SpOn 07.08.2026
12:27 Uhr

Sonnenfinsternis in Spanien: Licht aus - und die Urlauber kommen


Noch nicht einmal für zwei Minuten wird es in Spanien dunkel, doch für das Himmelspektakel reisen Fans aus der ganzen Welt an. Die Region Kastilien und Léon hofft auf nachhaltige Faszination.

Sonnenfinsternis in Spanien: Licht aus - und die Urlauber kommen

Wenn sich am Mittwochabend die Sonne am Himmel verdunkelt , wird das Restaurant von Paula Fernández ausgebucht sein. Schon seit zwei Jahren ist für die totale Sonnenfinsternis jeder Platz im Aitalas vergeben, im Dorf Sahechores in der Provinz León, rund 300 Kilometer nordwestlich von Madrid. Den Anfang machte eine 40-köpfige Reisegruppe aus Japan, die bei ihr Tische reservierte. »Wir dachten zuerst, das sei ein Scherzanruf«, erzählte die junge Gastronomin in einem Bericht des TV-Senders RTVE.

Von der bevorstehenden Sonnenfinsternis habe damals im Dorf noch kaum jemand gesprochen. Fernández betreibt auch einen Campingplatz. So viele Gäste wie in diesen Tagen habe sie dort noch nie gehabt, sagte sie. Besucher aus den Niederlanden, Dänemark, Portugal und anderen europäischen Ländern hätten Stellplätze für mehrere Tage reserviert.

Schutzbrille: Nicht ohne geeigneten Schutz direkt in die Sonne blicken

Schutzbrille: Nicht ohne geeigneten Schutz direkt in die Sonne blicken

Foto: Patrick Pleul / dpa

Der Mondschatten zieht am Abend des 12. August von Galicien über Kastilien und León, Aragón und Valencia bis zu den Balearen mit Mallorca und Ibiza. Entlang der sogenannten Totalitätszone herrscht bereits Ausnahmezustand. Hotels sind vielerorts ausgebucht, die Preise auf ein Vielfaches der üblichen Augustpreise emporgeschnellt. Privatleute bieten Dachterrassen oder Gärten mit freier Sicht auf den Abendhimmel an. Für besonders begehrte Balkone werden nach Medienberichten bis zu 700 Euro verlangt.

Nach Berechnungen des Beratungsunternehmens AFI wird das astronomische Ereignis 421 Millionen Euro zusätzliche Wirtschaftsleistung bringen, rund 327.000 Menschen werden eigens dafür anreisen, geschätzte 80 Prozent davon aus dem Ausland. Die internationalen Hotelbuchungen in kleineren Städten entlang der Finsternisroute stiegen gegenüber dem Vorjahr um 383 Prozent.

Das »leere Spanien« bietet ideale Beobachtungsorte

Gerade für Touristikbetriebe der autonomen Gemeinschaft Kastilien und León könnte sich der verdunkelte Himmel als Goldgrube erweisen. Sie gehört zum sogenannten españa vaciada, dem leeren Spanien – jenen ländlichen Gegenden im Landesinneren, die stark unter Bevölkerungsschwund leiden. Die aber jetzt mit häufig wolkenfreiem Himmel, wenig Lichtverschmutzung und freier Sicht zum westlichen Horizont als ideale Beobachtungsorte gelten.

Burgos mit Kathedrale: 40.000 Besucher werden zur Sonnenfinsternis in der 175.000-Einwohner-Stadt erwartet

Burgos mit Kathedrale: 40.000 Besucher werden zur Sonnenfinsternis in der 175.000-Einwohner-Stadt erwartet

Foto: Tono Balaguer / Depositphotos / IMAGO

Auch die Provinzhauptstädte León oder Burgos profitieren von dem Boom. Vor allem Touristen aus den USA, Südamerika und Japan werden rund um das Ereignis nach Burgos kommen, sagt die stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt, die sich »einen Schub für Tourismus und Kultur« erhofft. »Die Besucher werden nicht nur die Sonnenfinsternis sehen, sondern auch unsere wunderbare Region und werden fasziniert sein«, hofft nicht nur Restaurantbetreiberin Paula Fernández.

