Welt 02.09.2026
18:09 Uhr

Mädchen im Internet unter Druck gesetzt – 18-Jähriger muss mehrere Jahre in Haft


Psychischer Druck, Selbstverletzungen vor der Kamera, Fallen für homosexuelle Männer – das Urteil gegen einen 18-Jährigen gibt einen schockierenden Einblick.

Mädchen im Internet unter Druck gesetzt – 18-Jähriger muss mehrere Jahre in Haft

Das Landgericht Hamburg hat einen 18-Jährigen wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern ohne Körperkontakt und mehrfacher gefährlicher Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt. Nach Überzeugung der Jugendkammer setzte der junge Hamburger über das Internet mehrere Mädchen unter Druck, um sie zu sexuellen Handlungen und Selbstverletzungen zu zwingen. Zudem lockte er homosexuelle Männer über Dating-Plattformen in Fallen und beteiligte sich an Angriffen auf die Opfer. Der Fall weist Parallelen zu den bundesweit bekannt gewordenen Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Online-Sadisten „White Tiger“ auf. Eine direkte Verbindung zwischen beiden Verfahren konnte das Gericht jedoch nicht feststellen. Nach den Feststellungen der Richter war der Angeklagte Teil des sogenannten „Com-Netzwerks“, einer Gruppierung, die im Internet gezielt Kontakt zu Minderjährigen aufnahm. In insgesamt 20 Fällen sah das Gericht die Vorwürfe als erwiesen an. Demnach wirkte der Jugendliche auf sieben Mädchen ein, setzte sie psychisch massiv unter Druck und nötigte sie zu sexuellen Handlungen sowie zu Selbstverletzungen vor der Webcam. Teilweise handelte er allein, teilweise zusammen mit anderen Beteiligten. Das Gericht sprach ihn deshalb unter anderem des mehrfachen sexuellen Missbrauchs von Kindern ohne Körperkontakt sowie der gefährlichen Körperverletzung in zehn Fällen schuldig. Ein Teil der Taten wurde als sogenannte mittelbare Täterschaft gewertet, weil die Opfer die Verletzungen auf Druck des Angeklagten selbst vornahmen. Auch Männer wurden zu Opfern Neben den Übergriffen auf die Mädchen beschäftigten die Richter auch eine Serie von Angriffen auf homosexuelle Männer. Nach den Feststellungen des Gerichts verabredete sich der Angeklagte unter falschem Namen über Dating-Portale mit seinen späteren Opfern. Zu den Treffen erschien er teils gemeinsam mit weiteren Beteiligten, bevor die Männer unvermittelt attackiert und verletzt wurden. In sieben Fällen sah die Kammer eine gefährliche Körperverletzung als erwiesen an. Der Prozess fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, weil der Angeklagte zur Tatzeit noch Jugendlicher war. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Gegen die Entscheidung kann Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt werden. So steht es im Fall „White Tiger“ Besondere Aufmerksamkeit erhielt das Verfahren, weil es Erinnerungen an den Fall „White Tiger“ weckte. Gegen den 21 Jahre alten Deutsch-Iraner wird seit Januar ebenfalls vor dem Landgericht Hamburg verhandelt. Die Anklage wirft ihm vor, zwischen 2021 und 2023 insgesamt 204 Straftaten begangen zu haben. Er soll psychisch labile Kinder und Jugendliche in Internet-Chats manipuliert und zu Selbstverletzungen gedrängt haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem Mord und fünffachen versuchten Mord vor, nachdem ein 13-Jähriger Suizid begangen haben soll. Die Jugendkammer stellte nun jedoch ausdrücklich fest, dass sich eine Zusammenarbeit des verurteilten 18-Jährigen mit dem mutmaßlichen „White Tiger“ nicht nachweisen ließ. Auch wenn beide Verfahren ähnliche Tatmuster aufweisen und aus demselben Milieu digitaler Manipulation und psychischer Gewalt stammen, werden sie strafrechtlich unabhängig voneinander behandelt. Mit dem Urteil endet eines der ersten Verfahren in Hamburg, das sich mit den Methoden solcher Online-Netzwerke beschäftigt. Die Ermittlungen gegen weitere mutmaßliche Beteiligte dauern teilweise noch an. Während der Prozess gegen den 18-Jährigen nun abgeschlossen ist, steht eine Entscheidung im deutlich umfangreicheren „White-Tiger“-Verfahren weiterhin aus.