Welt 03.07.2026
18:27 Uhr

„Da kommt man doch kränker raus, als man reingegangen ist“, kritisiert Maschmeyer


Die Bundesregierung plant strengere Regeln für Krankmeldungen. Aus Sicht von Unternehmer Maschmeyer sei dies „kontraproduktiv“ und ein „weiterer bürokratischer Schritt ohne Mehrwert“. Unternehmerverbände sehen die Beschlüsse hingegen positiv.

„Da kommt man doch kränker raus, als man reingegangen ist“, kritisiert Maschmeyer

Wie sollte die künftige Regelung für Krankschreibungen aussehen? Wenn es nach dem „Programm für Aufschwung und Beschäftigung“ (verlinkt auf https://www.welt.de/ig/72691dda-5844-4d0d-8397-7cbb1ca35c44/desktop/desktop) der schwarz-roten Bundesregierung geht, soll die telefonische Krankschreibung abgeschafft werden. Zudem muss ab dem ersten Krankheitstag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorliegen. Daran regt sich Kritik – auch aus der Wirtschaft. Unternehmer Carsten Maschmeyer stößt sich an der geplanten Neuregelung. Zwar lobte er, dass die Bundesregierung unter Beweis stelle, „wohl doch handlungsfähig“ zu sein, doch das verpflichtende Attest ab dem ersten Tag halte er für „kontraproduktiv“. „Warum muss man Menschen ohne Not in übervolle Praxen zwingen?“, fragte er auf der Plattform X. „Da kommt man doch kränker raus, als man reingegangen ist.“ Letztlich handele es sich um einen bürokratischen Schritt ohne Mehrwert. Bereits mehrfach hatte sich Maschmeyer in der Vergangenheit zu Krankschreibungen geäußert und für eine Entstigmatisierung plädiert. „Zu oft wird auf Krankmeldungen mit Misstrauen, Stirnrunzeln oder vorwurfsvollen Kommentaren reagiert. Dabei ist das völlig fehl am Platz“, schrieb er etwa vergangenen Herbst auf LinkedIn (verlinkt auf https://www.linkedin.com/posts/carsten-maschmeyer_krankmeldung-erholung-share-7377228796405633024-rruK/) . „Das einzig richtige Verhalten ist, Verständnis zeigen und Genesungswünsche aussprechen.“ Auch zur Debatte über die Einführung eines Karenztages, die Allianz-Chef Oliver Bäte Anfang 2025 angestoßen (verlinkt auf https://www.welt.de/wirtschaft/article255044798/Allianz-Chef-will-Lohn-fuer-ersten-Krankheitstag-abschaffen-Das-ist-doch-irre.html) hatte, hatte er sich ablehnend geäußert (verlinkt auf https://www.instagram.com/p/DEjnWbZsomr/) . „Ja, die hohen Krankenstände in Deutschland sind nicht zu ignorieren“, räumte er damals ein. „Aber zu glauben, dass ein Karenztag keine sozialen Probleme auslöst, verkennt die Lebensrealität vieler Menschen.“ Insbesondere im Niedriglohnsektor könne ein unvergüteter Krankheitstag bedeuten, die Mietkosten nicht zahlen zu können. Anders als Maschmeyer positioniert sich etwa die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) positiv zu den Beschlüssen der schwarz-roten Regierung. „Die Maßnahmen gegen hohen Krankenstand gehen in die richtige Richtung. Das begrüßen wir ausdrücklich“, erklärte deren Präsident Wolf Matthias Mang. Insbesondere die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung fordere die VhU schon länger, da diese die Hürden für sogenanntes „Blaumachen“ senke.