SpOn 08.08.2026
06:37 Uhr

News: Folgen des Drohnen-Vorfalls, Kanzler Friedrich Merz und die Hitze, Männerproblem der Linken


Der Kanzler hält sich nach dem Drohnenvorfall von Leipzig im Hintergrund. Die Hitze kehrt zurück. Und: Die Linke hat im Osten ein Männerproblem. Das ist die Lage am Samstagmorgen.

News: Folgen des Drohnen-Vorfalls, Kanzler Friedrich Merz und die Hitze, Männerproblem der Linken

Der Kanzler schaltet sich ein – aber nur hinter den Kulissen

Wenn ein Politiker seinen Urlaub unterbricht, dann hat das eine hohe Symbolkraft. Daheim ist etwas Dramatisches passiert, meine Anwesenheit ist absolut unerlässlich, keine Zeit für Erholung – das ist die Botschaft.

Kanzler Merz, Innenminister Dobrindt: »Neue Gefahrenqualität«

Kanzler Merz, Innenminister Dobrindt: »Neue Gefahrenqualität«

Foto: Hannibal Hanschke / EPA

Als in dieser Woche auf dem Leipziger Flughafen eine mit einem Sprengsatz bestückte Drohne entdeckt wurde, reiste Innenminister Alexander Dobrindt umgehend aus Italien zum Tatort, sprach dort von einer »neuen Gefahrenqualität«, einem »hybriden Anschlagsszenario« und »fremden Mächten«, die womöglich dahintersteckten.

Das wiederum klang so bedrohlich, dass man auf die Idee kommen könnte, dass eine noch höhere Instanz ihren Urlaub abbrechen müsste: der Kanzler. Bisher ist davon nicht die Rede – gut möglich, dass dies weniger mit Merz’ fehlender Bereitschaft zu tun hat als mit politischem Kalkül: Zwar weiß jeder, dass wohl am ehesten Russland hinter der versuchten Attacke steckt. Dobrindt spricht den Verdacht aber nicht offen aus. Indem sich der Kanzler vorerst nur hinter den Kulissen einschaltet, vermeidet auch er die höchste Eskalationsstufe.

Gestern berief Merz aus dem Urlaub den erst im vergangenen Jahr gegründeten Nationalen Sicherheitsrat ein. Ein folgerichtiger Schritt, der im Stillen den Ernst der Lage demonstriert. Wichtiger als markige Worte sind konkrete Konsequenzen, um Drohnenanschläge künftig besser abwehren zu können.

Was nützt ein Drohnenabwehrzentrum, wenn am Ende ein zufällig vorbeikommender Busfahrer das Fluggerät abfangen muss? Neben der bestmöglichen Technik braucht es klare Zuständigkeiten. Die Rufe nach einer Zentralisierung der Abwehr bei der Bundespolizei sind berechtigt. Deutschland darf nicht wehrlos wirken.


Die Hitze kommt zurück

Noch so ein Thema, das den Kanzler im Urlaub einholt: die Hitze. Fast 12.000 Menschen sollen in diesem Jahr schon in direktem Zusammenhang mit den extremen Temperaturen gestorben sein, schätzt das Robert Koch-Institut (mehr dazu hier). Doch Merz, so der Vorwurf, schweigt dazu.

Auf dem Trockenen: Ein Ruderanleger am Rhein bei Bonn

Auf dem Trockenen: Ein Ruderanleger am Rhein bei Bonn

Foto: Benjamin Westhoff / dpa

Nur zu gern halten ihm die Kritiker eine Aussage aus der Sommerpressekonferenz Mitte Juli vor. Angesprochen auf die Hitzewelle kurz zuvor sagte Merz da, selbstverständlich werde er, »wenn sich diese Wetterentwicklungen fortsetzen, die Lage weiter beobachten und dazu gegebenenfalls auch öffentlich etwas sagen«.