Vielleicht auch Besucher wie Ryan Milligan aus dem nordirischen Belfast. Der Solarphysiker gehört zur kleinen, aber wachsenden Gemeinschaft der selbst ernannten Sonnenfinsternis-Jäger, die ihre Urlaube sorgfältig rund um totale Sonnenfinsternisse planen, wie sie etwa alle ein bis zwei Jahre irgendwo auf der Erde zu erleben sind. »Eine totale Sonnenfinsternis ist nichts, was man sieht – es ist etwas, das man erlebt«, sagt er.

»Es wird kalt, das Licht und die Schatten sind alle nicht da, wo sie sonst sind«, sagt Milligan, »die Farben sind gedämpft, die Tiere gehen schlafen – all das kann man nicht durch ein Foto oder ein Video oder einen Nachrichtenartikel vermitteln«. Es sei der Adrenalinstoß, all diese Erfahrungen in wenigen Minuten zu machen, der sie buchstäblich ans Ende der Welt treibe. Die Anreise nach Spanien ist vergleichbar einfach zu organisieren.

Auch auf Mallorca wird die totale Sonnenfinsternis gefeiert. Der Höhepunkt: gegen 20.31 Uhr für eine Minute und 36 Sekunden. Ein Tisch mit Blick auf West-Nordwest ist nur noch mit viel Glück zu ergattern. Vor allem Restaurants an der Westküste und rund um die Bucht von Palma melden eine extrem hohe Nachfrage. Hotels werben mit speziellen Finsternispaketen – von Beobachtungsabenden auf Dachterrassen bis zu Menüs unter freiem Himmel mit astronomischer Begleitung.

Sonnenfinsternis-Fans könnten Waldbrände auslösen

Die spanischen Behörden bereiten sich seit Wochen auf den Besucheransturm vor. Das Wissenschaftsministerium verteilt gemeinsam mit der öffentlich-rechtlichen Blindenorganisation Once zwei Millionen zertifizierte Schutzbrillen kostenlos. Zugleich warnen die Behörden davor, ohne geeigneten Schutz direkt in die Sonne zu blicken, weil es dann zu einer dauerhaften Augenschädigung kommen kann. Die verschiedenen autonomen Gemeinschaften und Provinzen haben rund 350 offizielle und empfohlene Beobachtungsplätze ausgewiesen.

Waldbrand in Nordspanien (April): Offizielle Beobachtungspunkte dienen auch dem Brandschutz

Waldbrand in Nordspanien (April): Offizielle Beobachtungspunkte dienen auch dem Brandschutz

Foto: Elena Fernández / EUROPA PRESS / dpa

Die offiziellen Beobachtungspunkte für teilweise Tausende Besucher und ihre Fahrzeuge dienen auch dazu, die Gefahr von Waldbränden einzudämmen. Und diese Gefahr ist extrem: Zur Sonnenfinsternis herrscht höchste Alarmbereitschaft, manche Naturreservate könnten auch gesperrt werden. Zehntausende Menschen, die in knochentrockene Naturregionen pilgern, könnten unbeabsichtigt neue Brände auslösen, die sich blitzschnell ausbreiten. Für Besucher, die sich in der Region nicht gut auskennen, kann es dann schwierig werden, sich in der Dunkelheit in Sicherheit zu bringen.

Falls sich am Mittwochabend Wolken – die größten Feinde der Sonnenfinsternisbeobachter – am Himmel zeigen, haben sie in Spanien auch in den kommenden beiden Jahren noch mal die Chance. Am 2. August 2027 wird der Kernschatten einer weiteren totalen Sonnenfinsternis vom Süden des Landes aus zu sehen sein. Und am 26. Januar 2028 folgt eine ringförmige Sonnenfinsternis, die sich vom Südwesten nach Nordosten erstreckt.

abl/dpa/AFP