Die Gießkanne mal wieder
Teils mehr als 2,45 Euro kostete am Freitag ein Liter Super E10 an Deutschlands Tankstellen. Bei Diesel waren es je nach Region sogar mehr als 2,60 Euro. Ein immer größeres Problem für alle, die aufs Auto angewiesen sind. Zumal die Kraftstoffpreise zuletzt nochmals angestiegen sind und eine baldige Entspannung auf dem globalen Ölmarkt nicht absehbar ist.
Die Bundesregierung hatte den Bürgerinnen und Bürgern eine zügige Entlastung in Aussicht gestellt. Und nun ist sie tatsächlich da: Es wird wieder einen Tankrabatt geben – nach dem Vorbild der Monate Mai und Juni mit einer Entlastung von 17 Cent je Liter Benzin und Diesel. Dafür sinkt die Energiesteuer (mehr hier).
Tankstelle in Magdeburg: Bund und Ländern werden Milliarden an Steuereinnahmen entgehen
Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpaZusätzlich möchte die Regierung mit der Mineralölwirtschaft über einen Spritpreisdeckel verhandeln – nach dem Vorbild Luxemburgs oder Belgiens. Dieser Deckel soll spätestens zum 1. Januar eingeführt werden und die Preise an den Zapfsäulen ohne Kosten für den Staat senken. Dabei legt der Staat einen Höchstpreis fest, an den sich die Tankstellenbetreiber halten müssen. Der Maximalpreis kann angepasst werden, wenn die Rohölpreise steigen oder sinken.
Vor allem der Tankrabatt ist umstritten. Nicht nur, weil die Mineralölbranche ihn erfahrungsgemäß nicht vollständig weitergibt, wie mein Kollege Benedikt Müller-Arnold berichtet. Sondern auch, weil er vor allem denjenigen nützt, die häufig Auto fahren und viel Sprit verbrauchen. »Das sind tendenziell Haushalte mit höheren Einkommen«, schreibt Benedikt. »Der Tankrabatt mit der Gießkanne hat somit eine soziale Schieflage: Er entlastet auch Menschen, die gar nicht darauf angewiesen sind.«
Der Spritpreisdeckel könnte besser funktionieren, sofern der Höchstpreis richtig festgelegt wird. Das sind ausnahmsweise mal gute Aussichten für Autofahrer und Steuerzahler.
Die ganze Analyse hier: Das bringen der neue Tankrabatt und Preisdeckel – und das sind ihre Tücken .
WG gesucht für Fortgeschrittene
Gefühlt ist gerade ganz Berlin auf Wohnungssuche. Auch ich mit meiner kleinen Familie. Der Markt ist leer gefegt, eine Maklerin erzählte mir, auf manche Anzeigen gingen in kürzester Zeit 2000 Anfragen ein. Für Leute wie mich, die zu den Privilegierten gehören, ist das unerfreulich. Für andere ist es längst eine Frage der sozialen Herkunft.
Bau eines Mehrfamilienhauses in Berlin, 2026: Die Wohnungsfrage ist längst auch eine politische
Foto: Jens Kalaene / dpaBesonders betroffen sind Studierende. Meine Kollegin Franca Quecke und mein Kollege Tom Kern berichten, dass ein WG-Zimmer in Berlin inzwischen im Schnitt 650 Euro kostet. Wer nicht bei den Eltern wohnt oder deren Unterstützung hat, gerät schnell an finanzielle Grenzen. Studierende, die nicht mehr zu Hause leben, geben im Durchschnitt mehr als die Hälfte ihres verfügbaren Einkommens fürs Wohnen aus. Manche ziehen deshalb gleich in kleinere Hochschulstädte. Aber auch dort explodieren die Mieten.
Die Wohnungsfrage ist damit längst auch eine politische. Am Sonntag wird in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern gewählt. Im Wahlkampf reden alle über Wohnungsbau und bezahlbare Mieten. Hoffen wir, dass Taten folgen. Meine Wohnungssuche läuft derweil weiter. Hinweise auf eine bezahlbare Drei- bis Vierzimmerwohnung in Berlin nehme ich gern entgegen.
Die ganze Geschichte hier: WG-Zimmer gesucht: Wo es besonders teuer wird – und wo nicht
Was tat Urgroßvater Karl?
