Welt 25.07.2026
20:45 Uhr

Militärtransporter A400M löscht Brände in Frankreich – grausamer Brandstifter-Verdacht in Italien


Die Lage in Südwesteuropa spitzt sich dramatisch zu. Mehrere Hunderttausend Menschen wurden in Frankreich und Spanien evakuiert. Auch in Italien wüten Brände. Der Zivilschutz in Kalabrien geht von Brandstiftung mit „unmenschlichen Methoden“ aus. Ein Überblick.

Militärtransporter A400M löscht Brände in Frankreich – grausamer Brandstifter-Verdacht in Italien

Mehrere Hunderttausend Menschen sind in Frankreich und Spanien vor Waldbränden in Sicherheit gebracht worden. Im Südwesten Frankreichs haben die anhaltenden Brände eine der größten Evakuierungsaktionen in der Geschichte des Landes ausgelöst. Im Département Gironde wurden nach Behördenangaben weit mehr als 200.000 Menschen evakuiert. Auch in Spanien mussten nach Regierungsangaben inzwischen knapp 60.000 Menschen ihre Häuser verlassen. So ist die Lage in Frankreich Wo die Feuer wüten: Besonders betroffen ist das südwestfranzösische Département Gironde rund um Bordeaux. Allein dort wurden in der Nacht zu Sonntag 55.000 weitere Menschen zur Evakuierung aufgefordert. Die Entscheidung sei „angesichts des Wiederaufflammens des Brandes“ getroffen worden, teilten die Behörden mit. Zuvor hatten die Behörden bereits 8000 Menschen am Stadtrand von Bordeaux zur Evakuierung aufgefordert. Mehrere Viertel der Gemeinden Marcheprime und Cestas, weniger als 30 Kilometer südwestlich von Bordeaux, waren demnach betroffen. Nach Angaben des Innenministers mussten außerdem 31.000 Menschen im benachbarten Département Landes wegen der Brände ihre Häuser verlassen. Unter den Evakuierten sind viele Urlauber aus der bei Touristen beliebten Küstenregion rund um das Bassin d'Arcachon. Schiffe wurden eingesetzt, um Menschen unter anderem von der Halbinsel Cap Ferret in Sicherheit zu bringen. Erreicht das Feuer Bordeaux? Die Flammen sind nach Angaben des französischen Innenministers etwa 30 Kilometer von Bordeaux entfernt. „Wir erwarten einen Kampf, der lang und sehr schwierig sein wird“, sagte er. Der französische Premierminister Sébastien Lecornu warnte am Abend wegen sich verschlechternder meteorologischer Bedingungen vor „schwierigen Stunden“. Die Regierung warnte vor Reisen in die Region. Innenminister Nuñez betonte, das Land habe noch nie zuvor Brände in diesem Ausmaß erlebt, und versprach, „alles zu tun“, um die Stadt Bordeaux zu schützen. Der beißende Rauchgeruch ist inzwischen bis in die Stadt vorgedrungen. Da der Wind gedreht hat, breiten sich die Flammen nun nach Osten in Richtung des Ballungsraums von Bordeaux aus. Auch in anderen Regionen Frankreichs, darunter im Département Var und auf der Insel Korsika, kämpfen Feuerwehrleute gegen weitere Brände. Laut Nuñez waren mehrere Brände nicht unter Kontrolle. Das Ausmaß der Brände: Nach Angaben der Präfektur Gironde hat der Brand inzwischen rund 19.000 Hektar Fläche erfasst – eine Fläche größer als Paris. Etwa 100 Gebäude wurden demnach zerstört. Die Behörden sprechen von einem Feuer „beispiellosen Ausmaßes“. Mehr als 1200 Feuerwehrleute sind im Einsatz. Nach Angaben des Innenministers sind in Frankreich seit Jahresbeginn nahezu 100.000 Hektar Land verbrannt – ein historischer Rekordwert. Armee hilft beim Kampf gegen die Flammen: Frankreich verstärkt angesichts der dramatischen Lage die Unterstützung der Feuerwehr. Die Zahl der Soldaten, die die Feuerwehr bei den Löscharbeiten unterstützen, werde von 500 auf 1000 erhöht, teilte Verteidigungsminister Sébastien Lecornu nach einer Sitzung des interministeriellen Krisenstabs mit. Auch die französische Luftwaffe ist im Einsatz. Ein militärisches Transportflugzeug vom Typ A400M warf am Samstagnachmittag Löschwasser über einem brennenden Waldgebiet ab. Auch Deutschland bietet Hilfe an: Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU) schrieb einen entsprechenden Brief an den Präfekten der benachbarten Region Grand Est, Amaury de Saint-Quentin. Der Brief liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Darin erklärt Hagel, Baden-Württemberg könne etwa die Entsendung zweier Polizeihubschrauber in die akut betroffenen Gebiete anbieten, die mit Außenlastbehältern von jeweils 900 Litern Volumen zur Waldbrandbekämpfung ausgerüstet seien. Sollte in der Region Grand Est selbst ein Unterstützungsbedarf entstehen, stehe das Land Baden-Württemberg mit allen verfügbaren Ressourcen zur Verfügung. Die Auslöser der Brände: Das Feuer rund um das Bassin d'Arcachon könnte laut Staatsanwaltschaft durch eine bei Arbeiten an einer Hochspannungsleitung eingesetzte Freischneidemaschine ausgelöst worden sein, deren Nutzung zu diesem Zeitpunkt noch erlaubt war. