Das Bauwerk im Sauerland bewies ungeahnte Steherqualitäten: Mit 160 Kilogramm Sprengstoff sollte am Sonntag eine marode Brücke der Autobahn 45 zum Einsturz gebracht werden. Als sich der Staub gelegt hatte, zeigte sich: Der erste Versuch war nur teilweise gelungen, vier der zwölf Stützen und ein Teil der Platte standen noch. Erst ein weiterer Sprengversuch brachte die Reste zu Boden – erhebliche Verspätung eingepreist.
Die Brücke ist nicht das erste Bauwerk, das den Plänen der Sprengmeister trotzte. Ein schiefer Turm, 450 Kilo Dynamit und eine Tragödie – hier ist der Überblick zu missglückten Sprengungen.
Der schiefe Turm von Dallas
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Das ursprüngliche Bauwerk ist nicht annähernd so interessant wie das, was von ihm übrig bleibt: Ein simples elfstöckiges Bürogebäude aus Beton steht in Dallas einem geplanten neuen Viertel mit Büros, Geschäften und Restaurants im Weg. Bei der Sprengung am 16. Februar 2020 kollabiert der größte Teil des Gebäudes – der Kern bleibt aber einfach stehen. Mehr noch: Er neigt sich zur Seite, fällt aber nicht.
Auf Fotos ist die Ähnlichkeit der Ruine mit dem schiefen Turm von Pisa frappierend. Und tatsächlich ist Dallas nun um eine Attraktion reicher: Menschen reisen an, um sich wie andere Leute in Pisa in der »Ich stütze den Turm«-Pose fotografieren zu lassen. Bis zum 3. März geht das so, dann gelingt es der Abrissfirma schließlich, auch den Gebäudekern noch zum Einsturz zu bringen.
Ein Bild, wie man es von Touristen aus Pisa kennt: Eine Frau posiert vor den Gebäuderesten in Dallas
Foto:Gao Lu / Xinhua / IMAGO
Ein Turm fällt in die falsche Richtung
Als die Sprengladungen an dem mehr als 50 Meter hohen Silo explodieren, kann man die Zuschauer noch jubeln hören. Doch dann wird es still: Das Bauwerk im dänischen Vordingborg, so sieht es im Video tatsächlich aus, scheint sich einen Moment hinzusetzen – und entscheidet sich dann dafür, einfach in die nicht vorgesehene Richtung zu kippen. Verletzte gibt es bei dem Vorfall im April 2018 nicht, aber am Gebäude eines Kulturzentrums entsteht erheblicher Schaden.
Eine Party wird zur Katastrophe
Furchtbare Fehlkalkulation: Die Sprengung des Royal Canberra Hospital geriet zum tödlichen Desaster
Foto:The Sydney Morning Herald / Fairfax Media / Getty Images
Es ist von Anfang an ein Politikum: Als das Royal Canberra Hospital am 27. November 1991 schließt, gibt es großen Protest – viele Einwohner der australischen Hauptstadt sind in dem traditionsreichen Krankenhaus zur Welt gekommen. Nach ein paar Jahren der Unklarheit beschließt die Stadtverwaltung schließlich: An die Stelle des nun baufälligen Gebäudes auf einer Halbinsel soll ein Nationalmuseum kommen. Und für diesen Neuanfang möchte man einen symbolischen Schritt gehen: Die Sprengung des Krankenhausgebäudes soll ein Fest werden.
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So kommt es, dass am 13. Juli 1997 mehr als 100.000 Menschen versammelt sind . Es ist die größte Menschenmenge der Geschichte der Stadt, jeder dritte Einwohner ist vor Ort. Doch die Fachleute haben sich verkalkuliert: Statt wie geplant in sich zusammenzusacken, fliegt das Gebäude buchstäblich auseinander. Zahlreiche Trümmerteile fliegen umher, erreichen auch einen zuvor als sicher ausgewiesenen Aussichtspunkt. Ein zwölfjähriges Mädchen stirbt, neun weitere Personen werden verletzt.
Dieses Kraftwerk will nicht einstürzen
Am 2. April 2023 fehlt nicht viel, dass es auch in Deutschland zu einer vergleichbaren Katastrophe kommt: Bei der Sprengung von Teilen eines ausrangierten Kohlekraftwerks in Kiel fliegt ein sechs Kilogramm schweres Metallteil mehr als einen Kilometer durch die Luft – und schlägt in einem Einfamilienhaus ein, dessen Bewohner zu Hause sind. Doch zum Glück kommt in diesem Fall niemand zu Schaden, die Abbrucharbeiten werden unterbrochen.
Als der Abriss im Juli wieder aufgenommen wird, heißt das aber nicht, dass die Dinge nach Plan laufen: Das Kesselhaus will einfach nicht in sich zusammenfallen, erst im dritten Versuch gelingt die Sprengung komplett.
Hier bewegt sich gar nichts
Wenn ein Bauwerk nach einem Abrissversuch genauso aussieht wie vorher, dann ist klar: Das ist nicht so gelaufen wie geplant. Dabei hatten sich die Ingenieure für die Skisprungschanze im thüringischen Brotterode eigentlich etwas ganz Besonderes überlegt: Statt durch Sprengstoff soll der ausrangierte Anlaufturm im Juni 2025 durch Hitze zum Einsturz gebracht werden. Strom soll dafür sorgen, dass sich die stählernen Masten auf 650 bis 700 Grad erwärmen. Aber sie werden nicht mal halb so heiß – und diese Temperaturen übersteht die Konstruktion problemlos. Zahlreiche Schaulustige im Stadion warten, ohne dass etwas passiert. Immerhin das könnten manche im Publikum vom Skispringen ja schon kennen.
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Ein paar Tage später fällt der Turm dann doch. Details zum zweiten Anlauf werden nicht bekannt gegeben.
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Hier sprengt das FBI noch selbst
»Bewegen oder kippen Sie diese Bombe nicht, da der Mechanismus, der die Zünder in ihr steuert, sie bei einer Bewegung von weniger als 0,01 auf der offenen Ricter-Skala (sic) auslösen wird.« Die Sprache des beigefügten Zettels ist etwas verquer, die Drohung unmissverständlich : Hier hat jemand Sprengstoff in das Harvey’s Hotel in Nevada geschmuggelt. Drei Männer hatten sich Zutritt verschafft, indem sie vorgaben, einen Kopierer auszuliefern. Nun fordern sie von dem zum Resort gehörigen Casino drei Millionen Dollar Lösegeld. Von eben jenem Casino, in dem der Kopf der Bande zuvor auf ganz legalem Weg 750.000 Dollar verspielt hat.
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Zu einer Lösegeldübergabe kommt es allerdings nicht, das FBI entscheidet sich stattdessen dafür, die raffinierte Bombe mit 450 Kilogramm Dynamit in Eigenregie zu entschärfen. Beziehungsweise: es zu versuchen – und zwar ferngesteuert. Über die Zündung eines eigenen Sprengsatzes an der richtigen Stelle könnte möglicherweise die eigentliche Bombe deaktiviert werden, so der Plan. Er misslingt, stattdessen fliegt das ganze Gebäude in die Luft.
Immerhin gibt es keine Verletzten, das Hotel ist schon lange evakuiert. Der Haupttäter wird später gefasst und zu lebenslanger Haft verurteilt. Seine beiden Söhne kommen als Komplizen mit Bewährungsstrafen davon. Manchmal kann eine Sprengung eben auch klappen, ohne dass man sie überhaupt vorhatte.
