SpOn 11.08.2026
03:06 Uhr

Trump will weniger Kinderimpfungen empfehlen


Donald Trump baut die US-Impfpolitik für Kinder um – mit einer bemerkenswerten historischen Begründung. Zudem spricht er erneut vom möglichen Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus.

Trump will weniger Kinderimpfungen empfehlen

US-Präsident Donald Trump verstärkt sein Vorgehen gegen Impfungen: Er unterzeichnete am Montag im Weißen Haus ein Dekret mit neuen Impfempfehlungen für Kinder. Darin wird unter anderem dazu aufgerufen, den Abstand zwischen verabreichten Impfungen zu vergrößern. Im Gegensatz zum Stand der medizinischen Forschung suggerierte Trump bei der Präsentation seines Dekrets zudem erneut mehrmals einen Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus.

Mit der neuen Anordnung erkenne die US-Regierung nur noch Impfungen gegen elf Krankheiten als zentrale Empfehlungen für alle Kinder an, so der US-Präsident. Immunisierungen etwa gegen Hepatitis B, Covid-19 und Grippe sollten demnach nicht mehr pauschal für alle Kinder empfohlen werden.

Eltern könnten sich aber weiterhin für sämtliche Impfungen entscheiden, betonte Trump bei der Unterzeichnung der Anordnung im Weißen Haus. Die Impfungen sollten nach Angaben der Regierung auch weiterhin von Versicherungen übernommen werden.

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Der US-Präsident sprach vor Journalisten von Injektionen »in der Größe einer Limonadenflasche«, die Kindern in den USA verabreicht würden. Wie genau er auf diesen Vergleich kam, führte er nicht aus. Trump forderte zudem, den kombinierten MMR-Impfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln künftig möglichst in drei einzelne Impfungen aufzuteilen und diese zu unterschiedlichen Zeitpunkten zu verabreichen.

Zusammen könnten die Impfstoffe möglicherweise »ziemlich tödlich« sein, sagte Trump. Auf die Frage eines Journalisten, ob es dafür Belege gebe, antwortete er: »Nein.« Er habe aber von Menschen gehört, die dies behaupteten.

Für einen besonderen Nutzen einer Aufteilung des MMR-Impfstoffs gibt es nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC keine wissenschaftlichen Belege. Einzelimpfstoffe gegen Masern, Mumps und Röteln sind in den USA derzeit nicht verfügbar. Gesundheitsexperten warnen, dass zusätzliche Arzttermine dazu führen könnten, dass Kinder länger ungeschützt bleiben oder spätere Impfungen ausfallen.

»Vor Jahrzehnten erhielten Kinder nur einen Bruchteil der heute geforderten Impfungen«, führte Trump im Oval Office aus. »Damals waren die Menschen weitaus gesünder, und natürlich gab es die hohe Autismus-Rate nicht, die wir heute beobachten«, fügte er hinzu. Überhaupt kam der Präsident bei der Vorstellung der neuen Impfempfehlungen mehrmals auf Autismus zu sprechen. Er schränkte allerdings zugleich ein: »Wir wissen nicht«, wodurch dieser ausgelöst werde.

Mehr zum Thema

Die Weltgesundheitsorganisation kommt nach wiederholter Auswertung zahlreicher Studien zu dem Schluss, dass es keinen Beleg dafür gibt, dass Impfungen Autismus verursachen. Auch ein Zusammenhang zwischen der MMR-Impfung und Autismus wurde in großen Studien nicht gefunden.

In den USA ist seit geraumer Zeit eine steigende Impfskepsis zu beobachten – befeuert auch durch Aussagen des amtierenden Gesundheitsministers Robert F. Kennedy . Fachleute warnen vor einer Rückkehr potenziell tödlicher Krankheiten, die als weitgehend ausgerottet galten. In diesem Jahr sind die Masern-Infektionen auf den höchsten Stand seit 35 Jahren gestiegen.

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Die Gesundheitsbehörde CDC teilte Ende Juli mit, dass 2026 bislang 2318 Fälle ​registriert worden seien. Im gesamten Vorjahr waren es 2289 gewesen. Es handele sich um die höchste Zahl seit dem Zeitraum von 1989 bis 1991, als ‌mehr als 55.000 Infektionen und 123 Todesfälle verzeichnet wurden.

Experten führen den Anstieg auf sinkende Impfquoten zurück. Die durchschnittliche Abdeckung bei Kindergartenkindern sank im vergangenen Jahr auf 92,5 Prozent und liegt damit unter der für die sogenannte Herdenimmunität erforderlichen Schwelle von 95 Prozent. ‌In 16 Bundesstaaten fiel die Quote auf unter 90 Prozent.

Die US-Seuchenschutzbehörde schürt unbegründete Ängste vor Impfungen im Kindesalter. Dabei gelten Impfungen als eine der größten Errungenschaften der Medizin .

hda/AFP/dpa/Reuters