Ökonomen haben zuletzt ihre Prognosen für das deutsche Wirtschaftswachstum erhöht. Doch bei Konsumenten ist die bessere Konjunkturlage offenbar noch nicht angekommen. Laut einer Umfrage hat sich die Stimmung unter den deutschen Verbrauchern wenige Wochen vor dem beginnenden Weihnachtsgeschäft eingetrübt.
Das Barometer für das Konsumklima sank im Oktober um 1,19 Punkte auf 93,51 Zähler, wie der Handelsverband Deutschland (HDE) zu seiner Umfrage unter 1600 Verbrauchern mitteilte. Es liegt damit auch deutlich unter dem Niveau des Vorjahresmonats.
»Eine Belebung des privaten Konsums zeigt sich aktuell nicht – trotz der Verbesserung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung«, lautet das Fazit des HDE. »Damit trüben sich auch die Erwartungen für das Weihnachtsgeschäft etwas ein.« Am Jahresende fahren viele Geschäfte einen großen Teil ihres Umsatzes ein.
Verbraucher gehen von weniger Einkommen aus
Vor allem weil viele Verbraucher größere Anschaffungen eher aufschieben, trüben sich die Aussichten ein. Der aktuelle Wert liegt deutlich unter dem Vorjahreswert. Auch die Einkommenserwartungen haben sich spürbar verschlechtert. »Immerhin positiv ist der Blick auf die Sparneigung«, hieß es. Die Befragten planen demnach für die kommenden Wochen, ihre Sparneigung nicht weiter zu erhöhen.
Als Abonnentin oder Abonnent von SPIEGEL+ haben Sie die Möglichkeit, manager+ zum Vorteilspreis dazuzubuchen. Darin enthalten sind alle Inhalte von manager magazin+ und Harvard Business manager+. Damit ist es das ideale Abo für alle, die tiefe Einblicke in die deutsche Wirtschaft, die Chefetagen großer Unternehmen und in die spannendsten Start-ups suchen. Jetzt flexibel upgraden: Sichern Sie sich manager+ für nur 2 Euro pro Woche!
Auch die Konjunkturerwartungen sind im Vergleich zum Vormonat zurückgegangen – und das, obwohl führende Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr auf 1,3 Prozent mehr als verdoppelt haben.
Die Verbraucher gehen allerdings von einem Rückgang ihres verfügbaren Einkommens aus. »Die zuletzt gestiegenen Energiepreise sowie die hohen Spritpreise belasten die Konsumenten und hemmen die Konsumstimmung«, betonte der HDE. Die Verbraucher erwarten zudem eine steigende Inflationsrate.
Vor allem die hohen Spritpreise haben die Inflation in Deutschland im September auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren getrieben. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich um 3,3 Prozent zum Vorjahresmonat, nach 2,9 Prozent im August.
Auch in Teilen der Industrie gibt es nicht wirklich Aufbruchsstimmung. So hat sich die Stimmung in der deutschen Automobilindustrie im September stark eingetrübt. Das Barometer für das Geschäftsklima fiel auf minus 35,0 Punkte, von minus 22,0 Zählern im August, wie das Münchner Ifo-Institut mitteilte. Die Unternehmen bewerteten ihre Geschäftslage so schlecht wie noch nie in diesem Jahr.
Die Aussichten für die kommenden Monate waren schon im August drastisch gesunken und verharrten nun auf tiefem Niveau. »Die Automobilindustrie steckt weiterhin in der Krise«, sagte Ifo-Branchenexpertin Anita Wölfl.
Ein Grund für die Schwäche der Autobranche ist die wachsende Konkurrenz aus China, etwa bei Elektrofahrzeugen. In anderen Industriezweigen wie der Elektro- und der Chemieindustrie dagegen hat sich die Stimmung zuletzt merklich aufgehellt.
Maschinenbau vermisst Dynamik für dauerhaften Aufschwung
Einen Dämpfer gab es allerdings auch für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau. Dort ist der Auftragseingang im August gesunken. Die Bestellungen gingen im Vergleich zum Vorjahr um real fünf Prozent zurück, wie der Branchenverband VDMA mitteilte.
-
2 Min
Die Nachfrage aus dem Inland schrumpfte um zwei Prozent. Aus dem Ausland wurden insgesamt sechs Prozent weniger Orders verbucht. Der Rückgang aus den Euro-Partnerländern war mit zehn Prozent doppelt so hoch wie der aus den Nicht-Euro-Ländern mit fünf Prozent. VDMA-Chefvolkswirt Johannes Gernandt sprach von einem »leichten Dämpfer« nach zuvor zwei Monaten mit Wachstum.
Für die ersten acht Monate des Jahres 2026 verzeichnete die deutsche Schlüsselbranche zwar ein Auftragsplus von vier Prozent. Dies basiere jedoch auf einem schwachen Vorjahr und zwei Monaten mit vielen Großaufträgen, erklärte Gernandt. Es fehle weiterhin an einer neuen Investitionsdynamik für einen dauerhaften Aufschwung.
