Welt 08.10.2026
17:03 Uhr

Taucher bergen einzigartigen Ring. Die Gravur liefert neue Erkenntnisse zu einem Weltwunder


Auf einer versunkenen Insel im Mittelmeer vor der antiken Stadt Alexandria finden Archäologen einen auffälligen Siegelring. Für die Experten ist der Fund ein wertvolles Puzzlestück in der Geschichte eines Weltwunders.

Taucher bergen einzigartigen Ring. Die Gravur liefert neue Erkenntnisse zu einem Weltwunder

Im Hafen vor Alexandria haben Archäologen einen außergewöhnlichen Fund gemacht. Taucher entdeckten einen bronzenen Siegelring, der den berühmten Leuchtturm von Alexandria zeigt – das jüngste der sieben Weltwunder. Das Siegel ist das erste bekannte seiner Art. Der Ring befand sich zwischen Granitblöcken und Steinfundamenten des Palastes der versunkenen Insel Antirhodos. Diese war ein Teil des königlichen Viertels im ehemaligen antiken Hafen von Alexandria – dem Portus Magnus. Dort laufen Unterwasserausgrabungen des Europäischen Instituts für Unterwasserarchäologie (IEASM) unter Leitung von Franck Goddio. Das gleiche Team vermeldete im vergangenen Jahr den Fund eines „ schwimmenden Vergnügungspalastes (verlinkt auf https://www.welt.de/wissenschaft/article6937d47011f914c89b857681/archaeologie-schwimmender-vergnuegungspalast-forscher-finden-vor-alexandria-wrack-aus-der-zeit-kleopatras.html) “ aus der Zeit Kleopatras, ebenfalls in der Umgebung der versunkenen Insel. Dort liegt es unter Sedimenten begraben am Grund des ehemaligen Hafens, etwa 50 Meter entfernt vom Tempel von Isis, unweit des Palastes. Derzeit legen die Ausgrabungen auf der königlichen Insel Antirhodos architektonische Überreste auf einer Fläche von mehreren tausend Quadratmetern frei. Der nun gefundene Siegelring vertiefe das Verständnis für die einstige Bedeutung der versunkenen Insel im kulturellen und politischen Leben der antiken Weltstadt. „Die Entdeckung des Siegels ist umso bedeutender, als es im legendären Palast auf der Insel Antirhodos ausgegraben wurde, dem einstigen Machtzentrum der Stadt“, sagt Goddio. Dies belege, dass der Palast zu einem bestimmten Zeitpunkt über Büros für administrative Aufgaben verfügte, darunter auch die Verwaltung des berühmten Leuchtturms. Obwohl die Lage des Pharos genannten Turms bis heute nicht abschließend geklärt werden konnte, haben sich Generationen von Archäologen und Bauforschern an der Entschlüsselung des Turms abgearbeitet. Dabei stützten sie sich neben einigen schriftlichen Zeugnissen auf zahlreiche Darstellungen auf Münzen. Die Reliefdarstellung des Leuchtturms auf dem jetzt gefundenen Siegelring ähnelt Abbildungen, wie sie bereits von einigen Münzen aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. bekannt sind. Als beste Rekonstruktion gilt die des Archäologen Hermann Thiersch. Danach war der Pharos 120 bis 140 Meter (nach anderen Schätzungen mehr als 150 Meter) hoch und ruhte auf einem quadratischen Unterbau mit rund 70 Metern Seitenlänge. Darauf waren ein Oktogon (34 Meter Seitenlänge), ein Rundbau und schließlich eine runde Säulenhalle (Tholos) gesetzt, die von einer Monumentalstatue des Gottes Zeus bekrönt wurde. Weitere Götterbilder schmückten demnach die tiefer gelegenen Abteilungen. „Als ein vom Meere umspülter Felsen mit einem wundervoll aus weißem Gestein mit vielen Deckgebälken erbauten Turm“ beschrieb der griechische Geograf Strabon um die Zeitenwende den Bau. Er besichtigte diesen während seiner Ägyptenreise zwischen 29 und 25 v. Chr. Er schrieb weiter: „Denn da die Küste an beiden Seiten hafenlos und flach ist, auch einige Risse und Untiefen hat, so bedurfte es für die vom Meere Heranschiffenden eines hohen und hervorleuchtenden Zeichens, um den Eingang des Hafens genau zu treffen.“ Gebaut wurde der Prachtbau, dessen Licht Legenden zufolge noch in Konstantinopel sichtbar war, unter den Ptolemäern – jenen hellenistischen Herrschern, die zusammen mit Alexander dem Großen das Reich am Nil eroberten. Dieser hatte bereits vor seinem frühen Tod den Ausbau Alexandrias (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article142392339/Das-hoechste-Weltwunder-soll-wiedererstehen.html) zu einer Residenzstadt für sein neues Weltreich geplant und wurde dort in einem riesigen Mausoleum begraben. Über drei Jahrhunderte führten die Ptolemäer diese Vision fort und errichteten mit den unerschöpflichen Ressourcen des antiken Ägyptens die glänzendste Metropole der hellenistischen Welt. Noch lange nachdem ihre Dynastie in den Wirren der Geschichte verschlungen wurde, blieb der Leuchtturm erhalten. Erst zwei schwere Erdbeben in den Jahren 1303 und 1323 brachten ihn schließlich nach mehr als 1000 Jahren Betriebszeit zum Einsturz. An seiner vermuteten Stelle wurde im 15. Jahrhundert die Mameluken-Festung Qait Bey errichtet. Zahlreiche Bauteile des Turms sind in der Zitadelle erhalten.