SpOn 12.08.2026
12:20 Uhr

Übergewicht: Jedes zehnte Kind ist laut RKI-Studie beim Schulstart übergewichtig


Nur noch wenige Kinder erfüllen die von der WHO empfohlene Bewegungszeit pro Tag. Die Zahlen zum Übergewicht seien laut der Präsidentin der Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin »erschreckend«.

Übergewicht: Jedes zehnte Kind ist laut RKI-Studie beim Schulstart übergewichtig

Falsche Ernährung und fehlende Bewegung: Eine Studie des Robert Koch-Instituts (RKI)  zeigt, dass jedes zehnte Vorschulkind übergewichtig ist. Die Studie basiert auf mehr als vier Millionen Daten aus bundesweiten Schuleingangsuntersuchungen, bei denen die Kinder kognitiv, sozial und auch körperlich untersucht werden.

Bei der Mehrheit der fünf- bis siebenjährigen Kinder lagen die Werte der bereits im Juli veröffentlichten Studie im grünen Bereich. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass über einen Zeitraum von 20 Jahren im Schnitt etwa jedes zehnte untersuchte Kind übergewichtig war, rund vier Prozent adipös.

»Die Zahlen sind erschreckend«, sagt die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), Ursula Felderhoff-Müser. Während beim Übergewicht Jungen und Mädchen etwa gleich stark betroffen sind, gibt es bei der Fettleibigkeit eine etwas höhere Quote bei Jungen. Bei Jugendlichen steigt die Übergewichtsquote auf nahezu 20 Prozent an.

Pandemie als Faktor

Das größte Problem sieht Felderhoff-Müser in der fehlenden Bewegung. Kinder würden sich gern bewegen, oft mangele es aber an Angeboten. Hier müssten und könnten laut Felderhoff-Müser Kitas und Schulen ansetzen, etwa durch eine bessere Kooperation mit Sportvereinen. Erhebungen zufolge erfüllten weniger als 15 Prozent der Grundschulkinder die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von einer Stunde Bewegung am Tag.

Kinderarzt Jakob Maske sieht in der Pandemie auch einen Grund für den Anstieg des Übergewichts bei Kindern. Ihnen hätte die Bewegung in der Schule und zu Hause gefehlt, teils auch das Schulessen als einzige gesunde Mahlzeit, sagte Maske, der auch Sprecher des Bundesverbands Kinder- und Jugendärzte ist.

Stattdessen sei deutlich mehr Zeit vor dem Bildschirm verbracht worden. Für Maske müssen daher schon Kitakinder über gesundes Essen und gesundes Trinken aufgeklärt werden. An Schulen sollte es seines Erachtens ein Schulfach »Gesundheitskompetenz« geben. Sei der Body-Mass-Index (BMI) bei Kindern erst mal zu hoch, sei es sehr schwierig, ihn wieder zu senken. »Kinder müssen in der Wachstumsphase nicht unbedingt Gewicht reduzieren, sondern vorrangig ihr Gewicht halten«, sagte Maske.

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Übergewicht und Fettleibigkeit können langfristige Folgen haben. Sie können chronische Erkrankungen befördern, etwa Diabetes oder Bluthochdruck. Zugleich betont Kinderarzt Maske, dass starkes Übergewicht auch krankhaft bedingt sein kann. Nicht immer liege es am Essen und sei darüber in den Griff zu bekommen. »Wir schauen daher bei übergewichtigen Kindern auch, ob etwa eine Unterfunktion der Schilddrüse oder eine Fettstoffwechselstörung vorliegt.«

Viele Kinder und Jugendliche essen hochverarbeitete Lebensmittel. Laut dem Uno-Kinderhilfswerk Unicef führt das gleichzeitig zu Übergewicht und Mangelernährung. Lesen Sie hier weiter.

akb/KNA