SpOn 26.09.2026
17:13 Uhr

Krieg in der Ukraine: Johann Wadephul trifft Sergej Lawrow zu Gesprächen


Seit Beginn von Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine hat es kein Gespräch der Außenminister Deutschlands und Russlands mehr gegeben. Jetzt haben sich Johann Wadephul und Sergej Lawrow in New York ausgetauscht, der Termin war aber nur kurz.

Krieg in der Ukraine: Johann Wadephul trifft Sergej Lawrow zu Gesprächen

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat sich in New York mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow getroffen. Das erste bilaterale Treffen der Außenminister der beiden Länder seit Jahren fand am Rande der Uno-Generaldebatte in einem Besprechungszimmer der russischen Seite im Uno-Gebäude statt. Das Treffen dauerte gut 20 Minuten und endete mit einem Handschlag beider Minister.

Bei dem Gespräch am Samstag habe Wadephul den russischen Außenminister aufgefordert, »den gefährlichen Weg der Eskalation gegenüber Deutschland, Europa und der Nato zu verlassen«, hieß es aus Kreisen der deutschen Delegation. Vorfälle wie der Anschlagsversuch am Leipziger Flughafen Anfang August würden »das von Russland ohnehin bereits schwer beschädigte bilaterale Verhältnis zu Deutschland weiter beeinträchtigen«, hieß es weiter.

Wadephul betonte Delegationskreisen zufolge, die Möglichkeit der Rückkehr zu einem konstruktiveren Verhältnis bestehe »jederzeit«. Dies setze jedoch die ernsthafte Bereitschaft der russischen Führung voraus, den Angriffskrieg gegen die Ukraine zu beenden. Eine solche Bereitschaft sei »bislang nicht zu erkennen.«

Weitere Details aus dem Treffen

Wie außerdem zu erfahren war, hatte der deutsche Außenminister die anhaltende, immer zielgerichtetere russische Aggression gegen die ukrainische Zivilbevölkerung verurteilt. Dieser Versuch der Druckerhöhung ändere nichts an Russlands untragbarer Lage. Jeden Monat stürben Zehntausende russische Soldaten in einem aussichtslosen Stellungskrieg, während die russische Wirtschaft immer weiter zusammenbreche, hieß es aus deutschen Delegationskreisen weiter.

Der deutsche Außenminister habe zudem klargemacht, dass die Lösung für diese Lage seit dem ersten Tag des Krieges auf der Hand liege: ein Ende der russischen Aggression, ein Rückzug russischer Truppen und ein dauerhafter Waffenstillstand. Die Ukraine habe ihre Bereitschaft zu Verhandlungen unzählige Male erklärt. Deutschland stehe bereit, um diesen Weg auch weiterhin zu unterstützen.

Außenminister Wadephul rief laut Informationen aus dem Auswärtigen Amt in dem Gespräch Russland auch dazu auf, alle Möglichkeiten zu ergreifen, zu einer Vereinbarung über Getreideexporte durch das Schwarze Meer zu gelangen. Die Zeit hierfür dränge. Angesichts der Nahrungsmittelknappheit in vielen Ländern, insbesondere im Globalen Süden, müssten alle Seiten bereit sein, sich konstruktiv einzubringen. Eine pragmatische Lösung könne den Weg für weitere konkrete Schritte ebnen.

Handschlag zwischen Lawrow und Wadephul in New York nach dem Ende des Treffens

Handschlag zwischen Lawrow und Wadephul in New York nach dem Ende des Treffens

Foto: Michael Kappeler / dpa

Doch wie kam es zu dem Termin in New York? Das Treffen zwischen Wadephul und Lawrow habe auf Wunsch der deutschen Seite unter Ausschluss der Medien stattgefunden, erklärte die russische Außenministeriumssprecherin Maria Sacharowa nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Tass. Demnach hatte Berlin das Treffen initiiert.

Wie von deutscher Seite zu hören war, war Wadephul – nachdem der russische Außenminister übermittelt durch dritte, nicht näher benannte Staaten Gesprächsbereitschaft signalisiert hatte – darauf zurückgekommen. Wadephul willigte schließlich erstmals in seiner Amtszeit in ein Treffen mit Lawrow ein.

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Es war somit das erste Treffen zwischen Chefdiplomaten aus Deutschland und Russland seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine im Jahr 2022. Zuletzt hatte die damalige Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) Lawrow im Januar 2022 getroffen, knapp einen Monat vor dem Beginn der russischen Invasion in der Ukraine.

Wadephul und Lawrow sollten am Samstag jeweils als Vertreter ihrer Länder vor die Delegierten der Uno-Vollversammlung in New York treten. Der Bundesaußenminister vertritt wie schon im Vorjahr Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Merz steht wegen des schlechten Abschneidens seiner Partei bei den Wahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin innenpolitisch unter großem Druck und war deshalb nicht nach New York gereist.

hej/sev/dpa