SpOn 12.03.2026
13:44 Uhr

Iran: Hackergruppe Handala bekennt sich zu Cyberangriffen auf zwei US-Konzerne


Eine digitale Attacke legt den US-Medizintechnikkonzern Stryker lahm, eine Hackergruppe spricht von Vergeltung für die Bombardierung einer iranischen Schule. Die betroffenen Firmen bestreiten aber großen Schaden.

Iran: Hackergruppe Handala bekennt sich zu Cyberangriffen auf zwei US-Konzerne

Die Hackergruppe Handala hat sich zu Cyberangriffen auf die US-Unternehmen Stryker und Verifone bekannt. Die Gruppe bezeichnete den Cyberangriff auf den Medizintechnikkonzern Stryker am Mittwoch im Onlinedienst X als Vergeltungsschlag für den »brutalen Angriff« auf eine iranische Grundschule in Minab mit womöglich mehr als 150 Toten am 28. Februar, dem ersten Tag der US-israelischen Attacken gegen Iran.

Tausende Mitarbeiter von Stryker stellten am Mittwoch fest, dass ihre Mobiltelefone und Laptops aufgrund eines massiven Cyberangriffs plötzlich nicht mehr funktionierten, berichtete das »Wall Street Journal«. Der Medizintechnikhersteller wies seine rund 56.000 Mitarbeiter am Mittwoch an, sich von allen Netzwerken zu trennen und die vom Unternehmen ausgegebenen Geräte nicht einzuschalten. Die Aktien des in Michigan ansässigen Unternehmens fielen um vier Prozent, nachdem das »Wall Street Journal« erstmals über den Angriff berichtet hatte.

200.000 Systeme und Server in 79 Ländern

Auf der Plattform X bekannte sich Handala zu dem Angriff und begründete den Schritt mit den Verbindungen zwischen Stryker und dem US-verbündeten Israel. 2019 hatte der Konzern ein israelisches Unternehmen übernommen. Stryker ist nach eigenen Angaben weltweit einer der führenden Anbieter von Medizintechnologie, die unter anderem in Krankenhäusern zum Einsatz kommt. Das Unternehmen stellt eine Vielzahl von Medizinprodukten her, von künstlichen Gelenken, robotergestützten Chirurgiesystemen bis zu Krankenhausbetten. Im Jahr 2025 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von mehr als 25 Milliarden US-Dollar.

Die Hackergruppe Handala trat erst vor wenigen Jahren erstmals in Erscheinung. Sie hatte zuletzt eine Reihe von Cyberangriffen auf israelische und US-Unternehmen für sich beansprucht. Handala erklärte, der Angriff auf Stryker sei ein »voller Erfolg« und »nur der Anfang eines neuen Kapitels in der Cyberkriegsführung« gewesen, man habe mehr als 200.000 Systeme und Server in 79 Ländern lahmgelegt.

Unklarer Schaden

Das Unternehmen selbst spielt den Schaden herunter. Zwar gab der Hersteller zu, dass »wegen eines Cyberangriffs eine weltweite Netzwerkstörung in unserer Microsoft-Umgebung« aufgetreten sei. Es gebe aber keine Hinweise darauf, dass die Angreifer Schadsoftware einschleusen konnten. »Wir gehen davon aus, dass der Vorfall unter Kontrolle ist«, teilt das Unternehmen mit.

Auch bei dem zweiten Angriff ist der Umfang des Schadens unklar. Handala gab wiederum auf X den Angriff auf das Unternehmen Verifone bekannt, ein US-Anbieter für bargeldloses Bezahlen. Die Gruppe postet Screenshots interner Systeme Verifones und behauptete, dass sie den Zahlungsverkehr unterbrochen habe. Doch Verifone bestreitet im britischen Magazin »The Register «, dass es zu Ausfällen gekommen ist, man habe auch keine Hinweise auf eine erfolgreiche Hackerattacke gefunden.

Der Beschuss der Schule von Minab

Die Hackerangriffe auf Stryker und Verifone weiten den Irankrieg auf den Cyberbereich aus und schüren Befürchtungen, dass weitere digitale Angriffe bevorstehen könnten. Iran hat bereits in der vergangenen Woche mehrere Rechenzentren der Amazon-Cloud-Tochter AWS in der Golfregion mit Drohnenangriffen beschädigt.

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Inzwischen gibt es neue Informationen zu dem Angriff, der von Handala als Begründung für die eigenen Aktionen herangezogen wurde. Nach Informationen der »New York Times« führte ein Fehler der US-Streitkräfte zu dem Raketenangriff. Das habe eine US-Militäruntersuchung vorläufig ergeben, berichtete die Zeitung am Mittwoch. Demnach wurden bei dem Angriff veraltete Daten des US-Militärgeheimdienstes DIA über die Zielumgebung genutzt. Die Untersuchung dauere weiter an, sagten US-Verantwortliche dem Blatt.

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pam/tmk/AFP/AP