Welt 10.07.2026
17:27 Uhr

„Die Nato muss fähig sein, konventionelle und unkonventionelle Kriege gleichzeitig zu führen“


Rahm Emanuel gilt als aussichtsreicher Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten. Im Interview erklärt er, wie er sich die Zukunft der Nato vorstellt – und eine neue Aufgabenverteilung zwischen Amerika und Europa.

„Die Nato muss fähig sein, konventionelle und unkonventionelle Kriege gleichzeitig zu führen“
Kai Wegner soll noch bis zur Wahl Regierender Bürgermeister bleiben. Elisa Schu/dpa

Der US-Demokrat Rahm Emanuel hat sich dafür ausgesprochen, dass sich die Nato (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/nato/) von gemeinsamer Verteidigung zu kollektiver Abschreckung weiterentwickeln soll. Besondere Verantwortung sieht er dabei bei den europäischen Mitgliedern der Verteidigungsallianz (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/ausland/article6a4e91af26384a0457a3276c/nato-gipfel-trump-ueberrascht-hinter-verschlossenen-tueren-die-verbuendeten-und-spricht-von-liebe-im-raum.html) . „Man muss vorausdenken: Kollektive Abschreckung bedeutet, alles westlich des Rheins, was nicht essenziell ist, nach Osten zu verlagern – nach Polen, Rumänien, Lettland, Estland, Litauen“, sagte Emanuel im Interview mit WELT und „Politico“ in Berlin. Der Stabschef des früheren US-Präsidenten Barack Obama und einstige Bürgermeister von Chicago wird als möglicher Präsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei für die Wahlen im Jahr 2028 gehandelt. Im Interview betonte er, dass der Westen Russland seine Grenzen stärker aufzeigen müsse. „Die Nato hat nie klar definiert, was ‚Grauzonenangriffe‘ und ‚rote Linien‘ sind. Man muss Russland die Kosten klar machen, wenn sie bestimmte Grenzen überschreiten“, so Emanuel. Auch für die Aufgabenverteilung zwischen Europa und Amerika hat der US-Demokrat klare Vorstellungen. „Europa sollte Ressourcen für die gemeinsame Verteidigung bereitstellen, Amerika sollte diese unterstützen, etwa in den Bereichen Satelliten und Cybersecurity, die für europäische Nato-Mitglieder alleine zu teuer wären“, sagte er. Emanuel beteuerte die vollständige Loyalität Amerikas zur Nato. „Wir sind Teil der Nato, zu 100 Prozent“, sagte er. Er verwies darauf, dass nicht nur die politischen Institutionen, sondern auch die amerikanische Bevölkerung der Nato sehr positiv gegenüberstünde. Allerdings müsse das Verteidigungsbündnis modernisiert werden. „Die Nato muss fähig sein, konventionelle und unkonventionelle Kriege gleichzeitig zu führen“, forderte er. Weder die USA noch Europa seien derzeit darauf vorbereitet. Neben konventionellen Waffen wie Panzern müsse auch der moderne Umgang mit Drohnen zum Normalfall werden. „Man muss aus Fehlern lernen und nach vorne schauen, um Kriege in Europa zu verhindern“, forderte er von den Mitgliedern der Allianz. Europa müsse auch „Resilienz aufbauen, gemeinsame Forschung in Robotik, KI, Quantencomputing und Fusionstechnologie betreiben, um China voraus zu sein“, so Emanuel.