SpOn 13.03.2026
11:35 Uhr

Leipzig: Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek abgesagt


Sieben Millionen Euro Planungskosten und trotzdem kein Neubau. Kulturstaatsminister Weimer erklärt, warum die Deutsche Nationalbibliothek keinen weiteren Magazinturm bekommt – und Bücher nur noch digital archiviert werden sollen.

Leipzig: Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek abgesagt

Die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig bekommt keinen Erweiterungsbau. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer habe sich gegen die Realisierung des Vorhabens entschieden, teilte die Nationalbibliothek mit. Sie kritisierte die Absage. Die neuen Flächen würden dringend benötigt.

Der seit 2018 geplante fünfte Erweiterungsbau für die Bibliothek sollte langfristig Platz schaffen, um Bücher und andere Medien sammeln und aufbewahren zu können. Die Magazinkapazitäten in Leipzig seien nahezu erschöpft. Die Deutsche Nationalbibliothek hatte einen europaweiten Architekturwettbewerb ausgeschrieben, Anfang 2025 erhielt ein Dresdner Architekturbüro den Zuschlag.

Die Deutsche Nationalbibliothek archiviert seit 1913 sämtliche Publikationen in deutscher Sprache. Sie hat Standorte in Leipzig und Frankfurt. Täglich gehen nach ihren Angaben rund 13.100 neue Werke ein, davon 3300 in analoger und 9800 in digitaler Form. Im Jahr 2011 war der 4. Erweiterungsbau in Leipzig eröffnet worden.

Die Nationalbibliothek wies darauf hin, dass auch alternative Lösungen Geld kosten. Zudem seien bereits rund sieben Millionen Euro in die Planung des fünften Erweiterungsbaus geflossen.

Ein Sprecher des Kulturstaatsministers bestätigte, dass der Neubau vorerst nicht kommen soll. Die Planungen seien wegen der unsicheren Haushaltslage des Bundes ausgesetzt. Eine endgültige Entscheidung stehe noch aus. »Grundsätzlich strebt Staatsminister Weimer an, die Pflichtablieferung an die Deutsche Nationalbibliothek zukünftig weitestgehend digital abzubilden.«

Laut Gesetz müssen Verlage derzeit prinzipiell zwei physische Exemplare an die Bibliothek liefern. Weimer setze sich dafür ein, dass es in Zukunft nur noch ein Exemplar sein wird. Und wenn möglich, auch das ausschließlich digital. Das sei ein Beitrag zum Bürokratieabbau.

mbo/dpa