Bundestagspräsidentin Julia Klöckner hat die Parteien im Deutschen Bundestag zu mehr Gelassenheit im Umgang miteinander aufgerufen. „Wir sollten nicht alles gleich als extremistisch oder demokratiegefährdend bezeichnen, was nicht die eigene Meinung wiedergibt“, sagte sie der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Die CDU-Politikerin fügte hinzu: „Wenn alles extremistisch ist, ist nichts mehr extremistisch. Wenn alles rassistisch ist, ist nichts mehr rassistisch.“ Sie richtete sich mit ihrer Kritik explizit auch an die Parteien der Mitte: „Wir müssen ertragen, wenn jemand anders denkt. Und nicht alles, was zugespitzt wird, ist Populismus.“ Heute gehe es schnell um Bekenntnis und die Erwartung, dass der andere dies uneingeschränkt übernehme. Die Gefahr bei einer solchen Alles-oder-nichts-Haltung bestehe darin, „dass es schnell zu einer moralisierenden Überhöhung kommt“, gab Klöckner zu bedenken. Demokratie bedeute auch, dass man aufeinander zugehen, sich mit Argumenten auseinandersetzen und weiterentwickeln müsse. Kritik an Migranten nicht pauschal rassistisch Klöckner warnte überdies davor, berechtigte Kritik am Fehlverhalten von Migranten pauschal als rassistisch zu bezeichnen. Wenn Frauen herabgewürdigt würden, seien sich viele schnell einig, wenn der Schuldige ein „alter weißer Mann“ sei. „Aber ich will ebenso über den jungen zugewanderten Macho reden können, der meint, Lehrerinnen nicht ernst nehmen zu müssen, weil sie Frauen sind. Das ist nicht rassistisch, wie einige reflexhaft meinen“, betonte die Bundestagspräsidentin.