben : »Pony Show« handelt von einem Gerichtsprozess in Hamburg, es geht aber auch um die politische Großwetterlage. Ist sie jetzt Marxistin geworden? Darüber spricht sie mit ZEIT-Redakteurin Jolinde Hüchtker. → Zum Interview (Z+) Darauf können Sie sich freuen Momentan läuft das Lesefest Seiteneinsteiger , ein Literaturfestival für Kinder und Jugendliche. An vielen Orten in der Stadt gibt es Möglichkeiten, an Workshops, Lesungen, literarischen Spaziergängen oder Rallyes teilzunehmen. Seiteneinsteiger, bis 18.10.; diverse Orte; das Programm finden Sie hier Meine Stadt Hamburger Schnack In der Bahn, ein Telefonat kann minutenlang live mitverfolgt werden: akute Hilfestellung beim Kuchenbacken. Kann der Kuchen wohl aus dem Ofen? Die geduldige junge Dame empfiehlt: »Mach die Stäbchenprobe!« Gehört von Kirsten Wohlfahrt Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .