Friedrich Merz muss sich bewähren – seine Partei erwartet eine Strategie
An diesem Wochenende will die CDU-Spitze einen politischen Scherbenhaufen zusammenkehren. In Mecklenburg-Vorpommern sind die Christdemokraten jüngst zum ersten Mal in ihrer Geschichte aus einem Landesparlament geflogen. In Sachsen-Anhalt wurde ein AfD-Mann zum Landtagspräsidenten gewählt – und niemand kann ausschließen, dass vier Stimmen auch aus dem CDU-Lager stammten. Die Seele der Partei gilt in der schwarz-roten Koalition als »wund gescheuert«, der Bundeskanzler ist unbeliebt wie selten ein Regierungschef zuvor. Und so sorgt sich der einstige Kanzlerwahlverein, ob Friedrich Merz der Richtige ist, den Niedergang seiner Volkspartei zu stoppen (mehr hier ).
CDU-Parteichef Friedrich Merz im Konrad-Adenauer-Haus
Foto: Mauersberger / IMAGODie hitzige Debatte wird weitergehen, auch heute. Gesucht wird: eine Strategie. Am Sonntag und Montag trifft sich das CDU-Präsidium zu einer außerordentlichen Klausur, die Ministerpräsidenten und Landeschefs erwarten Antworten.
Aus Merz’ Sicht ist der Dinnerredner für den Sonntagabend geschickt gewählt: Altbundespräsident Joachim Gauck hatte im SPIEGEL-Spitzengespräch vor Kurzem vor einem Rücktritt des Kanzlers gewarnt (mehr hier). Und offenbar kann Gauck Merz besser erklären als Merz sich selbst: »Der Mann will ja dem Land nicht schaden, sondern will dem Land dienen und nützen«, sagte Gauck. Die Frage ist, ob das auch alle in der CDU so sehen.
Mein Kollege Paul-Anton Krüger aus dem Hauptstadtbüro schreibt, er rechne nicht mit einer Revolte. Aber: »Am Sonntag und Montag muss sich zeigen, ob Merz die Partei noch einmal hinter sich versammeln kann.«
Mehr Hintergründe hier: Das sind die drei größten Probleme des Kanzlers
Wenn Erbinnen zu Rebellen werden
In Sachen Steuern hat die Koalition so viele Baustellen, dass ich mich frage, wie Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) einen belastbaren Haushalt verabschieden lassen will. Um Details der Einkommensteuerreform für 2027 ringen Union und SPD. Die Pläne für eine neue Zucker- und die Plastiksteuer sorgen für Ärger (mehr hier). Die künftige Höhe der Tabaksteuer hat der Bundestag noch nicht abgenickt. Und möglicherweise kommt auf die Koalition bald die nächste Steuerdebatte zu.
Am Montag und Dienstag verhandelt das Bundesverfassungsgericht über die Erbschaftsteuer und auch darüber, ob Betriebsvermögen weiterhin verschont bleiben soll. Den Mittelstand macht diese Frage nervös (mehr hier).
Millionenerbin Schwarz
Foto:Freya Najade / DER SPIEGEL
Allerdings gibt es eine Reihe junger Erbinnen, die nach Gemeinsinn rufen. Paula Schwarz zum Beispiel, Sprössling einer Pharmadynastie, sprach sich für einen eher abenteuerlichen Erbschaftsteuersatz von 100 Prozent aus.
Ihr Großvater hatte nach dem Zweiten Weltkrieg den Arzneimittelhersteller Schwarz Pharma gegründet. Dann hielt ihr Vater Anteile und saß im Aufsichtsrat. Spätestens nachdem der belgische Konzern UCB das Unternehmen 2006 für 4,4 Milliarden Euro gekauft hatte, gehörte die Familie zu den Superreichen. Sie zog in eine Villa mit 36 Zimmern, Pool, eigenem Kino und Bediensteten. Im Internet nannte Paula Schwarz das mal einen »Geldknast ohne Rechte«.
