SpOn 29.07.2026
12:08 Uhr

Heiko Strohmann: Kommunikation ausbaufähig, Stimmung kurz vor katastrophal – Bremens CDU-Chef erklärt Kritik an Merz


»Sie führen kein Unternehmen, das ist eine Partei«: Bremens Landeschef kritisierte den Kanzler hart. Merz habe »konsterniert« reagiert, sagt Heiko Strohmann im »Tagesspiegel«. Vor allem Ostverbände hinterfragen Merz’ Eignung.

Heiko Strohmann: Kommunikation ausbaufähig, Stimmung kurz vor katastrophal – Bremens CDU-Chef erklärt Kritik an Merz

Die Kritik an Bundeskanzler Friedrich Merz und seinem Personalumbau wird innerhalb der CDU immer lauter, wie jüngst bei der digitalen Sitzung des Bundesvorstands . Eine harte Attacke kam da aus Bremen. Landeschef Heiko Strohmann hat seine Aussage – »Sie führen kein Unternehmen, das ist eine Partei« – nun im Interview mit dem »Tagesspiegel«  ausgeführt.

Strohmann gehe es demnach darum, dass ein Vorsitzender zuhören und diskutieren müsse, nicht aber herumkommandieren könne.

Strohmann über Merz: »Er führt die CDU rein westdeutsch«

Strohmann hatte sich darüber geärgert, wie Merz zuvor in der Sitzung den sächsischen Innenminister Armin Schuster auflaufen ließ. Dieser hatte sich für eine stärkere Repräsentanz von Ostdeutschen in der Regierung ausgesprochen. »Das ist eine Sache, die mich bei Herrn Merz schon lange ärgert. Er hört nicht auf unsere ostdeutschen Parteifreunde. Er führt die CDU rein westdeutsch«, sagte Strohmann der Zeitung. »Die CDU aber muss den Anspruch haben, eine gesamtdeutsche Volkspartei zu sein. Das tun wir nicht, und das hilft der AfD.«

Merz habe »konsterniert« auf Strohmanns Wortmeldung reagiert, habe offenbar nicht mit Derartigem gerechnet. »Ich schätze Friedrich Merz als Bundeskanzler«, ergänzt Strohmann im Interview. »Seine Kommunikation als CDU-Chef aber ist ausbaufähig. Und seine Personalpolitik auch.«

Die Stimmung innerhalb der Partei sei dementsprechend schlecht. »Ich will nicht sagen, dass wir eine katastrophale Stimmung haben. Aber es geht schon in diese Richtung«, so Strohmann. Merz erkläre seine Politik zu wenig. Auch in der Causa Spahn hätte der Kanzler die Kommunikation nicht allein seinem Fraktionschef überlassen sollen, führt Strohmann weiter aus.

Von der Diskussion über einen Kanzlerwechsel halte Strohmann allerdings nichts. »Das ist Mumpitz«, sagt er.

Kritik auch aus Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt

Kritik kommt auch von der CDU in Mecklenburg-Vorpommern. »Der Personalumbau kann ein Aufbruchsignal sein, es ist gelungen, talentierte Köpfe in wichtige Positionen zu bringen«, sagte der CDU-Landeschef Daniel Peters dem SPIEGEL. »Leider ist aber die handwerkliche Umsetzung und Kommunikation mehr als holprig. Wenn personelle Neuaufstellungen nötig waren, was ich finde, müssen diese zügig umgesetzt und vor allem intern und nach außen klar kommuniziert werden.«

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In der sachsen-anhaltischen CDU herrscht ebenfalls Unverständnis über den Personalumbau in der Bundesregierung. Gut fünf Wochen vor der Landtagswahl  wünschen die Wahlkämpfer sich, dass nun endlich Ruhe in Berlin einkehrt.

Neben der chaotischen Kommunikation stören sich die Christdemokraten am Rauswurf von Tino Sorge, dem einzigen Parlamentarischen Staatssekretär aus Sachsen-Anhalt. Und daran, dass Merz noch nicht mal mit ihm gesprochen habe, bevor er es in den Gremien verkündete. Die Bundesregierung wies allerdings Kritik daran gegenüber dem SPIEGEL zurück. Die Rechtslage sehe vor, dass jeder Minister sich seine Parlamentarischen Staatssekretäre selbst aussuche, hieß es aus Regierungskreisen. Eines Anrufs des Bundeskanzlers bedürfe es nicht.

Dem Kanzler fehle das Verständnis für den Osten, heißt es aus Sachsen-Anhalt. In der Schlussphase des Wahlkampfes soll Merz zwei Termine in Sachsen-Anhalt absolvieren. Doch dem Vernehmen nach ist das Interesse der Mitglieder vor Ort überschaubar.

Sie haben beim Personalumbau des Kanzlers den Überblick verloren? Dann sind Sie hier richtig .

aeh/cte