Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat die geplanten Sozialreformen verteidigt und dabei insbesondere junge Menschen in den Blick genommen. „Wir holen jetzt nach, was wir längst hätten machen müssen“, sagte Merz am Donnerstag in Berlin. „Und die Sozialdemokraten gehen mit uns diesen Weg.“ Die junge Generation stelle sich zu Recht die Frage, ob das Wohlstandsversprechen, das „für mindestens drei Generationen in Deutschland eingehalten wurde“, noch immer gelte, sagte der Kanzler bei einer CDU-Veranstaltung. „Diese Frage: Welche Perspektive hat diese Generation? Diese Frage, die müssen wir heute neu beantworten.“ Alles zu den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern lesen Sie in unserem Liveticker. (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article6aa26cbc240b302c8a83fc5a/wahlen-in-berlin-und-mecklenburg-vorpommern-news-liveticker.html) Es seien die jungen Menschen, „für die wir Politik machen“, sagte der Kanzler. „Wir machen es doch nicht für uns. Wir machen es für diejenigen, die nach uns kommen und die völlig zu Recht die Frage stellen: Ist dieses Haus Deutschland noch sicher, ist es noch frei und gibt es mir die Chancen, die ich gerne für mein Leben in der Gestaltung meines Lebens hätte?“ Die geplante Rentenreform nehme „niemandem etwas weg“, betonte der Kanzler. Sie gebe der jungen Generation vielmehr „erstmalig die Chance, eine Rente aufzubauen, die nicht nur aus den Umlagen ihrer Kinder besteht, sondern die jetzt einen Kapitalstock in der Rentenversicherung aufbaut, so wie es andere Länder in Europa und darüber hinaus seit Jahrzehnten machen“. Mit den Reformen in der Pflege- und Krankenversicherung sowie auf dem Arbeitsmarkt würden neue Chancen eröffnet – „insbesondere für diejenigen, die von unserem Staat erwarten, dass er ihnen Sicherheit, Freiheit und Perspektive eröffnet“. „Das kann doch nicht das Deutschland sein, dass ich so häufig in den Medien sehe“ Der Kanzler ging in seiner Rede auch auf die deutsche Wirtschaft ein. Seit anderthalb Jahren erreiche die Zahl der Unternehmensgründungen in Deutschland ein Rekordniveau, sagte Merz. Allein im Jahr 2025 habe es 3500 neue Start-ups gegeben, ein absoluter Rekord; im ersten Halbjahr 2026 seien bereits wieder 3000 hinzugekommen, ein großer Teil davon in Berlin. Die Hauptstadt sei zu einer „KI-Hauptstadt“ und „Start-up-Hauptstadt“ geworden, etwa die Hälfte der neuen Unternehmen sei im Bereich künstliche Intelligenz aktiv. Das rege Gründungsgeschehen in Berlin zeige ein anderes Bild von Deutschland als das in den Medien oft gezeichnete, sagte Merz. „Das kann doch nicht das Deutschland sein, das ich so häufig in den Medien sehe, von diesen ganzen Problemen“, sagte der Kanzler. Zugleich gestand er ein: „Ja, wir haben Probleme in Deutschland. Ja, wir wollen die Probleme lösen.“ „Wir leben in einem fantastischen Land, einem der schönsten Länder der Welt und in einem Land, wo vor allen Dingen junge Leute ihre Zukunft suchen, in ganz Deutschland und ganz besonders hier in Berlin“, sagte der Kanzler. Merz gestand ein, dass die Zusammenarbeit zwischen Union und SPD nicht immer einfach sei. Beide Seiten hätten sich im vergangenen Jahr aber auf einen Koalitionsvertrag verständigt, um das Land zu erneuern und Verantwortung für Deutschland zu übernehmen. Nach 16 Monaten und trotz aller Kritik – „manches davon teile ich, nicht alles“ – befinde sich Deutschland nach seiner Einschätzung „auf dem Weg raus aus der Krise“. Als Beleg verwies der Kanzler auf die Wachstumsprognose für das laufende Jahr. Die deutsche Wirtschaft werde 2026 voraussichtlich um etwa 1,3 Prozent wachsen. Das entspreche einer im Jahresvergleich um rund 60 Milliarden Euro höheren Wirtschaftsleistung, sagte Merz.