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde zudem gegen zwei Männer wegen Gefährdung des Lebens anderer ermittelt, nachdem sie beim Rauchen in Waldgebieten ertappt worden waren. Bei einem von ihnen stellten Gendarmen demnach fest, dass er am Vortag neben seinem Lagerplatz einen Grill angezündet hatte. So ist die Lage in Spanien Das Ausmaß der Brände: Spanien kämpft ebenfalls gegen zahlreiche Waldbrände. Wegen der schweren Feuer rief die Regierung für die Umgebung der Hauptstadt Madrid sowie für die Region Ávila den Notstand aus. Für die Provinz Toledo südwestlich der Hauptstadt Madrid gab es neue Evakuierungsaufrufe. „Die Lage ist komplex“, sagte der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska vor Journalisten. „Heute sind wir etwas pessimistischer als gestern“, fügte er hinzu. Die Wetterbedingungen hätten „überhaupt nicht geholfen“. Die kommende Nacht werde „nicht einfach“ werden, sagte Grande-Marlaska. Wie das spanische Innenministerium am Samstag auf der Plattform X mitteilte, mussten inzwischen 59.488 Menschen ihre Häuser verlassen. Weitere 28.262 Menschen waren demnach von den Bränden betroffen, konnten ihre Wohnungen oder Häuser aber wegen der Lage nicht verlassen. Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso sprach vom „schlimmsten Brand in der Geschichte“ der Region Madrid und von einer „Katastrophe“. Zwei von drei Bränden westlich von Madrid waren nach Behördenangaben zuvor zu einem Großfeuer verschmolzen, das sich mit einem weiteren Waldbrand in der benachbarten Region Kastilien und León verbinden könnte. Der größte Brand in Spanien in der Provinz Guadalajara nordöstlich von Madrid loderte am Samstag weiter. Dort vernichteten die Flammen bislang etwa 32.000 Hektar Land. Der mutmaßliche Auslöser des Feuers: In Zusammenhang mit dem Feuer in Ávila nahm die spanische Gendarmerie nach eigenen Angaben einen Mann fest. Wie die Guardia Civil weiter erklärte, soll er eine landwirtschaftliche Maschine in einem Gebiet eingesetzt haben, in dem dies wegen der Brandgefahr streng verboten war. Die dabei entstandenen Funken hätten vermutlich den Brand ausgelöst. Gegen einen weiteren Mann werde ermittelt. So ist die Lage in Italien Wo es brennt: Auch in Italien gibt es zahlreiche Waldbrände. Besonders betroffen sind die Mittelmeerinsel Sizilien und die Region Kalabrien. Allein auf Sizilien wurden mehrere Dutzend Feuer gemeldet. Die Behörden befürchten eine Verschärfung der Lage durch eine neue Hitzewelle. Immer wieder werden die Flammen durch den aus Afrika kommenden Scirocco-Wind angefacht. Der mutmaßliche Auslöser der Brände: In der süditalienischen Region Kalabrien sollen Brandstifter nach Angaben des regionalen Zivilschutzes Katzen als mobile Brandsätze missbraucht haben. Den Tieren seien mit brennbarer Flüssigkeit getränkte Stofffetzen an die Schwänze gebunden und angezündet worden, bevor sie auf Felder getrieben worden seien, berichtet die Zeitung „ La Repubblica (verlinkt auf https://www.repubblica.it/cronaca/2026/07/22/news/incendi_calabria_gatti_usati_come_inneschi-425486817/) “. Zivilschutzchef Domenico Costarella sprach von „unmenschlichen“ Methoden und Brandvorrichtungen als Werk eines „gestörten und kriminellen Geistes“. Ob es sich um Einzelfälle handelt, ist dem Bericht zufolge unklar. In Kalabrien wurden innerhalb von 24 Stunden 164 Brände registriert, 26 weitere waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht gelöscht. Neben Brandsätzen mit verzögerter Zündung und Molotowcocktails entdeckten Einsatzkräfte demnach auch die Überreste der misshandelten Tiere. Die italienische Tierschutz- und Umweltvereinigung Aidaa kündigte Anzeigen bei sämtlichen Staatsanwaltschaften der Region sowie eine Belohnung von 1000 Euro für Hinweise an, die zur rechtskräftigen Verurteilung der Täter führen. Hinweis: Der Artikel wird laufend aktualisiert.