Zeit 06.08.2026
03:44 Uhr

Dürre in Europa: Niedrigwasser am Rhein zwingt Logistik auf Schiene und Straße


Chemiekonzerne sprechen wegen des Niedrigwassers am Rhein von großen Herausforderungen. Der Umweltstaatssekretär nennt es einen Weckruf angesichts des Klimawandels.

Dürre in Europa: Niedrigwasser am Rhein zwingt Logistik auf Schiene und Straße
Die deutsche Chemieindustrie warnt vor Produktionskürzungen wegen der niedrigen Pegelstände im Rhein und anderen Flüssen. »Wenn Schiffe weniger laden können oder ganz ausfallen, steigen Kosten, Lieferketten geraten unter Druck, und es kommt zu Produktionseinschränkungen«, sagte Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands VCI. Unter anderem gaben die Konzerne Thyssenkrupp Steel Europe, BASF, Evonik und Lanxess bekannt, dass sie ihre Logistik aufgrund des Niedrigwassers umstellen mussten. Der Stahlproduzent Thyssenkrupp Steel Europe teilte mit, dass sich »die anhaltende und sich verschärfende Niedrigwassersituation« mittlerweile auf die Rohstoffversorgung des Duisburger Werks auswirke. »Unsere eigene Schubschifffahrt wurde aufgrund der niedrigen Pegelstände eingestellt«, teilte das Unternehmen mit. »Derzeit nutzen wir vorsorglich angemietete, externe Schiffe, die wegen ihres niedrigeren Tiefgangs auch bei den aktuellen Wasserständen eingesetzt werden können.« Evonik spricht von »großen Herausforderungen« Auch der Chemiekonzern BASF mit Sitz in Ludwigshafen setzte eine »größere Anzahl an Niedrigwasserschiffen« ein, um den Binnenschiffstransport weitestgehend aufrechtzuerhalten. Zudem werde die Versorgung mit wichtigen Rohstoffen durch alternative Transportmittel wie Lkw und Schiene gestützt. In »Einzelfällen« komme es angesichts sinkender Pegel zu Lieferengpässen. Der Chemiekonzern Evonik mit Sitz in Essen teilte mit, dass die niedrigen Wasserstände im Rhein die Logistik- und Versorgungsketten vor »große Herausforderungen« stellten. »Die Transportmengen der Schiffe müssen reduziert werden«, teilte das Unternehmen mit. Dies habe sich in einzelnen Fällen bereits auf die Produktion von Evonik im Chemiepark Marl ausgewirkt sowie auf andere Unternehmen, die Vorprodukte an Evonik liefern. Das Unternehmen verlagere einen Teil der Gütertransporte auf die Schiene oder die Straße. Ein Sprecher des Kölner Spezialchemiekonzerns Lanxess sagte: »Da einzelne Lade- und Entladestellen nicht mehr erreichbar sind, stellen wir möglichst auf Bahn- und Straßentransporte um.« Die Lieferungen mit dem Schiff seien stark eingeschränkt. Bislang könne die Produktion »ohne größere Einschränkungen« laufen. Umweltsekretär nennt Niedrigwasser »Weckruf« Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth (SPD) hat das derzeitige Niedrigwasser in deutschen Flüssen als Weckruf bezeichnet. Im RBB-Inforadio sagte Flasbarth, die extremen Wetterlagen zeigten, dass es einen enormen Klimawandel zu bewältigen gebe. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) rief indes eine Fachkonferenz mit Vertretern der betroffenen Industrien ein. Der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Michael Ebling (SPD) forderte von der Bundesregierung zudem mehr Tempo bei der Rheinvertiefung am Mittelrhein. Die frühere Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) forderte grundsätzliche Konsequenzen im Umgang mit Deutschlands Flüssen. Deutschland werde »systematisch entwässert – selbst in Zeiten von Dürre«, sagte Lemke dem RedaktionsNetzwerk Deutschland . Das geschehe »durch Tausende Kilometer von Entwässerungsgräben beziehungsweise Rohren, das Trockenlegen von Feuchtgebieten aller Art und die teils jahrhundertealten Baumaßnahmen an Flüssen, um diese zu regulieren und nutzbar zu machen«, beklagte die Bundestagsabgeordnete. Klimawandel sorgt für extreme Dürre und Niedrigwasser Zu den Gründen für das Niedrigwasser sagte Markus Weitere vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig (UFZ): »Wir befinden uns gerade in einer extremen Dürre.« Aktuell sei der Süden Deutschlands sehr stark betroffen, auch das Ursprungsgebiet des Rheins in der Schweiz etwa. Das mache sich an den Pegeln von Rhein und Donau bemerkbar. »Das sind zwei Flüsse, die sehr, sehr stark betroffen sind. Da haben wir extremes Niedrigwasser, teils jetzt schon mit historischen Tiefstständen«, sagte er. Der Klimawandel macht Extremwetterereignisse wie Dürren häufiger und extremer.