Beim Blick in das gut gefüllte Audimax wirkt der Präsident der Universität Hamburg, Hauke Heekeren, beinah als einziger erstaunlich zurückhaltend. Gerade – es ist Mittwochabend, kurz nach 18 Uhr – haben er und seine Mitstreiter erfahren, dass Norddeutschlands größte Forschungs- und Ausbildungseinrichtung den lukrativen Titel „Exzellenzuniversität“ behält. Zweifellos ein Erfolg, der der Hochschule in den nächsten sieben Jahren rund 70 Millionen Euro beschert. Doch während die Gäste, darunter Wissenschaftler, Studenten und Wegbegleiter, ihren Freudentaumel zelebrieren, macht Heekeren kein Geheimnis daraus, in welcher Lage sich sein Haus tatsächlich befindet. Die Universität Hamburg unterhält 43.000 Studenten und 700 Professoren in 190 Studiengängen – ein Tanker, der aufgrund einer angespannten Haushaltslage und hoher Kosten in schwerer See manövriert. Präsidium und Fakultäten müssen massive Einsparungen umsetzen – ein Stellenabbau, reduzierte Lehrangebote sowie Studiengangstreichungen drohen. Hauseigene Rücklagen sind weitgehend aufgebraucht. Was das „Team Hamburg“, wie sich Heekeren (verlinkt auf https://www.welt.de/regionales/hamburg/article256093360/Deutscher-Uni-Praesident-warnt-Die-Massnahmen-die-auf-eine-Einschraenkung-der-Wissenschaftsfreiheit-zielen-sind-alarmierend.html) und seine Mitstreiter nennen, besonders erzürnt, ist die Tatsache, dass die finanzielle Schieflage bei den politisch Verantwortlichen bekannt ist. Halte doch die Grundfinanzierung der Universität weder mit der Inflation noch mit den wachsenden Anforderungen in Forschung und Lehre Schritt. „Das Wissenschaftssystem steht unter Druck“, sagt Heekeren. Einschätzungen der Hochschulrektorenkonferenz und etliche Landesberichte bestätigen, dass sich die Situation vieler Hochschulen zuspitzt. Die Exzellenzstrategie von Bund und Ländern indes soll vor allem die Forschung stärken – durch mehr Geld, internationale Sichtbarkeit und bessere Strukturen. Dass die Universität Hamburg bis 2033 exzellent (verlinkt auf https://www.welt.de/regionales/hamburg/article69b1a3089276d101b4c85cab/exzellenzstrategie-universitaet-hamburg-verteidigt-ihren-exzellenzstatus.html?icid=search.product.onsitesearch) bleibe, zeige, was die Einrichtung leiste, betont ihr Präsident. „Es ist aber auch klar, dass Exzellenz eine langfristige Verlässlichkeit braucht“, fügt Heekeren vor den Augen der mitfeiernden Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal (Grüne) hinzu. Was der Neurowissenschaftler, der die Hochschule seit vier Jahren lenkt, damit meint: Um ihren gesetzlichen Aufgaben – Forschung, Lehre, Nachwuchsförderung und Digitalisierung – nachzukommen, fordert die Universität vom Senat eine nachhaltige Finanzierungsstrategie statt eines „Kaputtsparen“. Konkret: einen Ausgleich der gestiegenen Kosten durch mehr Mittel. Eine Reduzierung der Studentenzahl, wie von Blumenthal jüngst vorgeschlagen, lehnt die Universität ab, da dies weder Fixkosten spare noch die strukturelle Unterfinanzierung behebe. „Der Exzellenz-Erfolg verpflichtet uns als Universität, aber auch die Politik“, richtet sich Heekeren an die Senatorin, die in ihrer Rede verspricht, „alles dafür zu tun, um diesem Auftrag gerecht zu werden“. Worte, an die Heekeren Rot-Grün (verlinkt auf https://www.welt.de/regionales/hamburg/article6968c0d96b40895ba7f6e70e/wohlfuehlblase-hamburg-wenn-schwarze-ideenflaute-auf-rote-selbstgewissheit-trifft.html) beim Ringen um Gelder erinnern wird. Vorerst wolle er den Moment genießen, gesteht er, als er nach der Exzellenz-Verkündung zum Empfang lädt. Im Konfettiregen ruft der Präsident der Menge zu: „Im Foyer gibt es was zum Anstoßen, wenige Flaschen Sekt konnten wir uns noch leisten. Was zu essen gibt es auch, vermutlich trockenes Brot.“ Ab morgen werde weitergearbeitet.