Das Konsortium zum Weiterbau des Elbtowers drängt weiter auf eine Zusammenarbeit mit der Stadt Hamburg – auch angesichts eines günstigeren Konkurrenzangebots für das geplante Naturkundemuseum. „Die Gespräche über das Naturkundemuseum im Elbtower sind weit fortgeschritten“, sagte der Sprecher des Konsortiums, Immobilienunternehmer Dieter Becken, dem „Hamburger Abendblatt“. Auch der Preis, den die Stadt für rund die Hälfte der Fläche bezahlen will, um darin das Naturkundemuseum unterzubringen, stehe nicht infrage. „Der Globalpauschalfestpreis von 595 Millionen Euro für das fertiggestellte Naturkundemuseum steht. Wir halten an diesem Preis fest“, sagte Becken. Um den seit der Pleite der Signa-Gruppe des österreichischen Immobilieninvestors René Benko im Oktober 2023 ruhenden Hochhausbau an den Elbbrücken fortzusetzen, muss das Konsortium den Elbtower erst einmal vom Insolvenzverwalter kaufen. Dafür braucht es den Deal mit der Stadt. Die Verhandlungen laufen seit Dezember 2024. Becken: Zentrale Grundlagen bereits abgestimmt Vor Kurzem hatte sich Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) angesichts der langen Verhandlungsdauer skeptisch geäußert, dass es noch zu einem positiven Abschluss komme, und erneut deutlich gemacht, dass ein finanzielles Engagement Hamburgs über die 595 Millionen Euro hinaus nicht zur Debatte stehe. Zentrale Grundlagen für die Umsetzung der Museumspläne im Elbtower seien aber bereits abgestimmt, sagte Becken nun dem „Abendblatt“. „Dazu gehören die zu erbringenden Leistungen, die Zuordnung der Bau- und Fertigstellungsrisiken, der an definierte Baufortschritte geknüpfte Zahlungsplan sowie die vertraglichen Sicherheiten für die Stadt.“ Grundlage sei dabei ein Globalpauschalfestpreis von 595 Millionen Euro. Zuletzt hatte ein Konkurrenzangebot des Immobilienunternehmens Büll & Liedtke für Schlagzeilen gesorgt, das die Unterbringung des Museums im Stadtkontor am Besenbinderhof vorsieht und rund 100 Millionen Euro niedriger als die Elbtower-Variante liegt. Der Senat bestätigte den Eingang des Angebots, das nun geprüft werde, wie es aus dem Rathaus hieß. Bei Nachfragen in der Landespressekonferenz am Dienstag vermied Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) allerdings eine Aufwertung des Angebots, das eine Nachbesserung einer früheren Offerte für das Kontorhaus in Bahnhofsnähe ist. Statt von einem offenen Wettbewerb der Standorte zu sprechen, verwies er auf frühere Prüfungen und die Entscheidung des Senats, die Elbtower-Variante zu favorisieren und diese auszuhandeln. Das neue Angebot werde daraufhin geprüft, „ob das etwas an der Einschätzung ändert“, sagte Dressel. Zum Hintergrund: Hamburg hat sich verpflichtet, ein modernes Naturkundemuseum zu errichten. Ein 2021 geschlossener Staatsvertrag mit Nordrhein-Westfalen zur Gründung des Leibniz-Instituts zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB) bindet die Stadt an das Vorhaben. Im Staatsvertrag ist allerdings kein konkreter Standort festgelegt. Hamburg hat hier freie Hand. Den Elbtower erklärte der Senat vor rund einem Jahr zur Wunschvariante. Mit dem Naturkundemuseum erhalte der Elbtower eine starke öffentliche, wissenschaftliche und städtebauliche Funktion, sagte Becken in dem Zeitungsinterview. „Das Museum ist der zentrale Baustein eines Gesamtkonzepts aus Wissenschaft, öffentlicher Nutzung, Hotel, Büros und Gastronomie.“ Ende vergangener Woche hatte der Fraktionsvorsitzende der in Hamburg mitregierenden Grünen, Michael Gwosdz, für Irritationen gesorgt, als er angesichts der schwierigen Haushaltslage die Realisierung des Naturkundemuseums generell infrage gestellt hatte. Am Montag war er dann allerdings wieder zurückgerudert. Elbtower-Konsortium über Grüne „verwundert“ „Ich bin sehr verwundert, dass einzelne handelnde Personen die ökonomische Wertschöpfung durch das Naturkundemuseum und den Elbtower offenbar komplett ausblenden“, sagte Signal-Iduna-Vorstandsmitglied Martin Berger dem „Abendblatt“ und mahnte: „Man darf die Steuereinnahmen und Hunderte Arbeitsplätze nicht vergessen, die dort entstehen.“ Der Versicherungskonzern Signal Iduna gehört wie die Becken-Gruppe zum Elbtower-Konsortium. Weitere Mitstreiter zur Realisierung des Projekts sind das Bauunternehmen Adolf Lupp, eine Gesellschaft des im August verstorbenen Hamburger Mäzens Klaus-Michael Kühne, sowie der Drogeriekette-Gründer Dirk Roßmann.