1. Nächstes Ziel: Kuba?
Der Krieg gegen Iran gerät aus dem Ruder, doch US-Präsident Donald Trump hat schon ein anderes Land im Visier: Offensichtlich steht Trump wegen der israelischen Schläge gegen iranische Öldepots (hier mehr zum Thema ) sowie der galoppierenden Ölpreise derart unter Druck, dass er seinen außenpolitischen Fokus jetzt auf Kuba lenkt. Oder soll man besser sagen: ablenkt? Laut »Washington Post« und NBC News prüft eine US-Arbeitsgruppe derzeit Strafverfahren gegen kubanische Regierungsvertreter – ähnlich wie zuvor gegen Venezuelas Präsident Nicolás Maduro. Trump erklärte, Außenminister Marco Rubio sei mit dem Thema befasst; es könne eine »freundliche Übernahme« werden oder auch nicht. Kuba sei wirtschaftlich am Boden, sagte er und prognostizierte gegenüber CNN, das Land werde »bald fallen« (hier die ganze Meldung).
Zuvor hat Trump den seit zehn Tagen andauernden Irankrieg für »so gut wie beendet« erklärt, ohne konkrete Angaben über ein mögliches Ende der Kampfhandlungen zu machen. Israel, das den Krieg gemeinsam mit den USA begann, hat widersprochen. Premier Benjamin Netanyahu gab sich martialisch: Man sei mit Iran »noch nicht fertig«, der Führung in Teheran werde man »mit den bisherigen Maßnahmen die Knochen brechen« (hier mehr dazu).
Seit dem US-Angriff auf Venezuela Anfang Januar und der Übernahme der dortigen Ölindustrie blockiert Washington venezolanische Öllieferungen nach Kuba. Das Karibikland, das ein Drittel seines Ölbedarfs aus Venezuela bezog, erlebt durch das Embargo die schwerste Versorgungskrise seit Jahrzehnten. Stromausfälle und Produktionsstillstände sind die Folge, internationale Hilfen wurden nötig. In der Bevölkerung wächst die Furcht vor einer militärischen Intervention. Beobachter sehen in Trumps Strategie das Ziel, die kubanische Regierung wirtschaftlich in die Knie zu zwingen, statt militärisch anzugreifen.
Das haben die USA über Jahrzehnte mit vielen Sanktionen auch mit Iran versucht – mit bekanntem Ergebnis.
Lesen Sie hier mehr: Trump droht Kuba erneut
2. Eine Vorständin entgleist
Ist der Ruf erst ruiniert, lästert sich's ganz ungeniert: Von Karin Dohm, Finanzvorständin bei der Deutschen Bahn, erzählen sich Mitarbeiter, wie sie mit ihrem Auto vor dem Berliner Bahntower vorgefahren sein soll und die Schlüssel angeblich am Empfang abgab, um das Auto parken zu lassen. Karin Dohm, Finanzchefin der Deutschen Bahn, ist etwas mehr als ein Vierteljahr bei dem Konzern. Doch es ist davon auszugehen, dass sie es keine weiteren drei Monate schafft.
Der Vorstand inklusive Vorstandschefin Evelyn Palla warnt in einem Brandbrief an den Aufsichtsrat, dass die schwerwiegenden Differenzen zwischen Dohm, dem restlichen Vorstand und der Belegschaft die Handlungsfähigkeit des Konzerns beeinträchtigen und das Unternehmen ernsthaft schädigen könnten. Der gesamte Bahn-Vorstand spricht von einem »nachhaltig, tiefgreifend und unwiederbringlich« gestörten Vertrauensverhältnis zu Dohm und fordert ihre Abberufung.
Es geht um massive Vorwürfe zu Führungsstil und Zusammenarbeit, wodurch das Vertrauen im Bahn-Vorstand und mit Teilen der Belegschaft als zerstört gilt. Auch mit der einflussreichen Gewerkschaft EVG hat es sich Dohm gleich zu Beginn ihrer Amtszeit verscherzt, sagt mein Kollege David Böcking, der für den SPIEGEL über die Bahn berichtet.
Dohm galt als Hoffnungsträgerin, sie sollte die immensen Schulden des Konzerns abbauen. Palla setzte auf das »CEO-Prinzip«: Die Geschäftsführer der Bahn-Töchter sollten für ihre Bereiche selbst die volle Verantwortung tragen, damit der »Strudel der Zuständigkeiten« ende, wie es im Aufsichtsrat hieß.
Trotz ihrer möglicherweise kurzen Amtszeit als Finanzvorständin der Deutschen Bahn hat Dohm Anspruch auf eine hohe Abfindung. Diese dürfte nach SPIEGEL-Informationen bis zu zwei volle Jahresgehälter betragen. Auch eine Art, sich ein finanzielles Polster zuzulegen.
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Medienbericht: Bahn-Vorstand verlangt Abberufung von Finanzchefin Dohm
3. Kulturstaatsgeknister
Die für 2026 geplante Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises fällt aus. Wie ein Sprecher des Kulturstaatsministers Wolfram Weimer erklärte, überlagere die Debatte über den Ausschluss dreier von der Jury nominierter Buchhandlungen den ursprünglichen Zweck der Veranstaltung. Eine würdige Ehrung der Preisträgerinnen und Preisträger sei so nicht mehr möglich.
