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18.08.2026
15:53 Uhr
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Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz beklagt den Verlust zahlreicher Denkmäler und historischer Gebäude in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Das geht aus dem sogenannten Schwarzbuch der Deutschen Stiftung Denkmalschutz hervor. Das mittlerweile zweite Schwarzbuch listet für Sachsen neun sowie für Sachsen-Anhalt und Thüringen jeweils sechs verlorene Objekte auf. Teils geht es dabei um Abrisse und Teilabrisse, teils um Aberkennungen des Denkmalstatus oder - wie im wohl prominentesten genannten Fall, der Dresdner Carolabrücke - um eingestürzte Objekte. Weitere elf denkmalgeschützte Gebäude werden in den drei Ländern als gefährdet aufgeführt. Insgesamt sind in Deutschland in den vergangenen zwei Jahren mindestens 1.077 Denkmale unwiederbringlich verloren gegangen - mehr als eines pro Tag. Die Autoren machen Sanierungsstau, Vernachlässigung, wirtschaftlichen Druck sowie fachliche Fehlentscheidungen und politische Versäumnisse für den Verlust der Objekte verantwortlich. Zusätzlich kritisiert das Schwarzbuch, dass durch das sogenannte «Sondervermögen» des Bundes allzu oft dem Abriss und Neubau der Vorzug vor der Sanierung denkmalgeschützter Infrastrukturbauten gegeben werde. Eine vollständige Sammlung verlorener Denkmäler ist das Schwarzbuch nicht. Die Recherche nach belastbaren Fakten und Quellen für die dort dokumentierten Denkmalverluste gestalte sich oft schwierig. Entscheidungswege und Anträge seien teilweise nicht öffentlich, heißt es im Schwarzbuch. Oft seien Presseberichte die Grundlage für die dargestellten Fälle. Tatsächlich sind allein in Sachsen in den vergangenen Jahren 355 Denkmäler verloren gegangen. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage des Grünen-Politikers Thomas Löser hervor. 13 von ihnen wurden ohne Genehmigung abgerissen. In ihrem Schwarzbuch schildern die Autoren einige Fälle in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ausführlich: Sachsen: Die Ulrich-Villa in Glauchau Eine 1899 errichtete Villa in Glauchau im Landkreis Zwickau - ehemaliger Wohnsitz des bedeutenden Stadtbaumeisters Reinhold Ulrich - war jahrzehntelang ein Geisterhaus und damit dem Verfall preisgegeben, heißt es im Schwarzbuch. Das große, verwinkelte, freistehende Gebäude im Stil des Historismus war bis 1993 bewohnt, stand seitdem leer und wurde schließlich 2024 versteigert. Käuferin war die Diakonie Westsachsen, die in unmittelbarer Nachbarschaft der alten Villa ein Pflegeheim betreibt und in dem historischen Gebäude ein Sicherheitsrisiko sah. Ein Abrissantrag sei von den zuständigen Behörden «ungewöhnlich schnell» bewilligt worden. Eine Online-Petition von Glauchauer Bürgern mit mehr als 750 Unterschriften kam zu spät. Noch während die Petition lief, sei im Frühjahr 2025 mit dem Abriss begonnen worden. Sachsen-Anhalt: Renaissance-Haus in Halle Dass selbst Gerichtsentscheidungen am Verlust von Denkmalen nichts ändern können, zeigt ein Beispiel aus Halle an der Saale. Ein im 16. Jahrhundert erbautes Fachwerkhaus an der Brüderstraße - eines der letzten seiner Art in der Stadt, so die Autoren - ist im November 2025 teilweise abgerissen worden. Der Eigentümer plante den Abriss. Dem Bericht zufolge lehnte er das Kaufangebot eines lokalen Vereins ab. Die Denkmalschutzbehörden lehnten das Abrissvorhaben ab. Es folgte ein jahrelanger Rechtsstreit, der vor dem Magdeburger Oberverwaltungsgericht endete. Trotz der Entscheidung des Gerichts, dass das Gebäude erhalten bleiben soll, verfiel es weiter. Im vergangenen Jahr kam es zu einem Teileinsturz der Rückseite des Hauses. Aus Gründen der Gefahrenabwehr wurden daraufhin die oberen Stockwerke abgerissen. Thüringen: Das ehemalige Frauenhaus in Stadtlengsfeld In Thüringen ging ein ungewöhnliches Zeugnis kommunaler Sozialgeschichte verloren. Schon im 18. Jahrhundert war das imposante Gebäude am Marktplatz von Stadtlengsfeld im Wartburgkreis ein Frauenhaus, später auch eine Unterkunft für ganze Familien in Notsituationen. Den Experten zufolge wurde es vermutlich «lange vor 1800» erbaut. Das Gebäude im Besitz der Stadt war bei der Neugestaltung des Marktes zunächst nicht berücksichtigt worden - trotz offenbar verfügbarer Finanzmittel im Programm der Städtebauförderung. Die Gründe dafür sind dem Schwarzbuch zufolge unklar. Es folgte der Verfall. Im vergangenen Jahr wurde das Gebäude schließlich zu einem Sicherheitsrisiko. Wegen akuter Einsturzgefahr wurde es im November abgerissen. Einzig der historische Keller soll nach den Abrissauflagen erhalten bleiben. © dpa-infocom, dpa:260818-930-548062/1