Die Niedrigwasserlage am Rhein spitzt sich auch zu Herbstbeginn weiter zu. An vielen Orten sind die Pegelwerte zuletzt in den leicht negativen Bereich gerutscht. Die Marke lag zuletzt bei -29 Zentimetern in Worms und Emmerich, bei -15 Zentimetern in Oberwinter, bei -6 Zentimetern in Düsseldorf und bei -3 Zentimetern in Koblenz, wie aus Daten der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes hervorgeht.
Auch der Pegel an der für Binnenschiffer besonders heiklen Engstelle Kaub am Mittelrhein war in den vergangenen Tagen leicht in den negativen Bereich gerutscht. In Köln wurde am Montag ein rekordtiefer Pegelstand von 40 Zentimetern gemessen. Ein negativer Pegel heißt nicht, dass überhaupt kein Wasser mehr im Rhein ist, da die Fahrrinne vielerorts tiefer ist.
Die Binnenschifffahrt trifft der anhaltende Wassermangel dennoch hart. Bei Düsseldorf hatte sich diese Woche ein mit Kleintransportern beladenes Frachtschiff im Hafen festgefahren. Wie der Westdeutsche Rundfunk berichtet, wurden einige Transporter abgeladen, um für mehr Tiefgang zu sorgen. Inzwischen sei das Schiff wieder frei.
Zahlreiche Schiffe können wegen des Wasserstands gar nicht mehr fahren, für andere ist der Fluss in einen Nord- und Südteil geteilt. Kurzfristig bleibt den Reedern nur, auf anhaltenden Regen besonders in Süddeutschland zu hoffen.
Evonik setzt auf Schiene, Straße – und Fernleitungen
Das anhaltende Niedrigwasser betrifft auch die Industrie entlang des Rheins. Insbesondere Chemiewerke sind auf ihn zur Anlieferung von Rohstoffen und zum Abtransport produzierter Güter angewiesen, viele von ihnen siedelten sich eigens wegen des Flusses hier an.
»Die Transportmengen der Schiffe müssen reduziert werden«, teilte ein Sprecher des Chemiekonzerns Evonik auf Anfrage mit. »Das hat Auswirkungen auf die Produktion von Evonik im Chemiepark Marl, in Antwerpen und in Wesseling sowie auf andere Unternehmen, die Vorprodukte an Evonik liefern.« Auch BASF und Lanxess hatten in den vergangenen Wochen bereits von Problemen berichtet .
Die Logistik- und Versorgungsketten stünden vor großen Herausforderungen, heißt es von Evonik. Ein Teil der Transporte könne auf Schiene und Straße verlagert werden, zudem nutze das Unternehmen Fernleitungen. »Grundsätzlich sorgen wir vor, soweit Liefervereinbarungen das zulassen, etwa durch Lagerbestände von Rohstoffen.«
Neben der Chemieindustrie leiden vor allem die Wirtschaftszweige unter dem Niedrigwasser, die großvolumige und schwere Güter oder große Mengen benötigen: Stahl, Treibstoff, Schüttgüter oder Erze werden regelmäßig per Schiff transportiert, aber auch Betreiber von Fähren und Ausflugsschiffen mussten bereits kräftige Einbußen hinnehmen .
Auch wenn fast alle Bundesländer wegen des Niedrigwassers inzwischen vorübergehend das Sonntagsfahrverbot für Lkw gelockert haben, können die ausbleibenden Transporte auf dem Wasser nur zu einem äußerst geringen Teil aufgefangen werden.
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Lesen Sie dazu hier ein Interview mit dem IW-Ökonomen Thomas Puls: »Statt vier Mann Besatzung auf einem Binnenschiff müssten mehr als hundert Lkw-Fahrer bezahlt werden .«
