Der andere Krieg
Wenn es darum geht, sich zu Ereignissen in fremden Ländern zu äußern, ist das russische Regime in der Regel wenig zurückhaltend. Kreml-Herrscher Wladimir Putin fühlt sich berufen, zur Migrationspolitik in Deutschland gleichermaßen Stellung zu beziehen wie zu Protesten in Georgien. Zum Krieg in Iran kommt von der Führung in Moskau hingegen auffallend wenig. Das mag daran liegen, dass Putin auch so schon enorm von dem Konflikt profitiert (mehr dazu hier ).
Brennender Frachter nach Angriff durch Iran: Der Preis für Öl ist dramatisch gestiegen
Foto: Royal Thai Navy / EPADie USA schaffen seit Wochen enorme Mengen an Kriegsgerät nach Nahost. Es ist Gerät, das der Ukraine im Zweifel im Abwehrkampf gegen Russland fehlt, insbesondere bei der Luftverteidigung. Der Preis für Öl ist in erster Linie durch die Blockade der Straße von Hormus dramatisch gestiegen, was frisches Geld in Putins Kriegskasse spült (mehr dazu hier ). Zugleich dürfte Donald Trumps Interesse, einen Kompromiss im Ukrainekrieg zu vermitteln, rapide abgenommen haben. Der US-Präsident hat gerade andere Sorgen.
Wenn der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj an diesem Freitag seinen französischen Amtskollegen Emmanuel Macron trifft, dann wohl auch, um die Weltgemeinschaft an das Schicksal seines Landes zu erinnern. Denn während Trump am Golf einen Krieg führt, den er weitgehend selbst gewählt hat, führen die Ukrainer weiter einen Krieg, den sie führen müssen – um zu überleben.
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Hat Donald Trump eine Exitstrategie für Iran?
Es ist nicht so, dass Donald Trump nicht gewarnt gewesen wäre. US-Geheimdienste sollen den Präsidenten noch vor dem Angriff gegen Iran vom 28. Februar darauf hingewiesen haben, dass ein Krieg sehr wahrscheinlich nicht zu einem Machtwechsel in Teheran führen würde. So berichtet es unter anderem die US-Nachrichtenagentur AP. Auch auf die Gefahr, dass Iran im Kriegsfall die Straße von Hormus blockieren könnte, haben Expertinnen und Experten immer wieder hingewiesen (mehr dazu hier).
US-Präsident Trump: Ausweg aus dem Krieg
Foto: Mehmet Eser / SOPA / SIPA / action pressTrump jedoch wollte davon offenbar nichts wissen. Er war allem Anschein nach überzeugt davon, Irans Regime schnell zur Kapitulation zwingen und die Führung ähnlich wie in Venezuela austauschen zu können. Nun ergeht es ihm vielmehr so wie Wladimir Putin 2022 in der Ukraine: Er steckt in einem Krieg fest, den er eigentlich innerhalb weniger Tage erfolgreich beenden wollte (mehr dazu hier ).
In Trumps Umfeld ist man erkennbar darum bemüht, dem Präsidenten einen Ausweg aus dem Krieg zu weisen, eine »off ramp«. Außenminister Marco Rubio fasste die Kriegsziele der USA sehr viel enger, als sein Chef es zuletzt immer wieder getan hatte: Es gehe darum, das iranische Raketenprogramm zu zerstören und die Marine auszuschalten, sagte er. Wenn dem so ist, wäre die US-Mission tatsächlich mehr oder weniger erfüllt. Die Frage ist, ob Trump das genauso sieht.
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Deutschlands Platz in der Welt
Vor knapp zwei Monaten hat Kanadas Ministerpräsident Mark Carney auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos die Züge einer neuen Weltordnung skizziert. Die USA, so Carney, seien unter Trump nicht länger Garant einer regelbasierten Ordnung. Mittelmächte wie Kanada oder Deutschland müssten neue Allianzen schmieden. Carneys Rede hat seit Januar nicht an Gültigkeit verloren, eher im Gegenteil (mehr dazu hier ).
Politiker Merz (l.) und Trump im Oval Office: Zeichen der Stärke
Foto:Jonathan Ernst / REUTERS
Bundeskanzler Friedrich Merz teilt Carneys Thesen. Auch ihm ist anzumerken, wie sehr er nach einem Platz für sich und für Deutschland in dieser neuen Ordnung sucht (mehr dazu hier ). Sein Besuch in Norwegen an diesem Freitag ist wohl auch vor diesem Hintergrund zu verstehen. Merz und der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Støre wollen bei der Weltraumüberwachung enger zusammenarbeiten, um eines Tages nicht mehr auf Daten von US-Satelliten angewiesen zu sein. Am Nachmittag kommt Carney dazu, die drei Regierungschefs schauen sich dann eine Nato-Übung an.
Das Großmanöver »Cold Response« soll ein Zeichen der Stärke gegenüber dem Regime in Moskau sein, analysiert meine Kollegin Marina Kormbaki. »Es ist aber auch eine Botschaft an Washington: Die Nato ist imstande, arktisches Gebiet wie etwa Grönland zu verteidigen.« Merz, Støre und Carney möchten Trumps Behauptung widerlegen, wonach nur die USA die Sicherheit der Insel garantieren können.
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