Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat am Montag in Emden den Bau eines zweiten Hafens an der Nordsee für die Deutsche Marine angekündigt. „Emden wird wieder Standort der Deutschen Marine“, sagte Pistorius am Montagmittag. Es sei wichtig, dass die Marine neben Wilhelmshaven einen zweiten Stützpunkt an der Nordsee bekomme. Das mache die Marine flexibler und agiler: „Damit sind wir im Ernstfall schwerer ausrechenbar und erhöhen unsere operativen Möglichkeiten. Darauf kommt es letztlich an.“ Die Deutsche Marine ist mit rund 16.000 Menschen derzeit die kleinste in der Geschichte der Bundeswehr – obwohl sie gleichzeitig die größten und umfangreichsten Aufgaben erfüllen müsse, sagte Pistorius: „Die Marine wächst auf. Neue Schiffe und Boote brauchen Liegeplätze. Unsere Soldatinnen und Soldaten – Unterkünfte und Ausbildungsgebäude. Daher brauchen wir einen neuen Marinehafen. Und den wollen wir in Emden bauen“, sagte Pistorius. „Die Marine hat intensiv geprüft, Emden bietet ideale Voraussetzungen. Etwa der schnelle Zugang zum Atlantik und dem Hohen Norden. Es sind noch dicke Bretter zu bohren. Einen neuen Marinestützpunkt gibt es nicht im Baumarkt. Wasserbau, Verkehrsanbindungen, die Kaserne – dafür müssen wir jetzt schnell die Weichen stellen“, sagte Pistorius. Langfristig könnten dem Minister zufolge bis zu 2000 Dienstposten in Emden entstehen. Der neue Marinehafen soll möglichst bis zum Beginn der 2030er-Jahre fertiggestellt sein. Es gehe um eine „Milliardeninvestition“. Olaf Lies (SPD), Ministerpräsident von Niedersachsen, sagte: „Wir haben immer wieder betont, dass wir Emden im Wettbewerb der Standorte für einen ausgezeichnet geeigneten Ort für einen neuen Marinehafen halten. Nicht nur die geografische Lage und die verfügbaren Flächen sprechen für Emden, auch die große maritime Tradition in der Stadt.“ Der Oberbürgermeister von Emden, Tim Kruithoff (parteilos), sagte: „Das ist ein großer Tag für Emden. Ein Marinestützpunkt ist eine außergewöhnliche Chance für unsere Stadt – für unseren Hafen, für Arbeitsplätze und für die wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Region. Nach Monaten intensiver gemeinsamer Arbeit steht für uns fest: Emden ist bereit. Jetzt geht es an die Umsetzung.“ Der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) begrüßte die Ankündigung am Montag: „Die Entscheidung für Emden ist ein starkes Signal: Die Zeitenwende erreicht zunehmend auch unsere Hafeninfrastruktur. Wer Deutschland als militärische Drehscheibe Europas stärken will, braucht leistungsfähige, resiliente und entsprechend ausgestattete Seehäfen“, sagte der ZDS-Hauptgeschäftsführer Florian Keisinger. „Der neue Marinehafen in Emden ist deshalb weit mehr als eine wichtige Standortentscheidung. Er ist eine Investition in die Sicherheit unseres Landes und unsere Handlungsfähigkeit innerhalb der Nato.“ Am Wochenende hatte Verteidigungsminister Pistorius Bremerhaven besucht. Dort hatten sich der Bund, das Land Bremen und der Hafenlogistik-Konzern BLG Logistics auf den Aufbau eines sogenannten Deployment Hubs verständigt. Bremerhaven ist bereits seit Jahrzehnten ein maritimes Drehkreuz der US-Armee und der Nato. Für die militärische Ertüchtigung des Standorts sind Bundesmittel in Höhe von 1,35 Milliarden Euro vorgesehen. „Emden und Bremerhaven zeigen, dass die Bundesregierung die gesamtstaatliche Bedeutung unserer Seehäfen zunehmend anerkennt und daraus konkrete Konsequenzen zieht“, sagte Keisinger. „Das ist ausdrücklich zu begrüßen. Entscheidend ist nun, die militärische Zeitenwende konsequent auf weitere Hafenstandorte an Nord- und Ostsee zu übertragen.“ Verteidigungsfähigkeit brauche nicht nur „eine leistungsfähige Bundeswehr, sondern ebenso eine leistungsfähige zivile Infrastruktur“, sagte Keisinger. „Die Modernisierung und der Schutz unserer Seehäfen sind eine nationale Aufgabe, bei der auch der Bund dauerhaft Verantwortung übernehmen muss.“ Der Schwerpunkt der deutschen Marinestützpunkte liegt in der Ostsee. In Rostock sitzt das Marinekommando, das Hauptquartier der Seestreitkräfte. Die Korvetten der Deutschen Marine liegen im Hafen Hohe Düne bei Rostock-Warnemünde, die U-Boote in Eckernförde. In Kiel haben neben dem Schulschiff „Gorch Fock“ unter anderem die deutschen Minenjagdboote und die kleineren Versorgungsschiffe – die „Tender“ – ihren Heimathafen. Flensburg beherbergt die Marineschule Mürwik. In Neustadt an der Ostsee sitzt zudem das Einsatzausbildungszentrum der Deutschen Marine. Wilhelmshaven wiederum ist die Basis für die Fregatten, die größten Kampfschiffe der Deutschen Marine, und für die großen Versorgungsschiffe, die sogenannten Einsatzgruppenversorger. Eigene Werften – in der Organisationseinheit des Marinearsenals – betreibt die Deutsche Marine in Wilhelmshaven, in Rostock-Warnemünde und in Kiel. Olaf Preuß ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG für Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet seit mehr als 30 Jahren über die maritime Wirtschaft, über Schifffahrt, Häfen und Werften, und seit vielen Jahren auch über die Deutsche Marine und die Marinerüstung.