In einem lesenswerten Porträt nähern sich meine Kollegen Alexander Kühn und Alexander Preker einer Frau, die mit ihrem Reichtum hadert – und versucht, sich als Unternehmerin neu zu erfinden.
Die ganze Geschichte hier: Ihr Millionenerbe machte diese Frau unglücklich. Und wahnsinnig wütend
Sprechen Sie Gen Z und Alpha?
Um 14 Uhr wird heute verkündet, wie das Jugendwort des Jahres 2026 heißt. Gewiss ist: Dem Langenscheidt-Verlag gelingt damit der alljährliche PR-Coup, dem eigenen Unternehmen Reichweite auf Insta und einige Sekunden Präsenz in den Fernsehnachrichten zu verschaffen.
Stand des Langenscheidt-Verlages auf der Frankfurter Buchmesse 2025
Foto: Hanna Wagner / IMAGOJunge Menschen von 11 bis 20 Jahren entschieden per Onlinevoting darüber, welche Sprachfloskeln im Trend liegen. Warum das spannend ist, auch wenn man zu alt ist, um selbst mitzuwählen? Weil Jugendwörter zeigen, was die Gen Z und Gen Alpha umtreibt. Langenscheidt formuliert es so: »Sie sind Sprachkultur. Und ein bisschen Rebellion.«
Zur Wahl standen in diesem Jahr die Wörter »Crashout«, »Peak« und »Ragebait«. Wenn Sie älter als 30 sind oder sich unsicher fühlen, wie Sie das Sieger-Jugendwort 2026 anwenden, ohne cringe (Gewinnerwort 2021) rüberzukommen, dann sagen Sie einfach »das crazy« (Gewinnerwort 2025). Das passt immer. Auch wenn Sie sprachlos sind.
Oder lesen Sie sicherheitshalber hier nach: Das sind die Top drei für das Jugendwort des Jahres
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Verlierer des Tages…
IStGH-Gebäude in Den Haag
Foto: Peter Dejong / AP / dpa…ist der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag. Nur wenige Stunden nachdem seine ehemalige Richterin Navi Pillay gestern mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden war, verhängten die USA weitreichende Sanktionen gegen den IStGH. Man werde Transaktionen mit dem Gericht untersagen, Ressourcen beschneiden und seine Handlungsfähigkeit einschränken, teilte das US-Außenministerium mit. Die europäischen Verbündeten dürfen sich wieder einmal brüskiert fühlen. Der amerikanische Präsident Donald Trump hatte den Gerichtshof mehrfach beschimpft. Zuvor hatte es bereits US-Sanktionen gegen einzelne Beschäftigte und Ankläger gegeben, allerdings sind die jetzt angedrohten Maßnahmen viel schärfer. Der IStGH kündigte bereits an, die Arbeit »in allen unseren Verfahren, Ermittlungen und Strafverfolgungen fortzusetzen«. Unerschrocken. Deshalb ist er zugleich auch: Gewinner.
Die jüngsten Meldungen aus der Nacht
Trump attackiert Friedensnobelpreiskomitee und Norwegen: Würde es nach Donald Trump gehen, dann wäre er längst mit dem Friedensnobelpreis geehrt worden. Auf die jüngste Entscheidung des Nobelpreiskomitees reagierte der US-Präsident jetzt mit wüsten Beschimpfungen.
Tropischer Wirbelsturm sorgt für Stromausfälle an der US-Golfküste: »Der Sturm ist da«: Floridas Gouverneur DeSantis warnt die Bevölkerung, Meteorologen rechnen mit heftigen Regenfällen und Überschwemmungen. Auch die US-Ölindustrie muss ihre Förderung drosseln.
Katie Zacharia wird neue Sprecherin des Weißen Hauses: Die frühere Fernsehkommentatorin Katie Zacharia wird künftig für Donald Trump sprechen. Die konservative Juristin gilt als treue Unterstützerin und arbeitete bereits vorher für ihn.
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Ich wünsche Ihnen einen prächtigen Start in den Tag.
Ihre Cornelia Schmergal, Ressortleiterin Wirtschaft