Mein Urgroßvater Karl, Jahrgang 1896, war ein konservativer Katholik. Er starb 1954. Von ihm hieß es immer, er habe seinen Beruf als Musiklehrer an den Nagel gehängt, um als Beamter nicht in die NSDAP eintreten zu müssen. 1936 wechselte er als Offizier zur Wehrmacht. Als Militär sei es einfacher gewesen, sich vor einer Mitgliedschaft in der Hitler-Partei zu drücken. So hieß es in meiner Familie.
Urgroßvater Karl am Klavier bei einem Konzert mit dem Sinfonieorchester in Charkiw, 1941: Was er persönlich tat, bleibt offen
Foto:Harald Tittel / DER SPIEGEL / picture alliance
Die »Nazi-Kartei« (hier geht es zur Suchfunktion) hat die Familienlegende über ihn widerlegt. Karl trat 1933 aus eigener Initiative in die NSDAP ein. Später führte er als Wehrmachtsoffizier Pionierkompanien im besetzten Charkiw. Vergilbte Familienfotos zeigen ihn 1941 am Klavier, bei einem Konzert mit dem Sinfonieorchester von Charkiw. Zur selben Zeit ermordeten die Deutschen dort Tausende Jüdinnen und Juden. Öffentliche Erhängungen prägten das Stadtbild.
Was Karl wusste und persönlich tat, bleibt offen. Aber seine Geschichte lässt sich nicht mehr auf die alte Legende vom unpolitischen Soldaten reduzieren. In der neuen Ausgabe von SPIEGEL GESCHICHTE mit dem Titel »Hitler und wir« erzählen wir von solchen Brüchen. Wir fragen nach Tätern, Mitläufern und dem Grund ihrer Begeisterung für Hitler. Nachfahren berichten, welche Geheimnisse sie bei der Überprüfung ihrer Familiengeschichten entdeckt haben. Das Heft ist jetzt im Handel und digital erhältlich.
Der ganze Essay hier: Warum die »Nazi-Kartei« ein Wendepunkt des Gedenkens in Deutschland ist
Hier geht’s zum aktuellen Tagesquiz
Noch mehr Rätsel wie Viererkette, Wordle und Paarsuche finden Sie bei SPIEGEL Games.
Verlierer des Tages …
Böhmermann mit Tanzorchester: Am 18. Dezember ist Schluss
Foto:Rolf Vennenbernd / picture alliance / dpa
… ist Jan Böhmermann. Das von ihm seit 2020 moderierte »ZDF Magazin Royale« wird 2027 nicht fortgesetzt. Die letzte Ausgabe ist für den 18. Dezember geplant. »Ich möchte noch mal eine andere Sendung machen«, wird Böhmermann in einer Pressemeldung des ZDF zitiert. Tatsächlich steckte das Magazin schon länger in einer Krise; Kreativität und Leichtigkeit schienen verloren gegangen zu sein. Zudem war die Show nie die superharte journalistische Investigativsendung, zu der sie verklärt wurde.
Die jüngsten Meldungen aus der Nacht
Dänemark und USA verkünden Einigung im Grönlandstreit: Donald Trump wollte die Arktisinsel annektieren – nun melden die USA, Dänemark und Grönland einen baldigen Deal. Die USA sollen demnach dauerhaft die Sicherheitskontrolle über Grönland übernehmen.
Auch Googles KI Gemini hackte Unternehmen: Passwörter erraten, in eine Datenbank einbrechen – Googles KI Gemini ist bei Tests unerlaubt in fremde Systeme eingedrungen. Der Konzern wusste davon, hielt es aber nicht für erwähnenswert.
Durchsuchung bei Mitarbeiter einer AfD-Spitzenkandidatin in Berlin: Kurz vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus rückt die Berliner Polizei bei einem AfD-Mitarbeiter an. Es geht um illegale Waffen. Die werden nicht entdeckt – dafür aber laut Medienberichten Drogen und Nazi-Devotionalien.
Heute bei SPIEGEL Extra: Sie lieben Ihre Angehörigen? Dann regeln Sie diese eine Sache
Hernandez & Sorokina / Stocksy
Ein Unfall kann jeden treffen. Wer dann nicht vorgesorgt hat, verliert die Kontrolle über das eigene Leben. Hier klärt eine Anwältin über Irrtümer, Risiken und das eine Papier auf, das jeder braucht .
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.
Ihr Felix Bohr, stellvertretender Leiter des Geschichtsressorts
