Welt 05.10.2026
12:29 Uhr

Hamburger Schüler sollen Ukrainisch im Abitur wählen können


Seit Beginn des russischen Angriffskriegs ist die Zahl ukrainischer Schüler in Hamburg stark gestiegen. Nun wollen SPD und Grüne Ukrainisch als Abiturprüfungsfach einführen. Bislang kann die Sprache zwar belegt, aber nicht geprüft werden.

Hamburger Schüler sollen Ukrainisch im Abitur wählen können

Mehr als 5500 ukrainischsprachige Schülerinnen und Schüler besuchen derzeit Hamburgs Schulen. Künftig sollen sie ihre Muttersprache auch als Abiturprüfungsfach wählen können. Einen entsprechenden Antrag haben SPD und Grüne in die Bürgerschaft eingebracht. Ziel ist es, Ukrainisch den Status zu geben, den in Hamburg bereits andere Herkunfts- und Fremdsprachen besitzen. Über den Vorstoß soll die Bürgerschaft am 14. Oktober entscheiden. Ukrainisch wird an Hamburgs Schulen bereits unterrichtet. Nach Angaben der Regierungsfraktionen werden an neun Schulen derzeit insgesamt 19 Ukrainisch-Kurse angeboten, die von neun Lehrkräften betreut werden. Schüler können das Fach bereits in der Oberstufe belegen, eine Abiturprüfung ist bislang jedoch nicht möglich. Genau das soll sich ändern. SPD und Grüne fordern den Senat auf, Ukrainisch als Prüfungsfach im Abitur zuzulassen. Dafür soll die Schulbehörde einen eigenen Rahmenplan erarbeiten. Zudem soll sich Hamburg auf Bundesebene für die Anerkennung des Fachs einsetzen. Voraussetzung ist außerdem, dass ausreichend qualifizierte Lehrkräfte zur Verfügung stehen, damit ein durchgängiger Unterricht in der gymnasialen Oberstufe angeboten und später auch Abituraufgaben erstellt werden können. Bislang können in Hamburg unter anderem Arabisch, Chinesisch, Farsi, Französisch, Italienisch, Polnisch, Portugiesisch, Russisch, Spanisch und Türkisch als Abiturprüfungsfächer gewählt werden. Ukrainisch gehört trotz des bestehenden Unterrichtsangebots bislang nicht dazu. Der schulpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Tom Hinzmann, verweist auf die wachsende Bedeutung des Fachs in den Schulen. Viele ukrainische und ukrainischstämmige Schüler sprächen Ukrainisch auf hohem Niveau und vertieften ihre Sprachkenntnisse bereits im Unterricht. „Deshalb ist es nur konsequent, ihnen künftig auch die Möglichkeit zu geben, Ukrainisch als Prüfungsfach im Abitur zu wählen“, sagte er. Viele andere Herkunftssprachen könnten in Hamburg bereits als Abiturprüfungsfach gewählt werden. Auch die bildungs- und integrationspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Parica Partoshoar, begründet die Initiative mit den Folgen des russischen Angriffskriegs. Viele junge Menschen aus der Ukraine hätten in Hamburg ein neues Zuhause gefunden. Mit einem Abiturprüfungsfach Ukrainisch würden ihnen zusätzliche Bildungswege eröffnet. Sie sehe darin einen Beitrag zu fairen Bildungschancen und zur Anerkennung der Mehrsprachigkeit vieler Schüler. Sollte die Bürgerschaft den Antrag beschließen, müsste der Senat die notwendigen Voraussetzungen schaffen. Die Regierungsfraktionen erwarten einen Bericht über den Stand der Umsetzung bis Ende 2027.