SpOn 13.09.2026
11:46 Uhr

Ukraine: Russland greift wichtigen Grenzübergang nach Polen an


Seit dem Sommer attackiert Russland gezielt ukrainische Grenzposten Richtung Westen. Nun traf es einen Übergang nach Polen. Nach SPIEGEL-Informationen war auch einer der engsten Berater von Kanzler Merz betroffen.

Ukraine: Russland greift wichtigen Grenzübergang nach Polen an

Yahodyn-Dorohusk ist einer der wichtigsten Grenzübergänge für die Ukraine. Hier passieren jeden Tag unzählige Lastwagen die Außengrenze der EU: Viele Waren werden so in die Ukraine transportiert, und viele Exporte des Landes nach Westen gebracht.

Nun hat ein russischer Drohnenangriff den Grenzübergang an der ukrainisch-polnischen Grenze getroffen, wie der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha am Sonntag mitteilte. Aufnahmen in den sozialen Netzwerken zeigten brennende Lastwagen. Laut ukrainischen Medien  wurde eine Tankstelle getroffen. Angaben über mögliche Opfer lagen bislang nicht vor. Das polnische Militär bestätigte den Angriff auf X.

Archivbild der polnischen Seite des Grenzübergangs Yahodyn-Dorohusk

Archivbild der polnischen Seite des Grenzübergangs Yahodyn-Dorohusk

Foto: Attila Husejnow / ZUMA Press / picture alliance

Gezielte Schläge gegen Grenzverbindungen

Die Attacke ist die Fortsetzung einer neuen russischen Angriffsstrategie. Seit dem Sommer greift Moskau immer wieder gezielt ukrainische Grenzübergänge Richtung Westen an. Diese liegen zwar weit entfernt von der eigentlichen Front, gelten aber für das wirtschaftliche Überleben der Ukraine als wichtig. Innerhalb der vergangenen Wochen wurden so mehrere Übergänge zu den Nachbarländern Moldau und Rumänien angegriffen.

Damit sollen Kyjiw überlebenswichtige Logistikrouten in den Westen gestört werden. Vorsätzliche Angriffe auf zivile Infrastruktur gelten völkerrechtlich als Kriegsverbrechen. Russland setzt solche Angriffe bereits seit Langem gezielt ein, zunächst gegen ukrainische Kraftwerke, inzwischen auch gegen ukrainische Warenlager. Auf der anderen Seite hat die Ukraine in diesem Jahr ihrerseits begonnen, Warenlager des russischen Onlinehändlers Wildberries gezielt zu zerstören.

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Deutscher Topbeamter betroffen

Von russischen Abgriffen war nach SPIEGEL-Informationen auch einer der engsten Berater von Bundeskanzler Friedrich Merz betroffen. Günter Sautter, außen- und sicherheitspolitischer Berater im Kanzleramt, war in der Nacht von Samstag auf Sonntag mit einem Nachtzug von Kyjiw in Richtung Polen unterwegs. Gegen fünf Uhr morgens stoppte der privat gecharterte Zug unweit der polnischen Grenze, wegen der Drohneneinschläge in der Grenzregion wurden Teile des Zugs evakuiert.

Grenzübergang Yahodyn-Dorohusk: Ziel eines russischen Drohnenangriffs

Grenzübergang Yahodyn-Dorohusk: Ziel eines russischen Drohnenangriffs

Foto: Sylwester Uchanski / REUTERS

Hintergrund der Sicherheitsmaßnahme war ein Vorfall auf der gleichen Bahnstrecke. Dort wurde, ebenfalls am frühen Morgen, nahe der polnischen Grenze, die Linien-Verbindung von Kyjiw nach Warschau von einer Drohne angegriffen. Nach Angaben des Betreibers wurde dabei die Lokomotive des Zugs getroffen, verletzt wurde niemand.

Sautter hatte in der ukrainischen Hauptstadt gemeinsam mit den Sicherheitsberatern aus Großbritannien, Frankreich und Italien und mit der Regierung von Präsident Wolodymyr Selenskyj über mögliche Friedensverhandlungen mit Russland beraten. Am Samstag besuchte er die internationale Sicherheitskonferenz YES, die im Bunker eines Luxushotels stattfand.

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Neben Sautter waren Sicherheitsberater anderer europäischer Regierungen, Bundestagsabgeordnete, Diplomaten und Wissenschaftler an Bord des Zugs. Auch der frühere britische Premierminister Boris Johnson reiste nach der Konferenz mit dem Sonderzug zurück nach Polen. Alle kamen mit einem Schrecken davon: Kurz nachdem der Zug wegen des Drohnenalarms gestoppt hatte und die Schaffner die Fahrgäste für die Evakuierung aufgeweckt hatten, gab es Entwarnung, da keine weiteren Drohnen entdeckt wurden.

An Bord des Sonderzugs saß auch Robin Wagener, der für die Grünen im
Bundestag sitzt. Der Abgeordnete zeigte sich nach den Attacken schockiert. »Diese Drohnenangriffe sind blinder Terror gegen ukrainische Zivilisten und eine gefährliche Eskalation in Putins Krieg«, sagte Wagener dem SPIEGEL. Der Parlamentarier wertet die Angriffe als Provokation gegen die Unterstützer der Ukraine. »Russland wird immer skrupelloser und zündelt direkt an der Grenze zur Europäischen Union und Nato, wir müssen diesem Terror endlich klare Grenzen setzen«, forderte Wagner.

Die ukrainische Bahn warf Russland systematische Angriffe auf das Eisenbahnnetz vor. Wegen landesweiter Attacken seien das Überwachungszentrum und das gesamte Personal der ukrainischen Bahn »in höchster Alarmbereitschaft«, teilte die staatliche Betreibergesellschaft mit. Sie warnte vor möglichen Evakuierungen und Verspätungen von Zügen sowie Umleitungen in der zentralukrainischen Region Dnipro.

»Russische Barbaren stehen vor eurem Tor«

Auf der polnischen Seite der Grenze sorgte der Drohnenangriff für Alarm-Stimmung. In der Grenzregion heulten am frühen Morgen Warn-Sirenen. Die polnische Luftwaffe ließ Kampfjets aufsteigen. Befürchtet wurde, einige der Drohnen könnten in den polnischen Luftraum eindringen.

Mit der russischen Kampagne gegen Grenzposten rückt der Krieg noch direkter in unmittelbare Nähe von Staaten der Europäischen Union (EU). »Russlands barbarische Angriffe auf den ukrainisch-polnischen Grenzübergang in Yahodyn sind nicht nur eine Fortsetzung seiner Angriffe auf unsere Staatsgrenzen«, erklärte der ukrainische Außenminister Sybiha. Es handele sich um »Putins Terror, der direkt an die Türen der EU und der Nato klopft. Russische Barbaren stehen vor eurem Tor, liebe Partner«, fügte er hinzu.

beb/mgb/Reuters