Zur Wahrheit gehört, dass Merz an anderer Stelle desselben Auftritts betonte, man tue alles, um die Menschen – besonders alte und kranke – zu schützen. Besonders empathisch aber kam das nicht rüber. In Erinnerung bleibt dieser Satz, der klingt, als gehe es um eine unschöne Wettervorhersage – nicht um die reale Klimakrise. Als müsse man nur warten: Ist eben Sommer, in ein paar Wochen ist das vorbei.

Am Wochenende sollen die Temperaturen in vielen Teilen Deutschlands wieder deutlich über die 30-Grad-Marke steigen. Die Flüsse trocknen weiter aus (mehr dazu hier ), die Brandgefahr in den Wäldern steigt (mehr dazu hier ), Natur, Mensch und Wirtschaft leiden.

Anlass für den Kanzler, öffentlich etwas zu sagen, gäbe es.


Wo der Heidi-Hype an seine Grenzen stößt

Der Osten, das Stammland der Linkspartei? Das ist schon eine ganze Weile vorbei. Immerhin hat die Wiederauferstehung der Linken auf Bundesebene auch den ostdeutschen Genossinnen und Genossen neuen Schwung gegeben. Man freut sich über neue, engagierte Mitglieder.

Heidi Reichinnek: Weiblicher Rückhalt als Erfolgsfaktor

Heidi Reichinnek: Weiblicher Rückhalt als Erfolgsfaktor

Foto: Jan Woitas / dpa

So richtig aber will der Heidi-Hype zwischen Rügen und Chemnitz nicht zünden. In Sachsen-Anhalt etwa landete man bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr trotz landesweiten Mega-Comebacks nur auf dem Niveau der Landtagswahl von 2021. Jetzt, kurz vor der nächsten Abstimmung im September, liegt die Linke in den Umfragen nur leicht darüber bei 13 Prozent.

Woran liegt’s? Einen Grund hat mein Kollege Marc Röhlig, der für uns die Linke beobachtet, in deren Männerschwäche ausgemacht. Frontfrau Heidi Reichinnek spricht mit ihrem Stil und ihrer Social-Media-Präsenz vor allem junge Frauen in urbanen Milieus an. Der weibliche Rückhalt gelte als Erfolgsfaktor, »doch jetzt könnte er ihr Probleme bereiten«, schreibt Marc. Denn wo es kaum junge, urbane Milieus gibt, da stößt das Wachstum der Partei an Grenzen.

Wolle die Linke auch im ländlich geprägten Sachsen-Anhalt erfolgreich sein, brauche sie nicht nur die Stimmen von Wählerinnen, sondern auch die vieler Wähler, analysiert Marc. Die jungen Männer aber machen ihr Kreuz gern bei der AfD. Fragt sich, ob die Linke für den verbleibenden Wahlkampf einen Plan hat, um bei Männern besser zu landen.


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Gewinner des Tages…

Matteo Hallissey: Gegen den Sonnenschirm-Wucher

Matteo Hallissey: Gegen den Sonnenschirm-Wucher

Foto: Emanuele Cremaschi / Getty Images

...ist Matteo Hallissey. Wer gelegentlich in Italien Urlaub macht, weiß: Sich mit der ganzen Familie in einem Strandbad ein paar Liegen und einen Sonnenschirm zu gönnen, ist teuer. Zwei Liegen mit Schirm kosten im Schnitt 40 Euro am Tag. Dazu kommt, dass viele Betreiber versuchen, es den Menschen so schwer wie möglich zu machen, an einen öffentlichen, kostenlosen Strandabschnitt zu gelangen.

Der junge italienische Politiker Matteo Hallissey prangert das offen und beharrlich an. Und er lässt sich dabei auch nicht von Anfeindungen und Drohungen abschrecken.


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Heute bei SPIEGEL Extra: Die Kindheit endet, sobald man versteht, dass Eltern nicht für immer bleiben

Foto: Privat

Eltern wirken lange unerschütterlich. Drei junge Erwachsene schildern, was sie fürchten und wie ein Moment alles in ihrem Leben geändert hat .

Ich wünsche Ihnen ein wunderbares Wochenende.

Herzlich
Ihr Philipp Wittrock, Autor im SPIEGEL-Hauptstadtbüro