CDU-Politiker Jens Spahn stellte sich jahrelang gegen Leihmutterschaftsmodelle. Nun sind er und sein Ehemann Daniel Funke über diesen Weg Eltern geworden. Für diesen Widerspruch gibt es deutliche Kritik. Konsequenzen verlangt nun der erste CDU-Landesverband: In der »Bild«-Zeitung forderte der Landeschef von Mecklenburg-Vorpommern, Daniel Peters, Spahns Rücktritt.
»Jens Spahn hat als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion eine besondere Vorbildfunktion innerhalb der Union. Mit einer Leihmutterschaft in den USA hat Spahn sich in voller Absicht über in Deutschland geltendes Recht hinweggesetzt«, sagte Peters der Zeitung. »Zudem nimmt er für sich in Anspruch, als Privatperson ganz anders handeln zu können, als er als CDU-Mandatsträger abstimmt. Das geht überhaupt nicht.«
Peters, CDU-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern im Herbst, sagte in der »Bild« weiter: »Die CDU steht für Glaubwürdigkeit und Klarheit, gerade in ethisch sensiblen Fragen. Jens Spahn ist als Vorsitzender der Unionsfraktion nicht mehr tragbar und muss zurücktreten.«
Spahn hatte zuvor seine Elternschaft mithilfe einer Leihmutter in den USA bekannt gemacht. Parteiübergreifend wird er nun wegen der Diskrepanz zwischen seiner politischen Haltung und seinem privaten Handeln kritisiert.
Parteiübergreifende Kritik
Auch der Spitzenkandidat der Berliner CDU für die Wahl zum Abgeordnetenhaus, Stefan Evers, äußerte sich zur Causa. »Für mich persönlich wäre es nicht der richtige Weg«, sagte Evers dem »Tagesspiegel« . Er ist wie Spahn mit einem Mann verheiratet.
Er sehe das ethische Spannungsfeld, in dem sich dieses Thema und die Frage nach der Legalisierung der Leihmutterschaft bewegten, sagte Evers. »Es gibt jetzt eine schwierige politische Debatte.«
Grünenchef Felix Banaszak forderte Spahn im Sender Welt TV zu einer persönlichen Erklärung auf. Spahns privates Handeln stehe im Widerspruch zu seiner politischen Positionierung beim Thema Leihmutterschaft. »Die ethische Frage, die dahintersteht, die ist ja tatsächlich nicht trivial. Und es hat vermutlich Gründe, warum sich Jens Spahn in der Vergangenheit so positioniert hat, wie er das getan hat.« Diesen Widerspruch gelte es nun aufzulösen.
Spahn hat sich in der Vergangenheit gegen eine Legalisierung der Leihmutterschaft ausgesprochen. Eizellspende und Leihmutterschaft sind in Deutschland durch das Embryonenschutzgesetz verboten. Die Vermittlung von Angeboten im Ausland durch deutsche Ärzte steht ebenfalls unter Strafe.
Es ist ein heikles ethisches Thema: Wer kinderlos ist, aber Geld hat, kann durch Leihmutterschaft im Ausland ein Kind bekommen. Unionsfraktionschef Spahn hat es getan. Ob er seine Meinung zur Rechtslage in Deutschland geändert hat, lesen Sie hier.
