Europäische Geheimdienstchefs halten eine baldige russische Aktion gegen die Nato für möglich. Ein Angriff könne »in Monaten, nicht in Jahren« erfolgen, sagte der Chef des tschechischen Nachrichtendienstes BIS, Michal Koudelka, der britischen Tageszeitung »Guardian«. Denkbar seien ein begrenzter Vorstoß, Provokationen unter falscher Flagge und eine massive Einflusskampagne, sagte er.
Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk hatte vor einem möglichen Drohnen- oder Raketenangriff auf Nato-Gebiet in den kommenden Monaten gewarnt. Russland wolle womöglich beweisen, dass Artikel 5 »mehr theoretisch als praktisch« sei. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nannte die Warnungen »fundiert und gut dokumentiert«.
Der Chef des lettischen Sicherheitsdienstes VDD, Normunds Mežviets, äußerte sich zurückhaltender. »Wir sehen keine Hinweise auf einen unmittelbar bevorstehenden Angriff«, sagte er dem »Guardian«. Es gebe aber Anzeichen für Vorbereitungen Moskaus auf entschlosseneres Vorgehen in Europa. »Es ist weiterhin eine offene Frage, ob sie direkte und konkrete Pläne haben oder ob dies nur im Rahmen ihrer allgemeinen Versuche geschieht, in der westlichen Gesellschaft Angst und Unsicherheit zu verbreiten«, sagte Mežviets dem »Guardian«.
Moskaus »Verhandlungstheater«
Estlands Außenstaatssekretär Jonatan Vseviov warnte vor »Panik in den sozialen Medien«. »Wenn es Grund gibt, einen Angriff zu befürchten, können Sie versichert sein: Wir werden das deutlich machen. Bis dahin: Ruhe bewahren, weitermachen und die Ukraine unterstützen«, schrieb er auf X.
There’s been a lot of panic on social media lately about the security of the Baltic states.
— Ambassador Jonatan Vseviov (@vseviov) September 19, 2026
Take a breath.
If there is reason to fear an attack, rest assured: we will make that clear.
Until then, keep calm, carry on and support Ukraine.
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Alle drei Geheimdienstchefs rechnen damit, dass Russlands Sabotagekampagne in Europa zunehmen wird. Der schwedische Militärgeheimdienstchef Thomas Nilsson sagte dem »Guardian«, er sehe »keine Anzeichen dafür, dass Moskau ernsthaft über echte Verhandlungen nachdenkt«. Russland betreibe vielmehr »Verhandlungstheater«.
