Eigentlich hätte an diesem Dienstagabend bei Sandra Maischberger die Berliner Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp sitzen sollen. Es gab genug Zündstoff für den Talk: Enteignungspläne in der Hauptstadt, massive Antisemitismusvorwürfe gegen ihre Partei und die Verwicklungen mit Clan-Kriminellen. Doch Eralps Name verschwand klammheimlich aus der Ankündigung. Brisant ist dabei: Erst kurz vor der Sendung war ihre ehemalige Mitgliedschaft in der linksextremen Gruppe „Rote Hilfe“ ans Licht gekommen. Der ARD-Talk ordnete Eralps Fehlen nicht ein, die Sendung lief stattdessen mit dem ehemaligen Linke-Parteivorsitzenden Jan van Aken und dem Politikwissenschaftler Peter Neumann, die kontrovers über die Berliner Linke verhandelten. Am Panel kommentierten zudem „taz“-Journalistin Ulrike Herrmann, „Table.Briefings“-Chefredakteur Michael Bröcker und Literaturkritiker Denis Scheck. Scheck sorgte für die Pointe des Abends. Doch Eralp, die sich seit Wochen gegen die Antisemitismus-Vorwürfe ihrer Hauptstadtpartei wehrt, kam lediglich als Zitat aus einer Fernsehrede vor: „Jüdische Menschen müssen sich in unserer Stadt sicher fühlen. Ich werde das vielfältige jüdische Leben stärken und Antisemitismus bekämpfen.“ Angesichts der Verharmlosung des Judenhasses in der linken Hauptstadtpartei zeigte sich Denis Scheck schockiert, richtete dann eine drastische Warnung an SPD und Grüne, die über eine Koalition in Berlin nachdenken: „Wer sich mit Hunden zu Bett legt, der braucht sich nicht wundern, wenn er morgens mit Flöhen aufwacht.“ „Keine Toleranz für Intoleranz. Das gilt für alle und sollte auch für die Linke gelten“ Ulrike Herrmann nahm die Linke in Schutz und argumentierte, es gebe nur eine antisemitische Minderheit. „Man sollte jetzt aber nicht so tun, als wäre die Linkspartei faktisch so ähnlich wie die AfD.“ Schließlich sei die Linke demokratisch, die AfD hingegen demokratiefeindlich, so Herrmann. Michael Bröcker, Chef von „Table.Briefings“, räumte mit diesem Whataboutismus auf: „Wir reden über den Antisemitismus der Linken und kommen zur AfD. Das ist doch gar nicht das Thema. Thema ist Antisemitismus in der Linken.“ Bröcker verwies auch auf den Linken-Abgeordneten Ferat Koçak, der nach Bekanntwerden von Kontakten ins kriminelle Milieu seine Funktionen lediglich ruhen lässt, statt sein Mandat zurückzugeben. „Diese Partei muss harte, klare Maßnahmen zeigen“, forderte der Journalist. Ein bloßes wörtliches Bekenntnis der Linken dürfe SPD und Grünen für eine Koalition nicht reichen. Das lieferte die Vorlage für den dann folgenden Schlagabtausch: Linken-Bundestagsabgeordneter Jan van Aken traf auf den Extremismus- und Sicherheitsexperten Peter Neumann. Der äußerte sogleich seine sicherheitspolitischen Bedenken, als Maischberger fragte, ob SPD und Grüne das Koalitions-Wagnis eingehen sollten? „Ich persönlich finde, eher nicht.“ Man könne Linke und AfD zwar nicht gleichsetzen, „aber man kann eben schon vergleichen. Und beide sind radikale Parteien.“ In beiden fänden sich anti-systemische Elemente. Maßstab für demokratische Parteien: „Keine Toleranz für Intoleranz. Das gilt für alle und sollte auch für die Linke gelten.“ „Sie sind keine Mehrheit, sie bestimmen nichts mit“ Van Aken versuchte zu beschwichtigen. Die Linke stehe zum Existenzrecht Israels, „Antisemitismus wird in dieser Partei nicht geduldet.“ Es handele sich lediglich um „ein paar Leute“, so der ehemalige Parteivorsitzende der Linken. „Ich finde, die haben in dieser Partei auch nichts zu suchen. Aber die haben in dieser Partei nichts zu sagen, sie sind keine Mehrheit, sie bestimmen nichts mit. Die werden mit dieser Regierung überhaupt nichts zu tun haben“, legte er sich fest. Zudem habe Eralp bereits einen Fünf-Punkte-Plan zum Schutz jüdischen Lebens aufgestellt. „Ganz so ist es natürlich nicht“, konterte der Politologe. Er zählte auf: Ein Beschluss des niedersächsischen Landesparteitags, der dem Zionismus die Existenzlegitimität abspricht. Israel-feindliche Chatverläufe in der Jugendorganisation. Kontakte zu gewalttätigen Clan-Mitgliedern. „Da ist schon ein bisschen mehr, als Sie gerade dargestellt haben.“ Statt auf einen Fünf-Punkte-Plan zu verweisen, sollte Eralp besser erst einmal in der eigenen Partei kehren, etwa durch die Distanzierung vom umstrittenen Neuköllner Bezirksverband, forderte Neumann: „Der erste und glaubwürdigste Schritt wäre, wenn sie sagen würde: ‚Dieser Bezirksverband in Neukölln, das tragen wir nicht mehr mit.‘“ Sein Fazit zur linken Regierungstauglichkeit: „Wenn man es noch nicht mal schafft, im eigenen Landesverband für Ordnung zu sorgen, wie glaubwürdig ist es dann, wenn man sagt, man mache es für die ganze Stadt?“ Beim Thema der inneren Sicherheit und organisierten Kriminalität hielt Jan van Aken unbekümmert an seinem Parteikollegen fest: Er lobte Ferat Koçak dafür, einen Fehler eingestanden zu haben: „Er hat gesagt, es sei für ihn klar, niemals darf ein Politiker Kontakt zur organisierten Kriminalität haben.“ Für Sicherheitsexperten Neumann zeigte das eine Verharmlosung der realen Konsequenzen, die solche Verbindungen für die Polizeiarbeit in Berlin haben werden. Die offene Verbindung zwischen Politikern und Clan-Kriminellen könne das Vertrauen der Bürger in den Rechtsstaat beeinträchtigen: „Wenn jemand das sieht, der sich überlegt, mit der Polizei zu kooperieren, der wird sich das zweimal überlegen, wenn die Linke dran ist. Weil der natürlich sagt: Die an der Spitze der Stadt, die stecken ja irgendwie mit denen unter einer Decke.“ Das rhetorische Schlusswort gehörte ungewollt Denis Scheck. Jan van Aken empörte sich am Ende der Debatte nachträglich über Schecks Eingangsmetapher: „Politische Gegner als Hunde zu bezeichnen. Das ist unter jeder Gürtellinie, das geht überhaupt nicht“, sagte der Bundestagsabgeordnete in Richtung des Literaturkritikers. Der lieferte dann die eiskalte Pointe des Abends: „Es tut mir leid. Ich hätte die Linke niemals mit einem Hund vergleichen dürfen, sondern gleich von einem Floh reden müssen.“