Zeit 10.03.2026
06:04 Uhr

(+) Nicole Deitelhoff: "Für Trump ist Diplomatie ein Mittel der Kriegsführung"


Früher wurde mühsam verhandelt. Nun entscheidet Trump über Krieg und Frieden. Ist die Diplomatie tot? Die Politikwissenschaftlerin Nicole Deitelhoff sagt: Nicht zwingend.

(+) Nicole Deitelhoff:
Wo früher mühsam verhandelt wurde, entscheidet heute Donald Trump oft willkürlich über Krieg und Frieden. Wenn das nicht so bleiben soll, muss Europa Widerspruch leisten – sagt die Politikwissenschaftlerin Nicole Deitelhoff, die zur regelbasierten Ordnung forscht. DIE ZEIT: Frau Deitelhoff, der omanische Chefunterhändler Badr al-Busaidi hat kurz vor Beginn des Kriegs noch gesagt: "Der Frieden ist zum Greifen nah." Tags darauf schlugen Raketen in Teheran ein. Ist die Diplomatie tot? Nicole Deitelhoff: Die Diplomatie ist nicht tot, aber Donald Trump begreift Diplomatie nur als ein weiteres Instrument der Machtausübung: Er verhandelt, wenn er den Eindruck hat, dass es ihn seinem Ziel näher bringt. Und wenn er den Eindruck hat, es lohnt sich eher, Gewalt anzuwenden, dann tut er das. Genau das haben wir im Falle des Iran beobachten können. Die Verhandlungen wurden als produktiv betrachtet, Trump deutete noch an, dass es eine Möglichkeit gibt, sich zu einigen, aber faktisch bereitete er einen Angriff vor.