SpOn 10.07.2026
11:26 Uhr

Gesundheitsreform: Bundestag beschließt umstrittenes Sparprogramm


Das Parlament hat nach langem Ringen umfangreichen Reformen im Gesundheitswesen zugestimmt. Jetzt fehlt noch das Ja des Bundesrats. Die Opposition spricht von Kahlschlag.

Gesundheitsreform: Bundestag beschließt umstrittenes Sparprogramm

Der Bundestag hat das umstrittene Sparpaket der schwarz-roten Koalition für stabile Krankenkassenbeiträge verabschiedet. Dafür stimmten 319 Abgeordnete, abgegeben wurden insgesamt 609 Stimmen. Die Koalition verfügt – wenn alle Abgeordneten da sind – im Bundestag über 328 Stimmen.

Das Paket sieht Ausgabenbremsen in Milliardenhöhe vor, betroffen sind Arztpraxen, Kliniken, Apotheken und die Pharmabranche. Auf die Versicherten kommen höhere Zuzahlungen und Einschnitte bei bestimmten Leistungen zu. Außerdem wird die kostenlose Mitversicherung von Ehepartnern eingeschränkt. Durch das Paket sollen die gesetzlichen Krankenkassen entlastet und noch höhere Zusatzbeiträge verhindert werden.

Zuvor hatte Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) ihren Entwurf verteidigt. »Alle Beteiligten im Gesundheitswesen leisten einen Beitrag, denn alle profitieren auch langfristig von einer nachhaltigen Finanzierung«, sagte sie in der Debatte vor der Abstimmung. Die Lage der gesetzlichen Krankenkassen sei dramatisch und erlaube keinen Aufschub mehr. Die Leitlinie des Gesetzes laute daher: »Wir wollen künftig mit dem Geld auskommen, das wir haben, und nur noch das bezahlen, was nutzt.«

Am Paket waren zuvor noch Änderungen vorgenommen worden. Warken betonte aber: »Es bleibt ein ausgewogenes Paket.« Mit dem nun vorliegenden Entwurf werde zudem eine neue Finanzierungslücke geschlossen. Dabei bezog sie sich auf ein weiteres Anwachsen des für 2027 erwarteten Defizits um 3,5 Milliarden Euro. Konkret bezifferte die Ministerin das nunmehr mit dem Gesetz angestrebte Einsparvolumen nicht.

Mehr zum Thema

Scharfe Kritik der Opposition

Von der Opposition kam Kritik. Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann sagte, das mit heißer Nadel gestrickte Gesetz schone die eigentlichen Kostentreiber. »Es wird keine Beitragsstabilität geben, sondern Krankenhausinsolvenzen, überlastete Hausärzte und verratene Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten.« Linke-Fraktionschefin Heidi Reichinnek sagte: »Sie gefährden mit diesem Gesetz Menschenleben.« Nicole Hess (AfD) kritisierte: »Das ist keine Reform, das ist eine Einladung zum Rückzug aus der Versorgung.«

Hinter den Kulissen schwindet die Macht des Kanzlers: Eine Analyse zur Lage der Koalition nach dem Reformpaket lesen Sie hier .

fin/AFP/dpa