Donald Trump, US-Präsident:
»Er ist ein Experte für Stein, neben vielen anderen Dingen, und er liebt guten Granit!«
Mit diesem Kompliment von seinem angeblichen guten Freund hat der chinesische Machthaber wohl nicht gerechnet. Und bei Xi Jinpings erstem Besuch im Weißen Haus seit über zehn Jahren hat sein Gastgeber richtig aufgefahren.
Britta Kollenbroich, SPIEGEL:
»Welchen Stellenwert das für Donald Trump hat, hat sich schon am ersten Abend gezeigt, als er extra gemeinsam mit seiner Ehefrau zum Militärflughafen rausgeflogen ist, um Xi Jinping und dessen Ehefrau dort persönlich nach deren Landung zu begrüßen. Normalerweise ist es so, dass die Staatsgäste dort landen, der Präsident aber hier im Weißen Haus bleibt und die Gäste dann später hier in Empfang nimmt. Diese Begrüßungszeremonie hat natürlich auch stattgefunden: mit Militärshow, mit Überflug von Kampfjets. Und wir haben einen gelösten, gut gelaunten Donald Trump hier erlebt, der mit Xi Jinping gescherzt hat, der ihn im Garten herumgeführt hat, ihm sein neues Helipad gezeigt hat.
Für Donald Trump dürfte dahinter die Idee stehen, dass dieses Treffen nur eines von vielen Treffen ist und, dass er davon profitiert, wenn er eine bessere, intensivere Beziehung zum chinesischen Präsidenten aufbaut. Umso weniger dürfte Donald Trump gefallen haben, dass es hier im Weißen Haus zeitweise gar nicht so sehr um den Staatsbesuch ging, sondern vielmehr um die Frage: Wird es Fernsehbilder davon geben?
Während nämlich auf der einen Seite des Weißen Hauses, auf dem Südrasen die Begrüßungszeremonie stattfand, sind hier auf der Nordseite etliche Journalistinnen und Journalisten von CNN, »Politico« und MS Now nicht auf das Gelände gekommen, obwohl in der Nacht ein Richter entschieden hatte, dass das Weiße Haus den Journalistinnen und Journalisten wieder den Zugang gewähren muss. Und aus Solidarität haben die anderen großen Fernsehsender deshalb weiterhin darauf verzichtet, hier Bilder von dem Staatsbesuch zu übertragen.«
Ganz anders hingegen in Peking, meint unser Korrespondent:
Bernhard Zand, SPIEGEL:
»Hier in China haben sicher viel mehr Menschen die Bilder von diesem Gipfel in Washington gesehen als in den USA. Weil China in solchen Fällen ohnehin immer 360 Grad berichtet, sozusagen auf allen Kanälen, auf allen Frequenzen, auf allen Websites. China dagegen hat auch genau die Bilder bekommen, die sich die chinesische Führung sicher gewünscht hat. Bilder, die letztlich symbolisieren China und die USA, Xi Jinping und Donald Trump sind auf einer Ebene.«
Aber, was bleibt nach dieser ganzen Show?
Bernhard Zand, SPIEGEL:
»Es hat keinen nennenswerten Durchbruch bislang gegeben, weder bei den wichtigen Handels- und Wirtschaftsfragen, noch in der Taiwanfrage, noch in der Frage der künstlichen Intelligenz.«
Immerhin: Zwei weitere Treffen in diesem Jahr zwischen Trump und Xi liegen im Bereich des Möglichen.