Die »Washington Post« verglich den Abzug mit einem Schwarm aufgescheuchter Tauben . Plötzlich und offenbar überhastet haben am vergangenen Wochenende zahlreiche US-Bomber den britischen Luftwaffenstützpunkt Fairford verlassen (mehr hier). Die Frage bleibt: Was trieb sie zu dieser Eile? Aussagen aus der US-Regierung tragen nicht unbedingt zur Aufklärung bei.
So hat US-Präsident Donald Trump in dem Fall nun seinem Außenminister Marco Rubio widersprochen. Es habe Bedrohungen gegeben, sagte er in Washington vor Journalisten, ohne weitere Details zu nennen. Auf Nachfrage eines Journalisten erklärte Trump, dass die Menschen hinter der Bedrohung vermutlich in Verbindung mit Iran stünden.
»Die (Flugzeuge) sind nicht zufällig ausgeflogen. Es gab ein paar Drohungen. […] Warum sollten wir die Bomber dort lassen? Also haben wir sie ein wenig hin und her bewegt«, sagte Trump weiter.
Beitrag der BBC: Aussagen von Trump ab circa Minute 1:25
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Stunden vor dieser Aussage Trumps hatte sich US-Außenminister Rubio deutlich vorsichtiger ausgedrückt. Der Abzug stehe nicht in direktem Zusammenhang mit mutmaßlichen Terrordrohungen. »Ich würde das nicht unmittelbar mit der Entscheidung über die Verlegung in Verbindung bringen«, sagte Rubio vor Journalisten. Grundsätzlich sei die Verlegung »nichts Ungewöhnliches« (mehr dazu hier).
»Wir haben dokumentiert, was vergangene Woche passiert ist«, sagte Rubio. Die Bedrohung sei der Grund, warum sich jetzt so sehr auf die Verlegung der Flugzeuge konzentriert werde. »Aber es ist nichts Ungewöhnliches, dass Rotationen stattfinden und militärische Ressourcen in verschiedene Teile der Welt verlegt werden«, sagte er weiter. »Ich habe aber weiterhin Vertrauen in die britischen Sicherheitsvorkehrungen auf den Stützpunkten und generell.«
In seiner Stellungnahme vor dem Weißen Haus schien Trump auch nahezulegen, dass die Bomber »nicht allzu weit weg« bewegt worden seien. Das wiederum beißt sich mit den Aussagen des Pentagon. Am Sonntagabend hatte das US-Verteidigungsministerium auf Anfrage mitgeteilt, dass alle Langstreckenbomber von der Basis in die USA zurückbeordert wurden.
US-Außenminister Marco Rubio
Foto: Mark Schiefelbein / REUTERS»Wir können nun bestätigen, dass alle US-Bomber, die auf dem Stützpunkt RAF Fairford stationiert waren, wieder an ihre Heimatstützpunkte in den Vereinigten Staaten zurückgekehrt sind«, teilte ein Beamter des US-Verteidigungsministeriums mit. Warum Trump den Flug über den Atlantik als »nicht allzu weit weg« bezeichnet, wirft weitere Fragen auf.
Laut US-Medien waren neue Drohungen gegen den Militärstützpunkt der Grund für den überraschenden Abzug der US-Bomber. So gebe es Informationen über einen von Iran unterstützten Anschlag auf den Stützpunkt, berichtete die Zeitung unter Berufung auf zwei US-Beamte.
In der Nacht zum Dienstag meldeten das »Wall Street Journal« und das Nachrichtenportal »Axios«, dass Informationen über einen möglichen iranischen Drohnenangriff zu dem eiligen Abzug geführt hätten. Der geplante Angriff war demnach Teil eines vielschichtigen iranischen Komplotts mit dem Ziel, die Flugzeuge anzugreifen und Personal auf dem Stützpunkt zu töten, darunter auch US-Piloten.
Tankflugzeuge waren noch nicht startklar – da hoben die Bomber schon ab
Laut »New York Times« wurde die Notwendigkeit der Verlegung der Bomber weg von der RAF Fairford als so dringlich eingestuft, dass einige Maschinen samt Besatzungen bereits starteten, während die benötigten Tankflugzeuge erst noch für die Unterstützung über dem Atlantik vorbereitet werden mussten.
Demnach sagte ein US-Beamter, dass die Informationen zwar Teil jener Warnungen von vor drei Wochen seien. Die Lage habe sich in den vergangenen 24 Stunden allerdings aufgrund konkreter Details zugespitzt.
Ende September waren fünf Männer nahe dem Stützpunkt aufgegriffen worden. Sie werden der Vorbereitung einer terroristischen Tat verdächtigt (mehr dazu hier). Gegen sie wird auch wegen des Verdachts auf Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz ermittelt. Inzwischen sind sie unter strengen Auflagen wieder freigelassen worden. Ein sechster Verdächtiger mit iranisch-britischer Staatsbürgerschaft wurde in den folgenden Tagen ebenfalls zwischenzeitlich festgenommen und dann unter Auflagen auf freien Fuß gesetzt.
Großbritanniens Premierminister Andy Burnham bestätigte Hinweise auf eine mögliche Verbindung zu Iran. US-Außenminister Rubio hatte von einer Beteiligung eines »ausländischen Akteurs« gesprochen (hier mehr dazu).
