SpOn 15.10.2026
07:36 Uhr

Jemen: Kliniken melden bis zu 700 Verletzte pro Woche im Kampfgebiet


Es fehlt an Narkosemitteln, Sauerstoff und Medikamenten: Die ohnehin vom Krieg versehrten Jemeniten leiden massiv unter dem Konflikt zwischen den Huthis und Saudi-Arabien. Und in der Großstadt Taizz werden die Mehlvorräte knapp.

Jemen: Kliniken melden bis zu 700 Verletzte pro Woche im Kampfgebiet

Die schweren Kämpfe im Jemen führen laut dem Roten Kreuz zu katastrophalen Zuständen in den Krankenhäusern des bereits von Kriegen und ​Krisen gezeichneten Landes. Die Zahl der Verletzten sei zuletzt drastisch gestiegen, teilt das Internationale Rote Kreuz (ICRC) mit. ‌Manche Kliniken in Kampfgebieten müssten so viele durch Waffengewalt verletzte Menschen aufnehmen wie noch nie zuvor – mitunter mehr als 700 pro Woche. Das Personal in den Notaufnahmen stehe unter enormem Druck, erklärte ICRC-Gesundheitskoordinator Feras Abusamra. Nur ein kleiner Teil der noch funktionierenden Einrichtungen im Jemen könne überhaupt Schwerverletzte versorgen. Es fehle ​an chirurgischem Material, Narkosemitteln, Sauerstoff und Medikamenten.

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Das Gesundheitssystem im Jemen sei durch mehr als ein Jahrzehnt Krieg, Wirtschaftskrise, ⁠Vertreibung und Krankheitsausbrüche ⁠bereits geschwächt, warnte das Rote Kreuz. Das System wäre bei einer weiteren Eskalation der Kämpfe kaum in der Lage, einen erneuten starken Anstieg der Opferzahlen zu bewältigen. Im Jemen ‌kämpfen von Iran unterstützte Huthis gegen Regierungstruppen, die wiederum Saudi-Arabien hinter ​sich wissen. Für ‌Schlagzeilen sorgten zuletzt vor allem Angriffe der Huthis auf Ziele in Saudi-Arabien, darunter auf den internationalen Flughafen in der Hauptstadt Riad.

Doch die Kämpfe blockieren auch dringend benötigte Nothilfe für 800.000 Menschen in der Stadt Taizz und anderen Konfliktgebieten, wie das Uno-Welternährungsprogramm (WFP) mitteilte. ‌Taizz ist die drittgrößte Stadt des Landes und nimmt derzeit die meisten Flüchtlinge auf. Einige Bezirke seien wegen der Kämpfe unzugänglich, so das WFP. Die ‌Mehlvorräte seien fast erschöpft, bald drohe man ​auf den Märkten nichts mehr zu ‌essen zu bekommen. »Dies ist eine Situation, die sich schnell zu ‌einer humanitären Katastrophe ​ausweiten kann, wenn die Hilfe nicht sicher transportiert wird und die Bedürftigsten erreicht«, sagte der WFP-Länderdirektor für den Jemen. Laut der Uno-Organisation für Migration ⁠sind seit dem Wiederaufflammen der Kämpfe mehr ​als ​200.000 Menschen im Jemen vertrieben worden.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieser Meldung hieß es in der Überschrift, manche Kliniken müssten pro Tag 700 Verletzte aufnehmen. Diese Zahl ist falsch, wir haben es korrigiert.

dop/Reuters