SpOn 11.10.2026
14:30 Uhr

Philippe Sands: Friedenspreisträger kritisiert deutsches Schweigen zu Israel


In seiner Dankesrede zum Friedenspreis des Deutschen Buchhandels fordert der Jurist Philippe Sands eine offene Debatte über mögliche Völkerrechtsverbrechen im Gazastreifen. Kritik müsse möglich sein, gerade bei Freunden.

Philippe Sands: Friedenspreisträger kritisiert deutsches Schweigen zu Israel

Zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse ist der französisch-britische Jurist und Autor Philippe Sands mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt worden. Er ist Professor in London und arbeitet am Internationalen Gerichtshof in Den Haag, wo er sich unter anderem dafür einsetzt, Umweltzerstörung als internationalen Straftatbestand zu etablieren. (Lesen Sie hier ein Interview mit Sands )

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels würdigte Sands im Beisein von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier als engagierten Humanisten, »der trotz wachsender Widerstände unermüdlich für Menschenrechte eintritt und um Gerechtigkeit und Verständigung ringt«, wie es in der Begründung des Stiftungsrats heißt. Sands setze sich »für Gerechtigkeit, Frieden und die beharrliche Verteidigung des Völkerrechts ein«.

Kritik an der Bundesregierung: »Deutschland kennt sich aus mit ›ethnischer Säuberung‹«

In seiner Dankesrede warf Preisträger Sands der deutschen Bundesregierung am Sonntag in der Frankfurter Paulskirche unanständiges Schweigen zum Vorgehen Israels im Gazastreifen und gegen Palästinenser vor. Deutschland habe in der Vergangenheit viele Gräuel angeprangert und sei aktiv geworden: »Doch zu Israel, zum Gazastreifen und zum Westjordanland ist das deutsche Schweigen bis heute laut«, sagte er.

Sands verwies auf das Beispiel anderer Staaten wie Großbritannien und Frankreich, die anders als Deutschland Palästina als Staat anerkannt haben. Der britische Außenminister habe Israels Handlung in den besetzten Gebieten auch als »ethnische Säuberung« bezeichnet, sagte Sands. Mit Blick auf die deutschen Verbrechen an Juden im Nationalsozialismus sagte der neue Friedenspreisträger weiter, »Deutschland kennt sich aus mit ethnischer Säuberung. Warum also das Schweigen?«

Es könne schwierig sein, die Wahrheit zu sagen. Aber auch für Kritik an Israel müsse gelten: »Es ist nicht antisemitisch, es ist nicht Anti-Israel, es ist die Wahrheit.« Eine nicht rassistische Staatsräson für Deutschland, 80 Jahre nach den Nürnberger Prozessen, müsse doch wohl das Schweigen über Völkerstraftaten brechen, wo auch immer sie geschehen. »Auch wenn es Freunde sind, vor allem wenn es Freunde sind.«

Der Jurist und Schriftsteller nannte dabei seiner Meinung nach in Deutschland existierende »Debattenbeschränkungen« zum Vorgehen Israels »beunruhigend«.

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Die Auszeichnung des Friedenspreises ist mit 25.000 Euro dotiert. Gewürdigt werden damit Persönlichkeiten, die in Literatur, Wissenschaft oder Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen haben. Einer der bekanntesten Preisträger der vergangenen Jahre war der Autor Salman Rushdie. Der Börsenverein vergibt den Preis seit 1950.

sug/dpa/AFP