Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Menschen: die einen, die gar kein Problem mit dem Älterwerden haben – und die anderen, die alles dafür tun, um möglichst lange möglichst jung auszusehen. Dafür ist ihnen häufig jedes Mittel recht: Nahrungsergänzungsmittel, teure Seren und Anti-Aging (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/anti-aging/) -Cremes, sogar vor Schönheitseingriffen machen sie nicht halt. Wann und wie stark du alterst, wann die ersten grauen Haare oder Falten (verlinkt auf https://www.welt.de/vergleich/antifaltencreme/) kommen, liegt zum Teil in deinen Genen, aber auch an deiner Lebensweise. Wer nun glaubt, das geschehe alles schleichend, bis man irgendwann mit Ende 60 auch äußerlich merklich alt ist, der hat sich getäuscht. Das belegen zumindest die Forschungsergebnisse von Medizinern der Universität Stanford, die im Fachjournal „ Nature Aging (verlinkt auf https://www.nature.com/articles/s43587-024-00692-2) “ veröffentlicht wurden. Zunächst interessiert uns aber brennend: Biologie des Alterns: Zwei Lebenspunkte sind entscheidend Für ihre Studie begleiteten die Mediziner insgesamt 108 Erwachsene aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Über mehrere Jahre wurden alle drei bis sechs Monate biologische Proben ausgewertet. Dadurch konnten die Forschenden bestimmte molekulare Veränderungen ablesen, die mit dem Altern (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/altersforschung/) in Verbindung gebracht werden. Dabei kamen die Forscher zu einem erstaunlichen Ergebnis. „Wir verändern uns nicht nur allmählich im Laufe der Zeit, sondern es gibt auch einige wirklich dramatische Veränderungen“, wie der an der Studie beteiligte Genetiker Michael Snyder in einer Pressemitteilung (verlinkt auf https://med.stanford.edu/news/all-news/2024/08/massive-biomolecular-shifts-occur-in-our-40s-and-60s--stanford-m.html) erklärt. Zwei Lebenspunkte sind demnach besonders entscheidend: jener bei 44 Jahren und der bei etwa 60 Jahren. In diesem Alter erlebten die meisten Studienteilnehmer die größten Sprünge im Hinblick auf das Altern – und zwar unabhängig vom Geschlecht. So stieg beispielsweise das Risiko von Alzheimer und Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht allmählich mit dem Alter, sondern beschleunigt sich ab bestimmten Punkten, etwa ab 60 Jahren bei Alzheimer. Um das nachzuweisen, untersuchten die Forscher verschiedene Biomarker in den Zellen und identifizierten zusammenhängende Veränderungen etwa bei RNA, Proteinen, Lipiden sowie in Mikrobiom-Proben aus Darm, Haut, Nase und dem Mund. Insgesamt betrachteten die Forscher 135.239 biologische Merkmale. Älter werden: Das passiert mit deinem Körper Die Teilnehmer reichten über einen Zeitraum von 626 Tagen durchschnittlich 47 Proben ein. Diese Fülle an Daten ergab mehr als 246 Milliarden Datenpunkte, die die Forscher anschließend auswerteten. Etwa 81 Prozent aller untersuchten Moleküle zeigten Veränderungen während einer oder beider Phasen. Die Veränderungen erreichten ihren Höhepunkt mit Mitte 40 (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/midlife-crisis/) und erneut zu Beginn der 60er-Jahre, wobei sich die Profile leicht unterschieden. Mit etwa 44 Jahren verändert sich vor allem der Stoffwechsel. Lipide, also Fette, sowie Koffein und Alkohol (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/alkohol/) werden vom Körper nicht mehr so effizient verarbeitet. Das geht mit einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Funktionsstörungen von Haut und Muskeln einher. Die Haut wird schlaffer und faltiger, Muskeln lassen sich langsamer aufbauen. Mit Anfang 60 kommen weitere Probleme hinzu. Der Stoffwechsel von Kohlenhydraten und Koffein verändert sich erneut, Herz-Kreislauf-Erkrankungen treten häufiger auf, Haut und Muskeln verändern sich weiter, auch das Immunsystem und die Nierenfunktion verschlechtern sich. Ursachen für körperliche Veränderungen nicht abschließend geklärt Die Veränderungen in den Biomarkern, die von den Forschern identifiziert wurden, decken sich mit einem fundamentalen Umbruch im Leben einer Frau. Mit Mitte 40 beginnt bei den meisten Frauen die Menopause oder Perimenopause (verlinkt auf https://www.welt.de/gesundheit/article68f5dd519c193ceaa4c4dcde/hitzewallungen-wut-schlaflosigkeit-wann-hormone-wirklich-helfen-und-wann-nicht.html) . Allerdings ist das nicht der alleinige Auslöser, da auch Männer im gleichen Alter signifikante molekulare Veränderungen durchmachen. Welche geschlechtsunabhängigen Faktoren für diese Alterungsprozesse verantwortlich sind, soll Gegenstand weiterer Forschung sein. Zugleich weisen die Forscher darauf hin, dass ihre Stichprobengröße relativ klein ist und nur eine begrenzte Anzahl biologischer Proben von Menschen im Alter zwischen 25 und 70 Jahren untersucht wurde. Zukünftige Studien könnten sich eingehender mit diesem Phänomen befassen und es detaillierter sowie an einem breiteren Spektrum von Probanden untersuchen, um besser zu verstehen, wie sich der menschliche Körper im Laufe der Zeit verändert. Neben biologischen Ursachen schließen die Forscher auch nicht aus, dass veränderte Lebensweisen (verlinkt auf https://www.welt.de/gesundheit/article698ee2980abe5c8b74ecdff7/longevity-so-viele-jahre-bringt-gesunde-ernaehrung-wirklich.html) zu dem Phänomen beitragen. Das Altern bleibt also nach wie vor ein Rätsel – wie gehst du mit dem Älterwerden um? Teile deine Meinung gerne in den Kommentaren. Sabine Winkler berichtet als freie Autorin für WELT regelmäßig über Familienthemen, Reisen und Popkultur. Zweimal im Monat erscheint montags ihr Newsletter „ Läuft bei uns – der Familien-Newsletter (verlinkt auf https://steady.page/de/laeuft-bei-uns-der-familien-newsletter/newsletter/sign_up#) “ , in dem sie über ihr Leben als Mutter schreibt.