SpOn 11.03.2026
12:05 Uhr

Großbritannien: Erb-Adlige müssen britisches Oberhaus verlassen


Ende einer Tradition: Künftig gibt es keine »Hereditary Peers« mehr im House of Lords. Einige der Adligen bleiben womöglich trotzdem.

Großbritannien: Erb-Adlige müssen britisches Oberhaus verlassen

Das britische Oberhaus hat über ein Gesetz abgestimmt, das die letzten noch verbliebenen Lords mit Erbtitel aus der zweiten Kammer des Parlaments verbannt. Bis zu der als King’s Speech bezeichneten Eröffnung des Parlaments in einigen Wochen wird es keine »Hereditary Peers« mehr im House of Lords geben, berichten britische Medien übereinstimmend.

Damit endet eine jahrhundertealte Tradition. Ex-Premierminister Tony Blair hatte schon 1999 entschieden, dass es im Parlament keine erblichen Sitze mehr geben soll. Hunderte Lords verloren damals ihr Recht, an der Gesetzgebung mitzuwirken. Dank einer Ausnahmeregelung konnten aber 92 Adlige ihre Plätze in der Kammer behalten – bis jetzt.

Zusätzliche Mitgliedschaften geplant

Neben den »Hereditary Peers« sitzen im Oberhaus die sogenannten »Life Peers«. Sie sind ebenfalls geadelt, können ihren Titel aber nicht an ihre Nachkommen weitergeben. Außerdem haben maximal 26 Bischöfe einen Platz in der Kammer.

Die »Life Peers« werden auf Vorschlag des Premierministers vom König ernannt. Teils handelt es sich um ehemalige Unterhausabgeordnete. Üblich ist auch, dass scheidende Premierminister ihre Weggefährten und Mitarbeiter mit der lebenslangen Mitgliedschaft belohnen. Medienberichten zufolge könnten einige der Erbadligen, die aufgrund der neuen Regelung nun ihren Platz verlieren würden, zu »Life Peers« werden. Die Regierung hatte zuletzt angeboten, im Laufe dieses Jahres mehr Mitglieder als üblich zu ernennen.

Oberhauspräsident Michael Forsyth dankte den scheidenden Adligen. »Unabhängig davon, welche Ansichten man zu dieser verfassungsrechtlichen Veränderung hat, ist es traurig, sich von Freunden zu verabschieden, die in vielen Fällen erheblich zu Debatten, zur parlamentarischen Kontrolle und zu unserem institutionellen Gedächtnis beigetragen haben«, sagte er.

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Das Oberhaus hat derzeit mehr als 800 Mitglieder, die im Durchschnitt 70 Jahre alt sind. Der älteste Lord, Anthony Martin Grosvenor Christopher, ist 100 Jahre alt.

esw/dpa