Weimer hatte die linken Buchläden »Schwankende Weltkugel« (Berlin), »The Golden Shop« (Bremen) und »Rote Straße« (Göttingen) ausgeschlossen – teils frühere Preisträger. Zur Begründung verwies das Ministerium auf »verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse«, die im Rahmen des sogenannten Haber-Verfahrens abgefragt worden seien. Das erlaubt Behörden zu erfahren, ob Erkenntnisse beim Verfassungsschutz vorliegen, nicht jedoch deren Inhalt. Der Ausschluss löste breite Kritik aus.
Der Rechtsanwalt Johannes Prigge sieht darin einen gefährlichen Präzedenzfall, der Meinungsfreiheit und Kulturschaffende einschüchtern könnte, und will das sogenannte Haber-Verfahren juristisch überprüfen lassen.
Trotz Absage der Preisverleihung sollen die prämierten Buchhandlungen Preisgeld und Urkunden auf direktem Weg erhalten; die Hauptpreisträger werden separat bekannt gegeben. Erst kürzlich geriet Weimer in die Kritik, weil er die Chefin der »Berlinale« absetzen wollte, dann doch damit scheiterte. Von Weimer stammt der Satz: »Lasst uns die Kultur in ihrer Weite, die Debatte in ihrer Breite fördern und stärken – und Kultur eher als einen Ermöglichungsraum sehen als eine Verbotszone.«
Stimmt. Aber für Weimer wohl nur, wenn es die »richtige« Kultur ist.
Was heute sonst noch wichtig ist
Merz warnt Israel vor »Annexionsschritten« im Westjordanland: Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich kritisch über den israelischen Siedlungsbau im Westjordanland geäußert. Die aktuell diskutierten Schritte seien ein Fehler, der eine Zweistaatenlösung erschweren würde.
Von der Leyen bezeichnet Abkehr von Atomkraft als strategischen Fehler: Die EU möchte die Entwicklung von Mini-Atomkraftwerken vorantreiben. Europa soll laut Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen an der »weltweiten Renaissance der Kernenergie« teilhaben und innovative Projekte fördern.
Biontech-Gründer verlassen Unternehmen und wollen neu gründen: Die Entwicklung eines Coronaimpfstoffs machte sie weltberühmt, nun wollen Uğur Şahin und Özlem Türeci mit einer neuen Firma den nächsten mRNA-Anlauf wagen. Biontech meldet einen Milliardenverlust, die Aktie gerät unter Druck.
Epsteins »Zorro Ranch« wird durchsucht: In den Epstein-Files fällt ihr Name tausendfach, auch mit dem Tod zweier Mädchen wird sie in Verbindung gebracht: Ermittler haben mit der Durchsuchung der »Zorro Ranch« begonnen. Das Anwesen ist gewaltig.
Meine Lieblingsgeschichte: Wahlfreiheit
Unfreiwilliger Bürgermeister Knaus: »Natürlich fühle ich mich geschmeichelt«
Foto:Sebastian Beck / SZ Photo / picture alliance
Am vergangenen Wochenende wurde nicht nur ein neuer Landtag in Baden-Württemberg gewählt, sondern auch in vielen Gemeinden Bayerns neue Bürgermeisterinnen und Bürgermeister. In Philippsreut war Helmut Knaus zwölf Jahre im Amt, trat nicht mehr an – und wurde trotzdem gewählt. Meine Kollegin Katherine Rydlink hat mit dem Mann gesprochen. Es sagt, was ich sehr oft denke, gerade wenn ich immer mal wieder in meiner alten Heimat Ostdeutschland unterwegs bin: »Es wird immer geschimpft, was alles falsch läuft. Aber vorn stehen und es besser machen will niemand.«
Lesen Sie hier das ganze Interview: Helmut Knaus darüber, warum er jetzt weitermacht. Und was ihn ärgert.
Was heute weniger wichtig ist
Jim Dyson / Getty Images
Herznerz: Im Pelzmantel mit einem Bier in der Hand posierte die britische Soulsängerin Raye, 28, vor dem Pub The Nightingale in der Nightingale Lane in London, um ihr neues Album zu promoten. Am Pub hängt seit Neuestem eine blaue Plakette mit dem Text: »Raye erlebte hier den größten Herzschmerz.« Ende März erscheint ihr neues Album »This Music May Contain Hope«, gerade veröffentlichte sie daraus die Single »Nightingale Lane«.
Mini-Hohlspiegel
Von soester-anzeiger.de
Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.
Cartoon des Tages
Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.
Foto: Klaus StuttmannUnd heute Abend?
Die Bundesvorsitzenden der Alternative für Deutschland (AfD) Alice Weidel (r.) und Tino Chrupalla bei der Wahlkampfauftaktveranstaltung der AfD Rheinland-Pfalz
Foto: Harald Tittel / dpa / picture allianceKönnten Sie sich auf die nächste Landtagswahl am 22. März in Rheinland-Pfalz einstimmen. Und zwar mit einem Text meiner Kollegin Sabine Rennefanz. Sie beschreibt, warum es jahrelang ein Irrglaube war, dass der Rechtsruck ein Ostphänomen ist. In Baden-Württemberg holt die AfD 18,8 Prozent, in Rheinland-Pfalz werden der Partei ähnliche Erfolge vorausgesagt. »Schutz vor den Härten des wirtschaftlichen Wandels suchen manche Wähler eher rechts«, schreibt Sabine. »Der Osten kennt diese Erfahrung bereits. Und nun scheint – vielleicht in abgeschwächter Form – ein Teil dieser Entwicklung auch im Westen anzukommen.«
Hier die ganze Kolumne: Hätte Deutschland doch nur auf den Osten gehört
Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend. Herzlich
Ihr Janko Tietz, Ressortleiter Nachrichten



