Zeit 02.10.2026
11:09 Uhr

(+) Cristiano Ronaldo: Er will doch bloß weiterspielen


Cristiano Ronaldo ist aus Portugals Nationalmannschaft geflogen – im Privatjet. Häme verbietet sich jedoch: Der geniale Fußballer ist ein Opfer seiner eigenen Longevity.

(+) Cristiano Ronaldo: Er will doch bloß weiterspielen
In der Reihe »Die Pflichtverteidigung« ergreifen wir das Wort für Personen, Tiere, Dinge oder Gewohnheiten, die von vielen kritisiert und abgelehnt werden. Dieser Artikel ist Teil von ZEIT am Wochenende, Ausgabe 40/2026. Natürlich gibt es andere Menschen, die dringend getröstet werden wollen. Nur hört man gerade überall, dass Cristiano Ronaldo, inzwischen 41, vor einem Länderspiel gegen Dänemark das Trainingslager der portugiesischen Nationalmannschaft offenbar beleidigt verlassen habe. Er, fast zwei Jahrzehnte der Fußballsuperheld des Landes, hätte dem Spiel voraussichtlich von der Bank zusehen müssen, was erstens mit seinem Selbstanspruch nicht vereinbar und zweitens eine grundsätzlich eher öde Perspektive ist, deshalb: vorzeitige Abreise im Privatjet. Natürlich weiß man nicht, wie es ist, Cristiano Ronaldo zu sein. Aber man kann es verstehen, auch wenn dabei leider nicht alle mitmachen: Sportfachmedien fiel zu diesem Vorgang rasch die hämische Gattungsbezeichnung »Seifenoper« ein, obwohl sie dieses Genre selbst gern erzeugen, während sie Manuel Neuers Fußgesundheit fürsorglich eskortieren. Und das Nachrichtenportal n-tv dichtete rustikal, Ronaldo zeige »seine hässliche Fratze«.